Test-Odyssee im Urlaub

Quarantäne-Chaos auf Zypern: Paar erlebt blanken Wahnsinn statt purer Erholung

Die Zeit vergeht langsam, wenn man nur in der Unterkunft sein darf
© RTL, Eric Jakubowski

09. Oktober 2020 - 14:06 Uhr

Ein Urlaub wird zur Nervenprobe

Viviane und Eric aus Coswig bei Dresden wählen Zypern als ihr Urlaubsziel aus, weil die Insel damit wirbt, bestens auf Corona vorbereitet zu sein. Doch ihr Inselaufenthalt entpuppt sich als reinste Quarantäne-Test-Odyssee. Kurz nach ihrer Ankunft werden sie angewiesen, sich in Quarantäne zu begeben, obwohl sie mehrfach beweisen, nicht infiziert zu sein. Wie sich ihr geplanter Erholungsurlaub am Strand in quälendes Ausharren im Zimmer verwandelt, haben sie uns erzählt.

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Flug und Einreise

Mann und Frau die Maske tragen
Am Flughafen von Paphos, nichtsahnend, was den beiden bevorsteht.
© RTL, Eric Jakubowski

Mit ausgefülltem "flightpass" treten der Medientechniker und die Filialleiterin voller Vorfreude ihren ersehnten Urlaub an. Landung in Paphos: Die gesamte Ryainair-Maschine wird auf Covid-19 getestet. Diese Prozedur wird schon als sehr unangenehm und fragwürdig empfunden. "Alle sollten sich dicht gedrängt anstellen, erneute Flightpässe digital ausfüllen, an Tablets die rumgereicht wurden, ohne Desinfektion oder ähnlichem", berichtet uns Eric in seiner Nachricht an Urlaubsretter@rtl.de. Als das Paar nach einer Stunde in der Warteschlage den Testbereich erblickt, bangt es ihnen vor dem Abstrich. Eric beschreibt überspitzt, "wie zwei Arzthelferinnen oder gefühlte Fleischfachverkäufer die Probanden mit den Stäbchen halb erstachen".

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Erleichterung für Eric

Benachrichtigung über negatives Covid-19-Testergebnis per SMS
Erics negatives Testergebnis lässt nicht lange auf sich warten.
© RTL

Aber Augen zu und durch. Nachdem die beiden den Test hinter sich gebracht haben, reisen sie von Paphos aus am nächsten Tag mit einem Mietauto in den Süden der Insel, zu ihrer Airbnb-Unterkunft. Am Morgen nach ihrer Anreise erhält Eric sein Testergebnis per SMS: Negativ. Viviane hat ihr Ergebnis noch nicht und eine erste Verunsicherung macht sich breit.

Erster Schock

Paar steht am Strand in kniehohem Wasser
Der erste Tag am Strand beginnt mirt guter Stimmung, die bald vergehen wird.
© RTL

Am Tag darauf, Viviane immer noch ohne Testergebnis, machen sich die 23- und der 32-Jährige auf den Weg zum Konnos Beach, mieten sich Strandliegen und freuen sich auf einen entspannten Tag in der Sonne. Kaum angekommen, klingelt das Telefon von Viviane. Eric hebt ab: Am anderen Ende der Leitung informiert sie jemand auf Englisch, dass sie demnächst in ihrer Unterkunft abgeholt werden würden. Sie müssen in ein Quarantäne-Hotel.

Positiv getesteter Passagier an Bord gewesen

Paar im Meer, Sie küsst ihn auf die Wange
Noch ausgelassen, kurz vor dem Anruf des zypriotischen Gesundheitsministeriums, geniessen die beiden den gerade gestarteten Urlaub.
© RTL

"Ich gestammelt, ob es jemanden gibt der Deutsch versteht. Es wurde Aufgelegt! Wenige Minuten später ein erneuter Anruf. Gebrochenes Deutsch: "Wo sind Sie?", werden sie gefragt, wie Eric erzählt. Das "Ministry of Health Cyprus" erklärt: 'An Bord ihrer Maschine war jemand, der positiv getestet wurde.' Sie erwidern, dass Erics Test negativ ist und Vivianes Ergebnis noch nicht vorliegt. Doch die Anweisung bleibt dieselbe: Sie haben sich sofort in ihre Unterkunft zu begeben, wo sie abgeholt werden. Eric bittet um einen erneuten Anruf, sobald sie ihr Apartment erreicht haben.

