Die Kinder hatten es eilig

Zwillingsgeburt auf Raststätte: „Ich sah eine Frau auf Knien, schreiend, im Regen“

Krankenpfleger Maxence Gless half bei einer Zwillingsgeburt an einer französischen Raststätte.
Krankenpfleger Maxence Gless half bei einer Zwillingsgeburt an einer französischen Raststätte.
© Maxence Gless / Facebook

14. August 2021 - 9:03 Uhr

Krankenpfleger will Zigarettenpause machen und wird zum spontanen Geburtshelfer

Das war anders geplant: Auf einer ostfranzösischen Autobahnraststätte hat eine Frau mitten in der Nacht im strömenden Regen Zwillinge zur Welt gebracht. Trotz der dramatischen Umstände hatte die werdende Mama Glück im Unglück, weil ein Krankenpfleger zur richtigen Zeit Lust auf eine Zigarette hatte.

Die Zwillinge kamen eineinhalb Monate zu früh

Der Krankenpfleger hielt gegen 2:30 Uhr an der Raststätte bei Besançon eigentlich nur für eine Zigarettenpause auf dem Weg in den Urlaub. Doch daraus wurde nichts: "Ich sah eine Frau auf Knien, schreiend, im Regen", erklärte der 21-jährige Maxence Gless der Zeitung "Les Dernières Nouvelles d'Alsace". Zunächst habe er gedacht, dass es sich um einen heftigen Streit handelt. Doch dann habe er begriffen: Da kriegt gerade eine Frau ein Kind! Es waren allerdings sogar zwei, denn Jessica Zygmunt ist mit Zwillingen schwanger und ihre Fruchtblase ist gerade geplatzt. Sie und ihr Partner waren gerade mit ihrem zweijährigen Sohn von einer Reise ins Elsass zurückgekehrt.

Ins Krankenhaus nach Besançon hatten sie es nicht mehr geschafft. Die Zwillinge, die anderthalb Monate zu früh auf die Welt wollten, mussten an der Raststätte geboren werden. "Als ich das sah, war mein erster Instinkt, mich zu melden und zu sagen: 'Ich bin eine Pflegekraft, ich kann helfen'", so Maxence.

Glücklicher Vater meldet sich bei heldenhaftem Geburtshelfer

Das erste Kind, ein kleiner Junge namens Andreas, habe er nach der Geburt schnell dem Vater übergeben, weil die Mutter völlig ausgekühlt gewesen sei. Sie musste aber noch das zweite Kind zur Welt bringen. Der kleinen Léontine ging es nicht so gut wie ihrem Bruder, sie musste von den alarmierten Rettungskräften reanimiert werden, wie die Zeitung "L'Alsace" berichtete.

Am Tag darauf meldete sich der glückliche Vater bei Pfleger Maxence. Die bescheidene Reaktion des Krankenpflegers: "Ich hätte mir das alles nie zugetraut, aber was ich getan habe, ist normal, das wird uns in der Ausbildung beigebracht." Er werde sich an diesen Moment immer erinnern. Die Zwillingseltern sicher auch. (dpa / csp)