1.000 Rennen in ChinaRTL.de-Serie zum Jubiläums-GP: Die besten Formel-1-Rennen aller Zeiten

Formel-1-Legende unter sich
Formel-1-Legende unter sich

Die Formel 1 feiert beim Großen Preis von China ein dickes Jubiläum. In Shanghai findet am Wochenende der 1.000 GP der Geschichte statt. Von 1950 bis heute - wir haben in den Archiven der Königsklasse gestöbert und einige der spektakulärsten und spannendsten Geschichten für Sie herausgekramt. Teil 1 unserer RTL.de-Serie: Die besten Rennen aller Zeiten.

Juan Manuel Fangio - Großer Preis von Deutschland 1957, Nürburgring

Wer glaubt, Reifenstrategien seien eine Sache der Formel-1-Neuzeit, der irrt. Auch in den 1950er Jahren spielt der Härtegrad der Gummis im Rennen eine wichtige Rolle. So auch am 4. August 1957. Auf der legendären Nordschleife kämpft Maserati-Pilot Juan Manuel Fangio gegen die Ferrari-Fahrer Mike Hawthorn und Peter Collins um den Sieg – und seinen fünften WM-Titel. Während die Scuderia-Jungspunde bis an den Rand vollgetankt sind und mit harten Englebert-Pneus durchfahren wollen, zieht Veteran Fangio die härteren Pirelli-Schlappen an und setzt auf eine 1-Stopp-Strategie mit halbvollem Tank.

Der Große Preis von China live bei RTL

Das Kalkül des Argentiniers: Nach dem Start einen Vorsprung rausfahren, der groß genug ist, um nach dem nötigen Pit-Stopp vorne zu bleiben. Der Plan geht zunächst auf. Rasch fährt Fangio einen Vorsprung auf die Roten heraus. Als er in Runde 12 in die Garage abbiegt, liegt er eine halbe Minute vorne. Beim Üben haben seine Mechaniker Reifenwechsel und Volltanken noch in gut 30 Sekunden geschafft. Am Renntag braucht Fangios Crew allerdings 52 Sekunden (heute dauert der Stopp rund 2,5 Sekunden). Als der damals 46-Jährige wieder auf die Strecke kommt, beträgt sein Rückstand 51 Sekunden. Acht Runden sind noch zu fahren.

Formel 1-Fahrer Juan Manuel Fangio aus Argentinien (M) winkt am 04.08.1957 als Sieger auf Maserati beim Grossen Preis von Deutschland auf dem Nürburgring in die Kameras der Fotografen.
Juan Manuel Fangio lieferte beim GP von Deutschland 1957 ein Meisterstück ab

Zunächst kann Fangio trotz frischer Reifen wenig ausrichten, alles deutet auf einen Ferrari-Triumph hin. Dann aber wächst Fangio in der „Grünen Hölle“ über sich hinaus, mutiert zum F1-Teufel. Bis zu 14 Sekunden pro Runde holt er auf. Als es zum letzten Mal auf die Schleife geht, hat Fangio die Roten auf dem Radar. Erst quetscht er sich an Collins vorbei, wenig später ist Hawthorn fällig. Unfassbar: Fangios schnellste Rennrunde ist acht Sekunden schneller als seine Pole-Zeit. Mit seinem 24. und letzten Grand-Prix-Sieg krönt sich die F1-Ikone zum fünften zum Mal Champion der Königsklasse. „Ich habe mich derart gefordert, dass ich zwei Nächte nicht schlafen konnte. So bin nie zuvor gefahren, aber ich wusste auch: So schnell würde ich nie mehr fahren können“, sagt Fangio nach dem Husarenritt.