Grausen beim Anblick des Quarantänehotels

Im Zimmer googeln die beiden das Hotel, in das sie gebracht werden sollen: "Uns wurde schlecht… Einzelzimmer, auf dem Gang positiv getestete Personen, Zimmer teilweise abgeschlossen", erzählt Viviane. Dann der erneute Anruf vom Gesundheitsministerium: Die beiden handeln aus, in ihrer Unterkunft bleiben zu dürfen. "Also Koffer wieder ausgepackt."

Immer wechselnde Gesprächspartner

Screenshot von Wetterapp
Bei diesen Temperaturen sollen Eric und Viviane die nächsten zwei Wochen in ihrer Unterkunft ausharren
© RTL

Auf Nachfrage nach Vivianes Ergebnis, wird ein Rückruf in fünf Minuten angekündigt, der erst nach drei Stunden kommt. Wieder heißt es: 14 Tage Quarantäne. Eric protestiert: Es sei nicht mal klar, ob sie infiziert seien, er ja in keinem Fall. Ein erneuter Anruf: Adriana vom "Ministry of Health" erklärt dem Paar, dieses Mal auf Deutsch, was sie bereits schon wissen: 14 Tage Quarantäne wegen des Kontakts zu einer infizierten Person. Keine Auskunft darüber, wie nah man der infizierten Person gekommen sei, noch ob Viviane positiv ist. Abends dann ein kleiner Hoffnungsschimmer: Durch einen zweiten, negativen Test, können sie ihren Urlaub wie geplant fortsetzen.

Ewiges Hin und Her

Corona-Test
Mithilfe eines zweiten, negativen Tests sollen die beiden die Quarantäne vorzeitig beenden dürfen
© imago images/PanoramiC, JB Autissier via www.imago-images.de, www.imago-images.de

Die beiden sind erleichtert, dass dann nur zwei Tage ihres Urlaubs drauf gegangen wären, die sie bei 38 Grad in der Unterkunft verbracht haben. Der nächste Lichtblick: Auch Vivianes Test ist negativ. Das stimmt die beiden positiv. Doch dieses Gefühl wird nicht lange bleiben. Am nächsten Morgen fahren sie zum Krankenhaus für den zweiten PCR-Test. Am Tag darauf die erlösende Nachricht: Beide sind negativ! Sofort packen Viviane und Eric ihre Strandsachen. Als sie gerade die Unterkunft verlassen wollen, eine hinterlassene Voicemail von Adriana: "Ihr müsst weiter in Quarantäne bleiben. Es gibt ein neues Protokoll. Leider können wir nichts dagegen tun". Unfassbar für das Paar aus Coswig: Wozu weiter in Quarantäne? "Wir sind fit und haben binnen vier Tagen zwei Negativergebnisse und keine Symptome", erklärt Eric.

Fragwürdige Zuständigkeit

Gedeckter Tisch mit vollen Tellern
Wenigstens mit Essen und Trinken wollen es sich die beiden noch gut gehen lassen.
© RTL, Eric Jakubowski

Sofort rufen Eric und Viviane zurück, wollen mit Adriana sprechen: Doch Adriana soll an diesem Tag nicht arbeiten und erst in fünf Tagen wieder zurück sein. Alle Diskussionen und Verhandlungsversuche führen ins Leere: Sie müssen drinnen bleiben oder umbuchen und schon jetzt zurückfliegen. Das hätten bereits einige Deutsche gemacht, die sich in derselben Lage befänden. Für Viviane und Eric eine neue Info.

RKI meldet sich

Am nächsten Tag erhalten sie einen Anruf vom Robert-Koch-Institut. Sie wurden dem Institut gemeldet. Man wüsste gerne, wo sie und die infizierte Person gesessen haben sollen. "Das wird auch uns nicht verraten", erklärt Eric dem RKI. Vermutlich haben sie dann direkt neben der betroffenen Person gesessen, so das Institut. Daraufhin Eric: "Ich habe am Fenster gesessen, daneben meine Freundin und daneben niemand". Nun fragt Eric nach den anderen Personen, die sich bereits dazu entschlossen hätten, ihren Urlaub abzubrechen. Dem Institut sollen aber nur Viviane und Eric gemeldet worden seien. Die Fragezeichen werden immer größer, ihr Pech scheint ihnen immer willkürlicher und die Umstände, die sie in diese Lage brachten, immer dubioser.

