Berliner Hartz-IV-Empfänger Sven Walther (55)

"446 Euro im Monat sind viel zu viel!"

13. August 2021 - 14:11 Uhr

Sven Walther (55) legt bis zu 200 Euro im Monat zurück

Seit vier Jahren lebt Sven Walther von Hartz-IV, derzeit bekommt er 446 Euro im Monat. Viele Hartz-IV-Empfänger kommen mit dem Geld nicht hin, der 55-Jährige sagt aber: "Das ist viel zu viel!" Wie er fast jeden Monat bis zu 200 Euro zurücklegen kann – das erklärt er im Video.

"Deutschland ist ein Paradies"

Sven Walther hat nicht immer von Hartz IV gelebt. Früher hat er Versicherungen verkauft, Mitarbeiter gehabt – und sehr gut verdient. 2006 fingen die Probleme an, Walther musste sogar mehrere Jahre in den Knast. Nach dem Absitzen seiner Haftstrafe dann Hartz IV.

Für eine Provokation ist Sven Walter aber offenbar immer zu haben: "Warum sollte man arbeiten gehen, wenn man fürs Nichtstun, dieses Geld bekommt. Das ist hier in Deutschland ein Paradies". Einen schlecht bezahlten Job anzunehmen, das kommt für den Berliner nicht infrage. "Der Sprung ist lächerlich klein. Wegen 100 Euro müsste ich meinen Wecker auf 5 Uhr stellen. Das ist keine Relation", so Walther.

Die Miete für seine 40 Quadratmeter große Ein-Zimmer-Wohnung zahlt das Jobcenter. Statt dankbar zu sein, dass die Allgemeinheit ihn aufgefangen hat, haut er der Berliner noch einen raus: Für viele in seinem Viertel lohne der Wechsel in einen schlecht bezahlten Job nicht.

Traut sich Sven Walther nur das auszusprechen, was viele Deutsche denken? Wir haben in Gelsenkirchen nachgefragt. Jeder vierte Einwohner lebt hier von Hartz IV. Bekommen diese Menschen zu viel Geld? Wie die Gelsenkirchener über die Höhe von Hartz IV denken, zeigen wir im Video.

Wolfgang Büscher vom Kinder- und Jugendwerk "Die Arche" gibt aber zu bedenken: Hartz IV ist keine Dauerlösung. "Wenn ich auf Dauer davon leben muss, ist das viel zu gering". Gerade die Kinder können dann nicht am gesellschaftlichen Leben teilnehmen. "Wichtig ist, dass wir die Kinder fördern, die Kinder stark machen. Dafür muss Geld in der Kasse sein", so Büscher gegenüber RTL. Er selbst kann sich kaum vorstellen, wie man in Würde von 260 Euro im Monat leben könne.

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Das sind die monatlichen Ausgaben von Sven Walther

Und wie kann Sven Walter bis zu 200 Euro im Monat zurücklegen? Der 55-Jährige rechnet vor:

  • Essen und Trinken = 185 Euro
  • Hygieneartikel = 40 Euro
  • Handyvertrag = 7 Euro
  • Internet = 29 Euro
  • Streaming-Dienst = 4 Euro

Das macht insgesamt 265 Euro im Monat. Die Miete zahlt das Sozialamt wie bei allen Hartz-IV-Empfängern extra. Bleiben rund 180 Euro übrig, manchmal schafft er es sogar, 200 Euro zu sparen.

Freizeitaktivitäten unternimmt Sven Walther übrigens keine. Es leidet an der Lungenkrankheit COPD, ist schwerbehindert.

Einen Traum hat der 55-Jährige aber noch: Von dem ersparten Geld will er irgendwann mal nach Australien fliegen. Vielleich findet er den Hartz-IV-Satz danach nicht mehr so hoch. (aze)