Feuer-Tragödie in der Silvesternacht Das beklemmende Protokoll der letzten Brandschutzkontrolle der Crans-Montana-Bar

Das wirft kein gutes Licht auf die Behörden!
Nach dem Silvester-Drama von Crans-Montana ist jetzt das Protokoll der letzten Brandschutz-Prüfung der Bar „Le Constellation“ aufgetaucht. Daraus geht laut der Neuen Züricher Zeitung (NZZ) unter anderem hervor, dass der angeblich gut sichtbare und stark brennbare Schaumstoff unter der Decke nicht beanstandet wurde.
Dem Blatt zufolge wurde dieser Schaumstoff bereits 2015 in dem Lokal verbaut. Bei der Prüfung aus dem Jahre 2019 sei er nicht erwähnt worden. Laut NZZ sei das Protokoll anhand einer Liste angefertigt worden. „Man kann sehen, dass er primär eine
Checkliste abarbeitete“, so die Zeitung.
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Unter dem Punkt „Keine brennbaren Materialien“ sei „nein“ angekreuzt worden. Das könne bedeuten, dass keine solchen Materialien festgestellt worden seien. Allerdings könnte damit auch „Nein“ als doppelte Verneinung gemeint gewesen sei, also im Umkehrschluss: es seien sehr wohl brennbare Materialien vorhanden gewesen. „Die doppelte Verneinung macht unklar, was das bedeutet“, so das Blatt weiter. Da keine weiteren Bemerkungen festgehalten wurden, lässt sich das nicht mehr eindeutig klären. Beanstandet wurde die brennbare Schaumstoffdecke demnach aber offenbar nicht.
„Kaum sinnvoll, die Verantwortung auf einen einzelnen Gemeindemitarbeiter abzuschieben”
Der NZZ zufolge hätte der Prüfer eher kleinere Mängel moniert. Dabei sei es um fehlende Kennzeichnungen von Feuerlöschern oder ungetestete Beleuchtungen der Fluchtwegschilder gegangen. Sollten diese Mängel binnen eines Vierteljahres behoben werden, könne die Bar weiterbetreiben werden, zitiert die Zeitung weiter aus dem amtlichen Dokument. Darin sei die Kontrolle abschließend als „positiv“ gekennzeichnet worden.
Warum insbesondere der Schaumstoff nicht beanstandet wurde, ist der Zeitung zufolge unklar. Der Prüfer habe sich auf NZZ-Anfrage nicht äußern wollen. Der Gemeindepräsident von Crans-Montana, Nicolas Féraud, hatte gesagt, es sei gesetzlich nicht vorgesehen, dass der Brandschützer die Brennbarkeit des Materials der Bar überprüfen müsse. Stéphane Ganzer, Sicherheitsdirektor des Kantons Wallis, habe dem allerdings heftig widersprochen, so die Zeitung.
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Weiter hebt die Zeitung hervor, dass es „kaum sinnvoll“ sei, die Verantwortung für das Geschehen auf „einen einzelnen Gemeindemitarbeiter abzuschieben“. Dem Gemeinderat hätten Kopien der Brandschutzberichte vorgelegen. Somit hätte es „auffallen müssen, wenn in einem Lokal jahrelang keine Kontrollen durchgeführt wurden.“ Die Gemeinde Crans-Montana habe auf die Frage nach dem „Warum“ nicht reagiert.
Crans-Montana: Bar-Betreiber zunehmend in der Kritik
Damit nicht genug. Neben diesen Ungereimtheiten droht den Schweizer Behörden der Zeitung zufolge weiteres Ungemach. Unter Berufung auf eigene Recherchen heißt es, dass Bar-Betreiber Jaques Moretti neben einer Verurteilung in seiner französischen Heimat in Crans-Montana Schwarzarbeiter beschäftigt hätte. „Das stellt infrage, ob er überhaupt eine Bewilligung für den Betrieb hätte erhalten dürfen“, schlussfolgert die NZZ.
Zudem rückt den Recherchen zufolge auch das Kanton Wallis zunehmend in den Fokus. Das kantonale Amt für Feuerwesen habe 2015 Pläne der gesamten Bar angefordert. Grund: ein Bauantrag für den Außenbereich. Zum gleichen Zeitpunkt habe Wirt Moretti im Innenbereich eigenmächtig Umbauarbeiten vorgenommen. Laut NZZ genau dort, „wo später Dutzende Menschen starben“. Die Zeitung hält fest: „Die verlangten Pläne lieferten die Wirte dem Kanton aber offenbar nicht. Dennoch wurde weder die Bar geschlossen noch der Umbau verhindert.“
Feuer in der Bar „Le Constellation: „Wer hat sich bei der Katastrophe wie strafbar gemacht?“
Die zentrale Frage sei demnach, „wer sich bei der Brandkatastrophe wie strafbar gemacht hat“. Sie zu beantworten sei Aufgabe der Staatsanwaltschaft des Kantons. Allem Anschein nach dürfte es keine leichte Aufgabe werden.

Bei dem Feuer in der Bar „Le Constellation“ waren in der Silvesternacht 40 Menschen ums Leben gekommen. 116 weitere erlitten teils sehr schwere Verletzungen. Wegen des Brandes wurden Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung, fahrlässiger Körperverletzung und fahrlässiger Verursachung eines Brandes eingeleitet. Der Barbetreiber wurde in Untersuchungshaft genommen.
Verwendete Quellen: Neue Züricher Zeitung; AFP

