Von Hautkribbeln bis TinnitusKaum bekannt! Auch hinter DIESEN Beschwerden können die Wechseljahre stecken

Hitzewallungen, unregelmäßige Periode, Stimmungsschwankungen.
Alles Symptome der Wechseljahre, die weithin bekannt sind. Doch die lange Phase der hormonellen Umstellung kann eine Vielzahl von Beschwerden auslösen, die die meisten Frauen gar nicht mit der Menopause in Verbindung bringen würden. Fünf erstaunliche Beispiele!
Wechseljahre sind „Renovierungsprojekt des Gehirns”
Euch plagt auf einmal ein Pfeifen im Ohr, euer Mund fühlt sich komisch an oder ihr habt plötzlich das Gefühl, den Fokus auf euer gesamtes Leben zu verlieren – aber der Arzt kann nichts Ungewöhnliches feststellen?
Die gute Nachricht ist: Ihr bildet euch das nicht ein! Es ist nicht unwahrscheinlich, dass es sich um Wechseljahressymptome handelt. In einem Interview mit dem Gesundheitsportal Alloy Health erklärt die renommierte italienische Neurowissenschaftlerin Dr. Lisa Mosconi, dass die Wechseljahre im Grunde genommen ein „Renovierungsprojekt des Gehirns“ sind. Sie beschreibt das Hormon Östrogen als eine Art „Geschäftsführer” des Gehirns, der eure Energie, eure Stimmung und eure Sinne steuert. Und wenn der Östrogenspiegel fällt, sendet euer Körper oft Signale, die auf den ersten Blick gar nicht nach einer Hormonumstellung aussehen.
Hier sind fünf Symptome, bei denen ihr genauer hinsehen solltet!
Tinnitus: Lästiges Pfeifen im Ohr
Bei einem Tinnitus tauchen Geräusche wie Rauschen, Fiepen oder Klicken auf, die keine äußere Quelle haben und oft als extrem belastend empfunden werden. Viele Betroffene vermuten zuerst ein Ohrenleiden, doch die Ursache kann bei Frauen auch an einer ganz anderen Stelle liegen.
Der HNO-Spezialist Dr. Hamid Djalilian erklärt im Experten-Blog der University of California (UCI Health), dass Östrogen normalerweise die empfindlichen Haarzellen im Innenohr schützt und für eine gute Durchblutung sorgt. Wenn der Hormonspiegel bei Frauen in den Wechseljahren schwankt, wird das gesamte System laut Djalilian instabil: Das Gehirn wird „hellhöriger“, es verstärkt harmlose Hintergrundgeräusche und verliert die Fähigkeit, diese effektiv herauszufiltern. So wird aus einem leisen Summen plötzlich ein lautes Pfeifen, das den Alltag sehr belasten kann.
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Brennender Mund: Wenn die Zunge plötzlich „Feuer fängt“
Ihr habt ein brennendes oder taubes Gefühl im Mund, obwohl ihr gar nichts Heißes oder Scharfes gegessen habt? In der Medizin spricht man hier vom Burning Mouth Syndrome (BMS, „Brennender-Mund-Syndrom”). Es fühlt sich oft so an, als sei die Zungenspitze verbrüht oder als hättet ihr einen metallischen Geschmack im Mund. Die Beschwerden sind morgens oft mild und steigern sich im Laufe des Tages bis hin zu echten Schmerzen am Abend. Meistens sind die Zungenspitze und -seiten betroffen, aber auch der Rest der Mundschleimhaut kann brennen.
Der Grund? Wir haben Östrogenrezeptoren im gesamten Körper, wie die Wechseljahre-Spezialistin Dr. Zubina Mawji in einem Beitrag für die Cleveland Clinic erklärt – auch in der Mundschleimhaut. Ein Mangel an Östrogen kann laut der Expertin dazu führen, dass die Nerven im Mundraum überreagieren und Schmerzsignale an das Gehirn senden, obwohl eigentlich gar kein äußerer Reiz vorliegt. Darüber hinaus kann sich die Zusammensetzung eures Speichels verändern: Er wird zäher und seine schützende Gleitfunktion nimmt ab.