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Michael Schumacher, Großer Preis von Spanien 1996, Circuit de Catalunya

ARCHIV - 02.06.1996, Spanien, Barcelona: Der damalige Formel 1-Weltmeister Michael Schumacher jubelt auf dem Podium nach seinem Sieg für Ferrari beim Großen Preis von Spanien auf dem Circuit de Catalunya bei Barcelona.    (zu dpa "Im Namen des Vaters: Mick Schumacher als Erbe des Hypes" vom 01.01.2019) Foto: Harry Melchert/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Michael Schumacher feierte 1996 in Barcelona seinen ersten Sieg in Rot
hm kde tba, dpa, Harry Melchert

72 Rennen hat Formel-1-Rekordchampion Michael Schumacher mit Ferrari gewonnen. Sein erster Sieg in Rot ist vielleicht der großartigste. Nach seinem Wechsel von Benetton zu Ferrari muss Schumacher 1996 mit einem Cavallino Rampante klarkommen, das eher lahmt, als dass es große Sprünge macht. Im Qualifying zum Spanien-GP knöpfen die Williams-Piloten Jacques Villeneuve und Damon Hill dem Deutschen mehr als eine Sekunde ab. Keine guten Aussichten fürs Rennen.

Am Sonntag aber ist Schumi-Wetter. In Katalonien schüttet es derart, dass die Rennleitung gar erwägt, das Rennen hinter dem Safety Car zu starten. Als die Ampel ausgeht, erwischt Schumacher in seinem F310 einen gebrauchten Start, fällt von Platz 3 auf 7 zurück. Macht nix: In den katalanischen Fluten ist Schumacher konkurrenzlos. Während die Herren Hill und Irvine von der Piste kreiseln, kommt Schumi im Nassen erst richtig auf Touren, pflügt nur so an seinen Kontrahenten vorbei. In Runde 12 lässt er den Führenden Villeneuve wie einen Fahrschüler aussehen und surft dem Feld unwiderstehlich davon. Schumachers schnellste Runde ist 2,2 Sekunden schneller als alles andere, zwischenzeitlich nimmt er dem Rest vier Sekunden pro Runde ab. Eine unvergessene Meisterleistung.

Ayrton Senna, Großer Preis von Europa 1993, Donington Park

Ayrton Senna fuhr 1993 in Donington eine der besten Runden aller Zeiten
Ayrton Senna fuhr 1993 im Regen von Donington eine der besten Runden aller Zeiten
Imago Sportfotodienst

Anders als in Katalonien ist Regen in Großbritannien eher die Regel als die Ausnahme. Ein Wetter, bei dem Ayrton Senna so richtig aufblüht. Nach Ende der Honda-Ära steht Senna in seinem McLaren-Ford allerdings auf verlorenem Posten, sieht 1993 gegen die dominierenden Williams-Renault von Erzrivale Alain Prost und Damon Hill kaum Land. Auch in Dongington Park steht der Brasilianer nur auf Startplatz 4 – hinter den Williams und Michael Schumacher im Benetton. Aber es regnet ja. Beim Start fällt Senna kurz auf Rang 5 zurück, ehe er die vielleicht beste erste Runde der Formel-1-Geschichte fährt. Instinktiv weiß Senna, wo der Grip am besten ist, zieht erst innen an Schumacher, dann außen an Karl Wendlinger vorbei. Auch die überlegenen Williams haben gegen diesen Senna keine Chance.

Nach seiner „Runde für die Götter“ (vor allem das Bruderpaar Zeus und Poseidon dürfte im Olymp entzückt gewesen sein) ward Senna in Donington – abgesehen von Überrundungen – nicht mehr gesehen. Er gewinnt mit 1:13 Minuten Vorsprung vor Hill, Prost kriegt gar eine ganze Runde Rückstand aufgebrummt. „Bei solchen Bedingungen muss man zocken. Ich denke, wir haben heute ziemlich gut gezockt“, sagt Senna nach seinem 38. GP-Sieg.