Abbruch des “Urlaubs“

Screenshot Flugumbuchung
Statt des 10.9. fliegen die beiden schon am 6.9. zurück
© RTL

Eric und Viviane entschließen sich, ihren Urlaub abzubrechen, um sich zu Hause noch von den Strapazen erholen zu können. Die Flugumbuchung bei Ryanair kostet nun aber nicht mehr nur 75 sondern 350 Euro. Als sie das "Ministry of Health" über ihr neues Ausreisedatum informieren, erwartet sie die nächste Hürde: Es ist nicht möglich, ohne negatives Testergebnis, das nicht älter als 48 Stunden ist, auszureisen. Dieser Test muss aber selbst bezahlt werden, da pro Urlauber nur zwei Tests übernommen werden. Eric weist darauf hin, dass der zweite Test fälschlicherweise angewiesen wurde, gewollt vom Ministerium. Doch auch hieran ist nicht zu rütteln. Früh am nächsten Morgen fahren sie in ein 100 km entferntes Privatkrankenhaus: Das einzige, das noch einen freien Termin hatte. Nun heißt es noch zwei Tage in der Unterkunft vor sich hin schwitzen und warten.

Rückflug und Ankunft

Paar sitzt auf Wohnzimmercouch
Viviane und Eric sind froh wieder zu Hause zu sein.
© RTL

Noch ärgerlicher ist es für die beiden, dass sich weder am zypriotischen Flughafen, noch in Deutschland, jemand für ihren dritten Test interessiert, den zu bekommen, nicht gerade unproblematisch war. Zurück in Deutschland meldet sich wieder das zypriotische Gesundheitsministerium, mit der Frage, ob einer der beiden Symptome habe: "Wir hatten nie welche und sind schon zurück in Deutschland", antwortet Eric, mit seinen Nerven am Ende. Die Tatsache, dass sie schon abgereist sind, scheint dem Ministerium irgendwie durchgegangen zu sein.

Weitere Ernüchterung

Screenshot Email
Das antwortet das "Ministry of Health" Eric auf seine Anfrage, wie es fürr die beiden zu ihrer Situation kommen konnte.
© RTL

Der Versuch, sich von Ryanair die Umbuchungsgebühr erstatten zu lassen, blieb ohne Erfolg. Auch vom Kontakt, den Adriana vom "Ministry of Health" an Eric wegen einer Erstattung weitergegeben hat, kam bisher keine Rückmeldung. Immerhin zeigten sich die Airbnb-Vermieter sehr kulant und erstatteten den beiden aus Mitleid einen Teil ihrer Kosten. Wie Eric und Viviane in diese ausweglose Situation kommen konnten, ist noch unklar. Ihre Versuche, auch darüber Auskunft beim "Ministry of Health" zu bekommen, waren bisher erfolglos.

Auch seitens der Airline keine Erklärung

Screenshot Email
Das schreibt das "Ministry of Health" weiter
© RTL

Ebenfalls der Versuch, von Ryanair Antworten auf die offenen Fragen zu bekommen, bringt kein Licht ins Dunkle. Die Airline sei lediglich der Datenanforderung des zypriotischen Gesundheitsministeriums bezüglich des Fluges von Viviane und Eric nachgekommen. Wie die zypriotischen Behörden mit Covid-19-Fällen und der Kontaktverfolgung umgehe, sei "beyond the control of Ryainair", so der Billigfluganbieter. Mehr wolle man zu dem Vorfall nicht sagen. Dass die Erfahrung von Viviane und Eric auf einen Fehler bei der Aufnahme oder Verarbeitung der Daten zurückzuführen sein könnte, darauf geht die Airline nicht ein.

Zypern dennoch bereisenswert

Mann steht auf Fels vor Meeer mit Schiffswrack im Hintergrund
Zypern ist wirklich sehenswert. Hoffentlich kehrt das Paar zurück, damit die Erinnerung an den erschwerten Aufenthalt, neuen, ausgelassenen Tagen auf der Insel, verblassen kann
© RTL

Zwölf erholsame Tage wollten die beiden an den Stränden von Zypern verbringen. Schließlich reisten sie nach sieben Tagen ab, von denen sie sechs in Quarantäne ausharren mussten. So groß die Enttäuschung über ihren vermasselten Urlaub auch gewesen ist - das hält die beiden wohl nicht davon ab, die Insel erneut zu bereisen, sobald die Quarantäne-Test-Regelung Geschichte ist. Denn Vivianes und Erics Sympathie für die Zyprioten, die sehr hilfsbereit und freundlich gewesen sein sollen, konnte auch durch den erlebten Quarantäne-Test-Horror nicht gedämpft werden.

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