Kein Partner und trotzdem ein BabySamenspende via Facebook ‒ Annika erfüllt sich ihren Kinderwunsch

von Christian Rau, Elisabeth Beikel und Theresa Maas

Nicht ganz ungefährlich!
Viele Frauen kennen diese Situation. Es gibt zwar verschiedene Möglichkeiten für Singles, schwanger zu werden, zum Beispiel in einer Kinderwunschklinik per Samenspende. Nur kann sich das nicht jede Frau leisten. Deswegen gibt es in Deutschland auch immer mehr private Samenspenden übers Internet. Wir haben eine Frau begleitet, die sich für genau diesen Weg entschieden hat.

Annika hat den Samenspender bei Facebook gefunden

Annika hat bereits zwei Kinder. Seit 18 Jahren ist die 39-Jährige alleinerziehend. Ihre beiden Töchter sind auf natürlichem Wege in festen Beziehungen entstanden. Die Väter sind heute nicht mehr Teil ihres Lebens. Nun möchte Annika ein weiteres Kind bekommen. „Es gibt nichts, was ich mir sehnlicher wünsche, als noch einmal schwanger zu werden. Es gibt kein schlimmeres Gefühl als Frau, als diesen unerfüllten Kinderwunsch”, erklärt sie RTL, als wir sie auf ihrer Reise zum Wunsch-Baby begleiten. Ihren großen Traum will sie sich ohne Mann und über eine private Samenspende erfüllen.

Lese-Tipp: Kinderwunsch: Das müssen Sie essen, wenn Sie schwanger werden wollen

Ein befremdlicher Gedanke für viele. „Dann gibt es natürlich die Kategorie, die mich als krank, als egoistisch, als Abschaum darstellt, dass die Kinder darunter leiden, weil ich ihnen den Vater entziehe. Und es prallt bei mir ehrlich gesagt nur noch ab”, so Annika. Sie wisse ganz genau, was sie tue und bespreche jeden Schritt mit ihrer ältesten Tochter Kiara.

Die Suche nach einem geeigneten Spender war alles andere als einfach. Für Annika sei es wichtig, dass das Kind zu jeder Zeit Kontakt zum Spender aufnehmen könne. „Und ich möchte den Spender persönlich kennenlernen, nicht nur optisch in einem Katalog aussuchen”, so die alleinerziehende Mutter. „Die größte Schwierigkeit war, einen Samenspender zu finden, der nicht nur Sex möchte, der nicht nur triebgesteuert den Kinderwunsch der Frauen ausnutzt.” Denn das kommt für Annika nicht infrage. Sie möchte durch die Bechermethode schwanger werden: Dabei führt sie sich die Spermien selbst per Spritze ein.

Lese-Tipp: Britta findet ihren Vater in einer Samenspender-Doku

Nachdem Annika anonym einen Aufruf auf Facebook gemacht hatte, fand sie unter Hunderten von Anfragen endlich ihren Spender. „Ich bin auf Sympathiebasis primär beim Aussuchen gegangen. Mir persönlich waren seine Stärken und Schwächen unheimlich wichtig. Mir war sein Beruf wichtig. Sachen wie Optik waren für mich nebensächlich. Jemand, der gesund und sportlich ist, reicht mir”, erklärt sie. Beim ersten Treffen überprüft Annika Gesundheitszeugnis, Spermiogramm und Personalien ihres Spenders. Geld bekommt der Mann nicht – er will Frauen schlicht dabei helfen, den Kinderwunsch zu erfüllen.

Kein Vertrag, keine Sicherheit

Einen schriftlichen Vertrag gibt es nicht. Der Spender kennt weder Annikas richtigen Namen oder ihre Adresse, und hat somit auch keine Sorge- oder Umgangsrechte. Sie könnte jederzeit Unterhalt von ihm fordern, müsste dafür aber ihre Identität preisgeben. Dann hätte wiederum der Spender das Recht, sein Kind zu sehen.

Eine Samenbank wäre in so einem Fall rechtlich und medizinisch sicherer, sagt Kinderwunsch-Ärztin Dr. Corinna Mann: „Dann werden medizinische Voruntersuchungen gemacht, auch einerseits zur Anamnese, also das heißt, was bringen die für Vorerkrankungen mit. Was gibt es vielleicht für Erkrankungen in der Familie, die eine Rolle spielen könnten, auch über die letzten Generationen? Bei den Samenbanken werden teilweise auch wirklich nur so fünf bis zehn Prozent der Samenspender überhaupt angenommen.“

Lese-Tipp: Was passiert in einem Kinderwunschzentrum?

Für Annika sind die vermeintlichen Risiken kein Grund auf die private Samenspende zu verzichten. So ungewöhnlich es ist – für sie ist dieser Weg zur Schwangerschaft der richtige. „Ich hoffe jeden Zyklus, dass es klappt. Ich drücke mir immer selber die Daumen. Aber ich weiß, dass ich alles gemacht habe, was in meiner Macht steht. Wir haben gutes Timing. Ich habe alles getan. Er hat alles getan. Und mehr geht nicht.“

Verwendete Quellen: RTL-eigene Recherche