Vorschlag von VerbraucherschützernEin ÖPNV-Ticket für alles!? Wir erklären den neuen Plan

Welches Ticket brauche ich jetzt schon wieder?
Wer nur gelegentlich Bus und Bahn fährt, kennt das Rätselraten um Tarifzonen, Kurzstrecken und Verbundgrenzen. Verbraucherschützer wollen damit Schluss machen: Bundesweit soll es nur noch fünf Ticketarten geben – und entscheidend wäre allein, wie lange die Fahrt laut Fahrplan dauert.
Nur noch fünf Tickets – so könnte das neue System aussehen
Geht es nach dem Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv), könnte der Ticketkauf für Bus und Bahn künftig deutlich einfacher werden. Statt unterschiedlicher Tarifzonen, Ringen und Verbundgrenzen soll bundesweit dasselbe Prinzip gelten. Entscheidend wäre nicht mehr, wie weit jemand fährt oder wie viele Tarifgebiete durchquert werden, sondern ausschließlich die im Fahrplan vorgesehene Fahrtzeit, berichtet die Deutsche Presse-Agentur (dpa).
Konkret schlagen die Verbraucherschützer nur noch fünf Ticketarten vor: für 15, 30, 60 und 120 Minuten sowie ein 24-Stunden-Ticket.
Und was würde der Spaß kosten? Festgelegt sind die Preise ausdrücklich noch nicht. Ein für das Konzept erstelltes Gutachten hat auf Basis der Preise von 2026 aber modelliert, wie die fünf Stufen aussehen könnten:
15 Minuten: 2,50 Euro
30 Minuten: 3,50 Euro
60 Minuten: 5 Euro
120 Minuten: 6,50 Euro
24 Stunden: 14,50 Euro
Für einen Ermäßigungstarif wäre jeweils der halbe Preis denkbar. Wichtig: Diese Beträge sind keine bereits beschlossenen Preise. Sie dienen lediglich als Modellrechnung und müssten bei einer späteren Einführung entsprechend angepasst werden.
Verspätung? Die soll euch nicht zusätzlich kosten
Das Prinzip dahinter ist denkbar einfach: Dauert die gewünschte Verbindung laut Fahrplan beispielsweise 25 Minuten, wäre das 30-Minuten-Ticket nötig. Für eine geplante Fahrt von 50 Minuten würde die 60-Minuten-Variante reichen.
Und was passiert, wenn die Bahn mal wieder länger braucht? Für Fahrgäste soll daraus kein finanzieller Nachteil entstehen. Berechnet würde ausschließlich die Fahrtzeit nach Fahrplan. Verspätungen oder Ausfälle sollen also nicht dazu führen, dass plötzlich ein teureres Ticket benötigt wird.
„Wer in Deutschland Bus und Bahn nutzt, braucht ein Tarifsystem, das überall gleich funktioniert“, sagt Ramona Pop, Chefin des Verbraucherzentrale Bundesverbands, der dpa.
Ihr Verband sieht im Deutschlandticket bereits einen ersten Schritt aus dem Tarifdschungel. Für Menschen, die nur gelegentlich Bus und Bahn nutzen und kein monatliches Abo brauchen, gebe es dagegen weiterhin einen „unübersichtlichen Flickenteppich aus Verbundgrenzen, Tarifzonen und Ticketangeboten“.
Das neue System soll deshalb bundesweit nach demselben Prinzip funktionieren – sowohl digital als auch ganz klassisch am Fahrkartenautomaten.
Vorbild Deutschlandticket – aber ohne Monatsabo
Die Idee orientiert sich am Deutschlandticket: Einmal das Prinzip verstanden, müssen sich Fahrgäste nicht mehr damit beschäftigen, welche Tarifregeln gerade an welchem Ort gelten. Das Deutschlandticket ist allerdings vor allem für Pendler und andere Vielfahrer gedacht. Inzwischen nutzen es laut dpa 14,5 Millionen Menschen. Seit Jahresbeginn kostet das monatlich kündbare Abo 63 Euro und gilt bundesweit in Bussen und Bahnen des Regional- und Nahverkehrs.
Lese-Tipp: Deutschlandticket für unter zwei Euro nutzen – so geht’s
Für Gelegenheitsfahrer können 63 Euro im Monat dagegen wenig attraktiv sein. Genau diese Lücke sollen die fünf neuen Zeittickets schließen.
Denkbar wäre laut dem Konzept außerdem ein digitales Ein- und Auschecken: Fahrgäste melden sich beispielsweise per App beim Einsteigen an und beim Aussteigen wieder ab. Anschließend könnte automatisch der günstigste passende Fahrpreis berechnet werden.
Kommt das neue Ticket-System jetzt wirklich?
Noch handelt es sich lediglich um einen Vorschlag der Verbraucherzentralen. Eine konkrete Einführung oder bereits beschlossene Preise gibt es nicht. Nach Vorstellung des Verbands könnte das Modell insgesamt „erlösneutral“ gestaltet werden. Heißt: Die Verkehrsunternehmen sollen dadurch in der Summe nicht weniger Fahrgeldeinnahmen erzielen als mit den heutigen Tarifen.
Gleichzeitig steht auch beim Deutschlandticket schon die nächste Preisfrage an. Für 2027 soll der Preis erstmals anhand eines neuen Index berechnet werden, der unter anderem Personal- und Energiekosten berücksichtigt. Wie viel das Ticket im kommenden Jahr kosten wird, soll demnächst bekannt gegeben werden.
Lese-Tipp: Preis für Deutschland-Ticket könnte deutlich mehr steigen als Lebenshaltungskosten
Verbraucherschützer warnen bereits vor einem weiteren deutlichen Preissprung: Gestartet war das Deutschlandticket 2023 für 49 Euro, später stieg der Preis auf 58 Euro und inzwischen auf 63 Euro.
Ob die fünf Zeittickets tatsächlich einmal den deutschen Tarifdschungel ersetzen, ist also noch völlig offen. Die Idee dahinter ist dafür ziemlich leicht erklärt: Statt sich künftig zu fragen „Welche Zone brauche ich?“, müsste man nur noch wissen: „Wie lange dauert meine Fahrt?“ (mit dpa/vho)
Verwendete Quelle: dpa


