Frust statt nackter Urlaubsfreude!FKK-Bereich auf AIDAdiva zu klein? Paar zieht vor Gericht

von Martin Breunig und Svenja Hoffmann

„Wie eine Attrappe.“
Fünf Monate um die Welt, knapp 70.000 Euro Reisepreis – und dann ist ausgerechnet der FKK-Bereich eine herbe Enttäuschung. Sabine Hartmann und Michael Balke hatten sich auf viel Platz zum Nacktsonnen gefreut. Doch weil sie sich über eine Veränderung an Bord nach eigenen Angaben vorab nicht informiert fühlten, fordert das Paar jetzt 15.000 Euro zurück.

FKK-Bereich sorgt für Kreuzfahrt-Frust

Für Sabine Hartmann und Michael Balke gehört die Freikörperkultur (FKK) zum Lebensgefühl. Entsprechend groß war die Vorfreude der beiden 71-Jährigen auf ihre fünfmonatige Schiffsreise rund um die Welt. Aus vorherigen Reisen kannten sie nach eigenen Angaben einen großzügigen FKK-Bereich an Bord. Doch diesmal erwartet sie eine Überraschung.

Was Sabine Hartmann an Bord vorfindet, hat mit ihren Erwartungen wenig zu tun: „Ein kleiner Bereich, den man gut als Kästchen bezeichnen kann, wo wirklich eng an eng Liegen stehen, ohne Sonnenschutz, ohne Sichtschutz, ohne Platz“, beschreibt sie die Situation im RTL-Interview. Es habe dort weder Dusche noch Whirlpool gegeben.

Ihr Urteil fällt entsprechend deutlich aus: „Das ist so ja wie eine Attrappe, um sagen zu können: Wir haben ja noch FKK.“

Das Paar hatte die Weltreise bereits zwei Jahre zuvor gebucht und war nach eigenen Angaben davon ausgegangen, dass ihm weiterhin der von früheren Reisen bekannte FKK-Bereich zur Verfügung stehen würde. Über zwischenzeitliche Umbaumaßnahmen seien die beiden nicht informiert worden.

Lese-Tipp: Schon gewusst? Diese Dinge dürfen nicht mit aufs Kreuzfahrtschiff

Michael Balke beschwert sich noch auf hoher See

Michael Balke wartet mit seiner Beschwerde nicht bis zur Rückkehr. Als ehemaliger Richter und Rechtsanwalt im Ruhestand weiß er, dass ein möglicher Reisemangel möglichst früh angezeigt werden sollte: „Weil ich ja als Jurist weiß, man muss das sofort machen und nicht erst später nach einem halben Jahr. Und das habe ich gemacht.“ Und zwar direkt bei der Zentrale in Rostock, wie er erzählt.

Eine Einigung mit dem Reiseveranstalter sei allerdings nicht zustande gekommen. Deshalb landete der Streit schließlich vor dem Landgericht Rostock.

Lese-Tipp: Kreuzfahrt-Route plötzlich geändert – darf ich kostenfrei stornieren?

Anzeige:
Empfehlungen unserer Partner

Wegen zu kleinem FKK-Bereich: Paar verlangt 15.000 Euro zurück

Von den knapp 70.000 Euro Reisepreis wollen die beiden nun einen Teil zurück: „15.000 wollen wir wieder haben, weil wir nicht informiert worden sind über diese Einschränkung in diesem Bereich“, erklärt Balke.

Aus seiner Sicht sei die Nutzung des vorhandenen Bereichs kaum zumutbar gewesen. Ob daraus tatsächlich ein Anspruch auf eine Rückzahlung entsteht, muss nun allerdings das Gericht klären. Entscheidend dürfte vor allem sein, was bei der Buchung tatsächlich vereinbart wurde.

Lese-Tipp: Traum-Kreuzfahrt geplatzt! Ehepaar bleibt auf 28.000 Euro sitzen - weil sie Krankenakte offenlegen mussten

Andreas Labi, Vizepräsident des Landgerichts Rostock, erklärt im RTL-Interview: „Ja, es geht zunächst wirklich ganz profan danach: Was haben die Parteien schriftlich vereinbart? Steht es im Vertrag drin oder steht es nicht drin?“

Sollte sich eine entsprechende Zusage dort nicht finden, könnte noch eine andere Frage relevant werden. Dann müsse geprüft werden, „ob und inwieweit der Anbieter dafür haftet, dass ältere Prospekte möglicherweise den Eindruck erwecken, als sei das, was dort geschrieben sei, noch der Fall“.

Reiseveranstalter äußert sich nicht zum laufenden Verfahren

Der Reiseveranstalter wollte sich auf RTL-Anfrage nicht zu den Vorwürfen äußern. Eine Sprecherin verwies darauf, dass es sich um ein laufendes Verfahren handele.

Ob der kleinere FKK-Bereich am Ende tatsächlich als Reisemangel gewertet wird und Sabine Hartmann und Michael Balke Geld zurückbekommen, ist derzeit noch völlig offen. Ein Urteil wird Mitte August erwartet.

Verwendete Quelle: eigene RTL-Recherche