Michael Schumacher, Großer Preis von Belgien 1995, Spa-Francorchamps

Michael Schumacher 1995
Michael Schumacher wurde 1995 im Benetton-Renault zum zweiten Mal F1-Weltmeister

Im Qualifying zum Belgien-GP 1995 läuft es bei Schumacher in seinem Wohnzimmer alles andere als rund. Wegen eines Crashs im Training kann er erst spät in die Zeitenjagd eingreifen. Weil es zu regnen anfängt, kommt der Titelverteidiger nicht über Platz 16 hinaus. Im Rennen aber überschlagen sich die Ereignisse. Zahlreiche Top-Leute fallen mit technischen Problemen aus, Schumacher prescht schnell durch die Mittelfeld-Reihen. Nachdem Jordan-Pilot Eddie Irvine in der Box-Feuer fängt, geht fast ein wenig unter, dass das Wetter umschlägt. Williams-Mann Damon Hill setzt im Nassen auf Regenreifen, Schumacher bleibt auf Slicks draußen und übernimmt im Benetton sensationell die Führung. Der Deutsche hat jetzt aber einen Riesennachteil: Mit Slicks ist er auf der rutschigen Piste wesentlich langsamer als sein WM-Rivale. Hill kommt in Riesenschritten näher, hängt Schumacher schon bald im Getriebe. Der Benetton-Mann verteidigt sich mit Haken und Ösen, rempelt Hill sogar kurz von der Piste.

Als es zu rutschig wird, muss Schumacher Hill doch noch passieren lassen – das Rennen ist aber noch lange nicht gelaufen. Die Strecke trocknet wieder ab, weshalb Hill zurück auf Slicks wechseln muss. Die Entscheidung zugunsten Schumachers? Von wegen! Die Rennleitung schickt das Safety Car raus, Schumis Vorsprung ist dahin. Erst als Hill wegen zu schnellen Fahrens in der Box eine 10-Sekunden-Strafe kassiert, ist die Messe gelesen. Von 16 gestartet, gewinnt Schumacher mit 19 Sekunden Vorsprung auf Hill – einer der größten Aufholjagden aller Zeiten endet im Triumph.

Lewis Hamilton, Großer Preis von Aserbaidschan 2018, Baku

29.04.2018, Aserbaidschan, Baku: Motorsport: Formel-1-Weltmeisterschaft, Grand Prix von Aserbaidschan, Rennen: Lewis Hamilton (r) aus Großbritannien, vom Team Mercedes AMG Petronas Motorsport, gratuliert dem Zweitplatzierten Finnen Kimi Räikkönen, vom Team Scuderia Ferrari, nach dem Rennen. Foto: Luca Bruno/AP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Kimi Räikkönen musste Lewis Hamilton 2018 in Baku nach einem irren Rennen zum Sieg gratulieren
AC exa, dpa, Luca Bruno

Auch die Formel 1 der Neuzeit kann Spektakel pur, wie der Aserbaidschan-GP 2018 eindrucksvoll beweist. Am Start verteidigt Pole-Mann Sebastian Vettel seine Führung vor den Mercedes-Piloten Lewis Hamilton und Valtteri Bottas. Dahinter knallt es zwischen Sergio Perez (Force India) und dem auf Platz 6 gestarteten Kimi Räikkönen im Ferrari, der ans Ende des Feldes zurückfällt. Sofort muss das Safety Car raus – die Strecke am Kaspischen Meer ist mit Trümmerteilen übersäht. Nach dem Re-Start sieht es lange nach einem Vettel-Sieg aus. Bis, ja bis sich die Red-Bull-Piloten Max Verstappen und Daniel Ricciardo über den Haufen fahren. Auf Start/Ziel fährt der Holländer zickzack und wird von seinem Stallrivalen auf die Hörner genommen.

Wieder Safety Car. Gerade als das Pace Car reinkommen soll, schmeißt Haas-Pilot Romain Grosjean seinen Boliden in die Mauer. Safety-Car-Verlängerung. In dem ganzen Strategie-Chaos verliert Vettel die Führung an Bottas. Beim fliegenden Neustart will sich der Ferrari-Star mit aller Macht an Bottas vorbeipressen, verbremst sich in Kurve 1 aber heftig und fällt auf Platz 4 zurück. Bottas sieht schon wie der sichere Sieger aus. In der vorletzten Runde platzt auf Start/Ziel aber der rechte Hinterreifen des Finnen – nix mit Champagner. Den verspritzt dafür Silberpfeil-Kollege Lewis Hamilton. Kimi Räikkönen beendet eine irre Aufholjagd als Zweiter, Force-India-Pilot Sergio Perez wird sensationell Dritter.