Einstand für Karoline Schuch in Kiel"Tatort: Unter Freunden": Die Zeit nach Borowski ist angebrochen

Die Ära Borowski ist vorbei - jetzt hat Mila Şahin in Kiel das Sagen. Direkt in ihrem ersten Fall ohne ihn bekommt sie es mit Korruption, Wirtschaftskriminalität und einem schweren persönlichen Verlust zu tun. Lohnt sich das Einschalten beim "Tatort: Unter Freunden"?
Alles neu macht der Oktober: Über eineinhalb Jahre mussten Fans des Kieler "Tatorts" auf einen neuen Fall warten. Im März 2025 hatte sich Axel Milberg (70) als Borowski in den Ruhestand verabschiedet und damit eine echte Ära beendet. 22 Jahre lang hatte der eigenbrötlerische Ermittler den Sonntagskrimi geprägt wie kaum ein anderer Charakter. Erhalten geblieben ist seine Kollegin Almila Bagriacik (36) alias Mila Şahin - und die kann jetzt endlich richtig zeigen, was in ihr steckt. Erstmals tut sie das in Teil eins der Doppelfolge "Unter Freunden/Unter Feinden" am 11. Oktober (20:15 Uhr im Ersten oder ab sofort in der ARD Mediathek).
Unterstützung bekommt sie dabei von der neuen festen Ermittlerin an ihrer Seite: Karoline Schuch (44) spielt die Polizeipsychologin Elli Krieger. Die muss im ersten Teil allerdings noch auf ihren großen Auftritt warten, denn erst einmal darf Lilith Stangenberg (38) als Kommissarin Anna Nowak ihr Können zeigen.
Darum geht es im "Tatort: Unter Freunden"
Mila Şahin freut sich riesig: Anna Nowak, ihre beste Freundin von der Polizeischule, hat sich auf ihr Anraten in Kiel beworben und die Stelle tatsächlich bekommen. Von nun an sind die beiden also im Team unterwegs und müssen direkt zu ihrem ersten gemeinsamen Fall ausrücken. In der Förde wurde die Leiche einer jungen Frau gefunden. Die Tote fühlte sich von ihrem Arbeitgeber Prometheus, einem aufstrebenden Tech-Start-up, bedroht. Wurde sie deshalb aus dem Weg geschafft?
Bei der Sichtung der Unterlagen stoßen die Ermittlerinnen auf auffällige Kontobewegungen bei Prometheus. Da sie sich mit Wirtschaftskriminalität nur bedingt auskennen, wollen sie LKA-Mann Jan Kuper (Sven Schelker) zur Rate ziehen. Doch der scheint sich mehr für Nowak als für den Fall zu interessieren und die Ermittlungen zu blockieren.
Außerdem liegt es ohnehin viel mehr auf der Hand, dass der gewalttätige Ex-Freund der Toten sie ermordet hat. Die unkonventionelle und rebellische Nowak versucht, eigene Ermittlungen anzustellen. Seit sie erfahren hat, dass ihre Freundin sich auf die Stelle der Kripo-Dienststellenleitung beworben hat, ist sie sowieso nicht mehr gut auf Şahin zu sprechen. Und sie hat ein Geheimnis, das sie nur Polizeipsychologin Elli Krieger verrät. Mit der steht Şahin wiederum auf Kriegsfuß, seit sie sie bei ihrer Beurteilung für die neue Stelle durchleuchten wollte. Und so wird die Kommissarin in ein gefährliches Spiel aus Drogenmissbrauch, Korruption und Rache hineingezogen.
Lohnt sich das Einschalten?
Natürlich. Allein schon aus Neugier, um zu sehen, wie es nach Borowski in Kiel weitergeht. Und das ist vor allem modern, urban und schnell erzählt. So sehr man Borowski auch geliebt haben mag: Endlich bekommt Almila Bagriacik die Chance, in einem zeitgemäßen Umfeld ihr ganzes schauspielerisches Können zu zeigen und ihrer Rolle mehr Tiefgang zu geben. "Ich wollte, dass sie mit einem ganz anderen Selbstbewusstsein und einer ganz anderen Lautstärke auftritt", erklärt Regisseur und Autor Lars Kraume. Im Zusammenspiel mit Yorck Dippe (geb. 1969) als neuem Dienststellenleiter Robert Iwersen darf sie sich sicher auf das ein oder andere Gefecht freuen.
Aber Bagriacik ist nicht die Einzige, die in diesem "Tatort" glänzt. Vor allem durch die herausragende Episodenhauptrolle Lilith Stangenberg gelingt ein fesselnder Krimi, obwohl die Täterfrage schon relativ schnell geklärt ist. Auch das Thema rund um Drogenmissbrauch und Korruption in den eigenen Reihen erfindet dieser Fall natürlich nicht neu, und ein bisschen mehr Innovation rund um die Mafia-Geschäfte hätte es schon sein dürfen. Nichtsdestotrotz überzeugt der Krimi durch seine Dynamik und hält die Spannung bis zum zweiten Teil aufrecht.
Besonderes Augenmerk lag aber natürlich auf Karoline Schuch als neue feste Ermittlerin. Ihre Rolle hält sich zunächst noch etwas zurück, in Teil zwei der "Tatort"-Doppelfolge darf sie sich wesentlich mehr zeigen. Doch schon in Teil eins kommt gut durch, was man von ihrer Elli Krieger erwarten kann: höchste Professionalität, aber durchaus auch Regelbrüche, wenn es sein muss. Zudem eine latent nervige Art des Nachfragens, mit der die eigene Verschlossenheit unterstrichen wird. Und ein besonderer Teamgeist, für den sie sich auch in Gefahr begibt - und vor allem ganz viel frischen Wind nach Kiel bringt. Am 18. Oktober läuft mit "Unter Feinden" dann die Fortsetzung.
(eyn/spot)


