TikTok-Trend mit ernstem HintergrundGen Z setzt auf „Angsttaschen“

8,1 Prozent der Erwachsenen in Deutschland haben laut RKI im Jahr 2024 die Diagnose für eine Angststörung in der ambulanten Versorgung.
Immer mehr junge Erwachsene in Deutschland leiden an einer Angststörung. (Symbolfoto)
Antonioguillem/ADOBE FOTO STOCK

Eine Tasche, um die Nerven zu beruhigen.
Ob „Angsttaschen“, „Panikbeutel“ oder „Beruhigungssets“ – darauf setzt mehr und mehr die Gen Z. In den sozialen Medien finden sich immer mehr Beiträge, in denen junge Menschen den Inhalt ihrer sogenannten Anxiety Bags zeigen. Der Hintergrund ist ernst.

Wenn die Panik kommt, soll der Inhalt der Taschen helfen

Nach einem stressigen Arbeitstag brodelt ein Gefühl von Panik in Hannah Fowles (22). Die junge Amerikanerin leidet an einer diagnostizierten Angststörung. In Momenten wie diesen rasen ihre Gedanken, ihre Wangen laufen rot an. „Ich begann, mich extrem zu überhitzen, und ich konnte mich nicht beruhigen“, erklärt Fowles in der New York Post. „Nichts, was ich normalerweise tue, wie Atemübungen oder mich in einem dunklen Raum hinlegen, half.“

Doch die 22-Jährige setzt auf einen Tipp, den sie selbst auf TikTok gesehen hat. Gemeinsam mit ihrer Therapeutin habe sie vor wenigen Tagen eine kleine „Angsttasche“ gepackt. Neben ihren Medikamenten befinden sich darin kleine Hilfsmittel wie Kühlbeutel, ein kleiner Taschenventilator und ein stacheliges Fidget-Spielzeug. Dinge, die helfen sollen, sie in akuten Situationen zu beruhigen.

Immer mehr junge Menschen mit Angst-Diagnose

Angststörungen umfassen laut Gesundheitsatlas Deutschland eine Gruppe psychischer Störungen, die durch ein übersteigertes Angstempfinden gekennzeichnet sind. Im Jahr 2024 erhielten in Deutschland 8,1 Prozent der Erwachsenen eine Diagnose einer Angststörung in der ambulanten Versorgung, so das Robert Koch-Institut (RKI).

Bei den unter 30-Jährigen seien rund 8,9 Prozent der Frauen und 4,4 Prozent der Männer betroffen – Tendenz steigend, was laut RKI zum einen an der gegenwärtigen erheblichen Belastung durch verschiedene Krisen liegen kann. Allerdings führe auch die Entwicklung, dass Betroffene heute eher Hilfe suchen, zu mehr Diagnosen, heißt es weiter.

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Ärztin nennt Methode „genial”

Andere in Hannahs Alter finden auf dieselbe Weise Linderung. „Dinge wie Achtsamkeit und Body-Scans sind großartig, aber man muss daran denken, sie auch zu machen“, sagt Dr. Kyra Bobinet, Ärztin und Verhaltensneurologin, in der New York Post. Eine Selbstregulierungshilfe in Momenten mit hohem Stress und sensorischer Überlastung griffbereit zu haben, ist nach Bobinets Worten „genial“.

Die Hilfsmittel in der „Angsttasche” würden Betroffenen eine Möglichkeit geben, sich abzulenken und zu beruhigen. „Es schafft andere Sinneseindrücke, auf die man sich konzentrieren kann, damit man sich nicht vollständig von den rasenden Gedanken eines ängstlichen oder depressiven Geistes überwältigt fühlt.“

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Das Toolkit individuell anpassen

Nicht jedes Hilfsmittel funktioniere bei jedem. „Zu wissen, was die Angstgefühle auslöst, hilft dabei, herauszufinden, was Ihr ‚Sorgenzentrum‘ beruhigen kann“, sagt Dr. MaryEllen Eller, Fachärztin für Psychiatrie, der New York Post. Sie empfiehlt, in einer ruhigen Umgebung mit verschiedenen Techniken zu experimentieren, um herauszufinden, was am besten funktioniert.

Diese Dinge können Inspiration für eine Angsttasche sein:

  • Kopfhörer gegen Überreizung

  • Kaugummis oder Bonbons mit zum Beispiel saurem oder scharfem Geschmack

  • Fidget-Spielzeuge

  • Kühlbeutel

  • Duftöle

Verwendete Quellen: New York Post, Gesundheitsatlas Deutschland, Robert Koch Institut, Instagram/Hannahfowles