Helfer wollte sie noch in letzter Minute rettenElf Rehkitze bei Mäharbeiten wissentlich geschreddert: Anwohner sind fassungslos

von Anna Pauly, Anne Schneemelcher und Camilla Koziol

Das Problem ist ewig bekannt.
Rehe lassen ihre Kitze oft allein im hohen Gras, vermeintlich in Sicherheit. Doch wenn ein Mähdrescher kommt, ducken die Kleinen sich einfach nur weg, sie fliehen nicht. Deshalb werden Wiesen und Felder eigentlich seit Jahren vor dem Mähen abgesucht – mit Helfern, Drohnen und Wärmebildtechnik. Warum ist das nicht auch in Auerswalde passiert?

Mäharbeiter: Leben der Rehkitze ist mir egal

Es ist ein Anblick, der sich bei Nico Haberkorn aus dem Landkreis Mittelsachsen eingebrannt hat: „Es wurden nachweislich elf Rehkitze geschreddert, regelrecht geschreddert”, sagt er.

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Bereits Tage vorher hätten er und andere Anwohner die Agrarfirma darauf aufmerksam gemacht, dass sich auf dem Gelände Rehe mit Nachwuchs aufhalten. Als ihm ein Nachbar dann von den Mäharbeiten erzählt, fährt Nico Haberkorn sofort los. Mit dem Auto versucht er, die Mähfahrzeuge zu stoppen — vergeblich. Die Arbeit war getan, elf Rehkitze tot. „Ich konnte nur noch Verteilerfahrzeuge, die sozusagen das Gras dann breitwirbeln, stoppen und habe dort auch unmittelbar einen Fahrer angesprochen. Er hat zu mir gesagt, dass es ihm egal sei. Also ich hatte ihn vorher angesprochen darauf, dass hier Kitze gerade geschreddert worden sind, getötet worden sind. Es sei ihm egal. Er macht ja nur seine Arbeit.”

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Chef der Mähfirma möchte vor RTL-Kamera nicht sprechen

Dabei wäre das alles vermeidbar gewesen. Denn diese Problematik ist nicht nur seit Jahren bekannt. Heutzutage ist es selbstverständlich, Wiesen und Felder vor dem Mähen abzusuchen. Mit freiwilligen Helfern und mit Wärmebildkameras, um Leben zu retten.

Wir wollen die Firma mit den Vorwürfen konfrontieren. Zu dieser Anschuldigung möchte sich der Geschäftsführer vor der Kamera nicht äußern, hat uns aber schriftlich mitgeteilt: Mit einer Anwohnerin habe er unmittelbar nach der Aktion ein ausführliches und für beide Seiten aufklärendes Telefonat geführt.

Nico Haberkorn hat inzwischen Strafanzeige gegen die Firma gestellt. Für ihn zählt jetzt nur eines: „Dass so ein großes Unheil, was hier für die Tierwelt entstanden ist, nie wieder passiert.” Denn es wäre doch so leicht gewesen, das Leben der elf Rehkitze zu retten.

Verwendete Quelle: Eigene RTL-Recherche