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„Ameisenlaufen”: Kribbeln auf der Haut
Viele Frauen berichten von einem intensiven Kribbeln, als würden Ameisen direkt unter ihrer Haut krabbeln. Für diese Empfindung gibt es sogar ein Fachwort: Formikation. Es tritt besonders häufig abends in Ruhephasen oder beim Einschlafen auf. Es ist eine Form der Parästhesie, also eine Empfindungsstörung ohne sichtbare Ursache wie einen Ausschlag oder Insektenstich.
Hinter diesem Kribbeln steckt oft ein regelrechter „Kollagen-Crash“. Da Östrogene die Kollagenherstellung in der Haut stimulieren, sinkt der Kollagengehalt nach der Menopause um durchschnittlich 2,1 Prozent pro Jahr. Dadurch wird die Haut dünner, trockener und fragiler. Unter dieser geschwächten Barriere liegen die feinen Rezeptoren der Nerven fast „frei“ und senden falsche Impulse an euer Gehirn, das diese dann als Jucken oder Krabbeln interpretiert.
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Brain Fog und ADHS
Fühlt ihr euch plötzlich extrem ablenkbar, vergesslich oder unfähig, euren Alltag zu planen? Bei einigen Frauen bricht in der Perimenopause etwas durch, das sie ihr ganzes bisheriges Leben kompensiert haben: ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung). Viele haben immer funktioniert, perfekte Listen geführt und sehr hart gearbeitet, doch auf einmal bricht dieses „mentale Gerüst“ zusammen.
Die schwedische Psychiaterin Dr. Lotta Borg Skoglund von der Universität Uppsala fand in ihren Forschungen heraus, dass Östrogen ein natürlicher Stabilisator für unsere Aufmerksamkeit ist, weil er den Botenstoff Dopamin im Gehirn im Gleichgewicht hält. Wenn das Östrogen in den Wechseljahren weniger wird, schwindet auch dieses Gleichgewicht. Das hat Folgen: Was ihr früher vielleicht mit viel Disziplin und Ehrgeiz überspielt habt, führt nun zu echtem Chaos im Kopf und dem berüchtigten „Brain Fog“. Viele fühlen sich in dieser Phase total überfordert und leer, weshalb Ärztinnen und Ärzte häufig Burnout oder eine Depression diagnostizieren. Dabei kommt nicht selten nur eine lebenslange ADHS zum Vorschein, die euer Körper vorher einfach besser selbst ausgleichen konnte.
„Elektrische Schläge” – ganz ohne Strom
Was für ein unangenehmes Gefühl: Einige Frauen erleben in den Wechseljahren plötzliche, blitzartige Missempfindungen, die sich wie kleine elektrische Schläge im Kopf, Nacken oder in den Armen anfühlen – sogenannte Body Zaps. Diese elektrischen Schocksensationen (ESS) treten oft völlig unvorhersehbar auf. Sie können sich auch wie heftige Vibrationen anfühlen. Obwohl sie meist nur kurz anhalten, lösen sie bei vielen Frauen große Verunsicherung aus.
Bei ESS handelt es sich um vorübergehende Störungen in der körpereigenen Nachrichtenübermittlung: Normalerweise sorgt Östrogen dafür, dass unsere Nerven Botenstoffe wie das Glückshormon Serotonin richtig verarbeiten können. Mit den Hormonen kommen in den Wechseljahren aber auch diese „Leitungen“ durcheinander – es kommt zu einer Art „Kurzschluss“ im Nervensystem. Das Gehirn wird dadurch extrem empfindlich: Signale, die normalerweise völlig harmlos sind, werden plötzlich viel zu stark weitergegeben. So kann eine eigentlich ganz normale Wahrnehmung plötzlich als elektrischer Schlag ankommen.
Hinweis: Dieser Artikel ersetzt nicht die Diagnose durch eine Ärztin oder einen Arzt. Sollte eines oder mehrere der hier beschriebenen Symptome bei euch auftreten, lasst euch medizinisch beraten – auch, um abzuklären, dass keine anderen Ursachen dahinterstecken. Oft hilft bereits eine Stabilisierung des Hormonhaushalts, um die „Leitungen“ in eurem Körper wieder zu beruhigen und die Lebensqualität spürbar zu verbessern.
Verwendete Quellen: Alloy Health, Annie Wright, Cleveland Clinic, UCI Health, die Spezialistin
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