XXL-Familie: Mutter Radford erwartet ihr 22. Kind – ist das eigentlich gefährlich?

23. Oktober 2019 - 11:43 Uhr

(Fast) jedes Jahr ein Baby

Bei den Radfords ist immer Trubel angesagt. Die Familie aus Morecambe in England erwartet bereits ihr 22. Kind. Bei Baby Nummer eins war Sue gerade einmal 14 Jahre alt. Und seitdem kam fast schon im Jahresrhythmus immer wieder eins dazu. Doch was bedeutet das eigentlich für den Körper der 42-Jährigen? Wir sprachen mit der Frauenärztin Dr. Sheila de Liz über die Gefahren so vieler Schwangerschaften.

Wie schafft ihr Körper das?

Es gibt sicherlich eine Menge verschiedener Reaktionen auf Familie Radford. Staunen ist eine – Sorge sicherlich eine andere. Nicht nur darüber, wie die Eltern Sue und Noel den Alltag mit 22 Kindern wuppen wollen, sondern auch darüber, wie das körperlich überhaupt möglich ist. Mehrlinge sind nämlich bei der Großfamilie übrigens keine dabei.

Es gibt die Gefahr einer Uterusatonie – Sue könnte dadurch verbluten

"Natürlich muss man sagen, dass das eine Hochrisikoschwangerschaft ist", stuft Frauenärztin Dr. Sheila de Liz aus Wiesbaden ein. Vor allem zum Geburtstermin hin (der übrigens für April ausgerechnet ist) könnten gleich mehrere Risiken auftreten: "Ein typisches Problem bei Frauen, die schon viele Kinder entbunden haben, ist, dass die Gebärmutter sehr groß und vorgedehnt ist", erklärt die Gynäkologin. "Die Kinder legen sich dadurch oft quer und liegen zur Geburt nicht in der richtigen Position."

Das birgt die Gefahr, dass die Gebärmutter reißen kann, wenn die Wehen losgehen. "Die Gebärmutter zieht sich normalerweise von der Größe einer Wassermelone auf Grapefruitgröße zusammen", beschreibt de Liz. Ist sie durch viele Schwangerschaften zu weit vorgedehnt, tut sie das nicht mehr so effektiv. Eine Uterusatonie kann die Folge sein. Diese Kontraktionsschwäche der Gebärmutter zieht oft eine starke bis lebensgefährliche Blutung nach sich. Wenn sie Sue Radford betreuen würde, erklärt die Gynäkologin, würde sie deshalb für die Entbindung vorsichtshalber eine Menge Bluttransfusionen bereithalten.

Die Wahrscheinlichkeit, inkontinent zu werden, ist hoch

Doch nicht nur während der Geburt bergen so viele Schwangerschaften Risiken für den Körper. "Jede Schwangerschaft und jede Geburt hinterlässt Spuren", gibt die Expertin zu bedenken. "Ja, man erholt sich auch wieder, aber der Ausgangszustand [von Sue Radford] ist schon 'kriegserfahren'." Vor allem ein schwacher Beckenboden – und daraus resultierende Inkontinenz – drohe der bald 22-fachen Mutter früher oder später mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit.

Ist Sue süchtig nach dem Schwangersein?

Wir wollten von Dr. de Liz wissen, ob Sue wohl "süchtig nach Schwangerschaften" sei. "Süchtig? Das finde ich zu negativ", meint die Ärztin. "Aber ich glaube, diese Frau fühlt sich am wohlsten, wenn sie schwanger ist. Für die Kinder finde ich es ein wenig bedenklich, wenn man die Mutter mit allen teilen muss."

Aber zumindest scheint Sue noch gesund und fit genug zu sein, um die vielen Schwangerschaften gut wegzustecken. Und auch wenn ihre Kinder sie vielleicht mit ihren vielen Geschwistern teilen müssen, hat wohl kaum einer so viele Spielkameraden unter demselben Dach wie die Radfords. Wir – und unsere Frauenärztin – wünschen der riesigen Familie jedenfalls alles Gute für Geburt Nummer 22!