Es war nur sechs Zentimeter groß

Winziges Spenderherz rettet Baby Louisa das Leben

Die glücklichen Eltern mit ihrer süßen Louisa im AKH Wien
Die glücklichen Eltern mit ihrer süßen Louisa im AKH Wien
© privat

07. Dezember 2021 - 21:17 Uhr

Einzigartige Operation rettet das Leben der kleinen Louisa

Dass ihre kleine Tochter noch am Leben ist, verdanken Florian B. (35) und Natascha K. (35) aus dem niederösterreichischen Obergrafendorf einem engagierten und hoch professionellen Ärzteteam am Wiener Universitätsklinikum AKH. Innerhalb weniger Wochen führten sie zwei lebensrettende Operationen am Herzen der kleinen Louisa durch, wie die österreichische Kronen-Zeitung berichtete.

Ihnen gehe es heute "den Umständen entsprechend gut". Doch als die Krise begann, hatten Louisas Eltern das Gefühl, sie hätten "den Boden unter den Füßen verloren", so Papa Florian gegenüber RTL.

Das Herz der kleinen Louisa war viel zu groß

Geboren wird Louisa im Juni dieses Jahres. Sie ist ein ganz normales, gesundes kleines Baby und der Sonnenschein ihrer glücklichen Eltern. Mitte August dann beginnt die Krise: Louisa ist von einem Tag auf den anderen plötzlich heiser, kann zwar noch ein wenig brabbeln, aber weder laut schreien noch weinen. Die Kinderärztin vermutet zunächst eine normale Sommergrippe, wie sie eben jeden mal erwischen kann. Als es dem Mädchen jedoch auch nach zwei Wochen nicht besser geht, schickt die Ärztin die kleine Familie vorsichtshalber in das Krankenhaus in St. Pölten, wo Louisa am nächsten Tag untersucht wird. Der Ultraschall ergibt, dass das Herz des erst drei Monate alten Babys die 1,5-fache Größe eines für sein Alter normalen Herzens hat – es also viel zu groß ist für das winzige Menschlein.

Große emotionale Herausforderung

Noch ist sie im Krankenhaus - wer weiß, vielleicht darf sie an Weihnachten schon nach Hause?
Baby Louisa hat in der kurzen Zeit, in der sie auf der Welt ist, schon viel durchgemacht.
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Louisa wird sofort in das AKH Wien überstellt. Dort kümmern sich die Herzspezialisten rund um den Leiter der Herzchirurgie, Professor Dr. Günther Laufer, und der Leiterin der Kinder-Kardiologie, Ina Michel-Behnke, um die kleine Louisa und ihr krankes Herz.

In der Nacht erleidet Louisa in der Klinik einen Herzstillstand. Nur der schnellen Reaktion des Klinikpersonals, Schwestern und Ärzten, ist es zu verdanken, dass die Kleine sofort reanimiert werden kann. Doch nun muss das Baby an eine Herz-Lungen-Maschine angeschlossen werden. Weil das allerdings nur eine kurzfristige Möglichkeit ist, ihr kleines Herz zu stabilisieren, kommt auch ein Herzkatheder zum Einsatz.

Louisa hat weiterhin Herzflimmern. Ihre Eltern sind verzweifelt. Doch eine Möglichkeit bleibt den Ärzten, Louisas Leben zu retten: Mit einem künstlichen Herzen, dem sogenannten "Berlin Heart" (ein mechanisches System, das zur links-, rechts- oder beidseitigen Herzunterstützung für Menschen jeden Alters und Größe dient). Es ist nach Meinung der Spezialisten die einzige Möglichkeit, Louisas Zustand so lange zu stabilisieren, bis ein Spenderherz für sie gefunden wird.

Für Louisas Eltern ist es eine sehr belastende Zeit, wie Vater Florian schildert: "Diese Zeit ging extrem an die Substanz, war eine große emotionale Herausforderung, die auch an die Psyche geht."

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Dank "Berlin Heart" stabilisiert sich Louisas Zustand

Natascha und Florian nehmen den Rat der Spezialisten an und entscheiden sich für das Kunstherz. Am 21. September wird Louisa ein doppeltes "Berlin Heart" eingepflanzt – weltweit ist sie damit wahrscheinlich - mit nur 4 kg Gewicht - das kleinste Baby, bei dem ein solcher Eingriff durchgeführt wird, so Prof. Laufer zu RTL. Ein wahres kleines Wunder! Der Zustand des Kindes stabilisiert sich. Es benötigt keine Schmerzmittel mehr. Louisa steht auf der Transplantationsliste. Die normale Wartezeit für ein Spenderherz beträgt ungefähr ein halbes Jahr.

Viele Schutzengel für Louisa

Die kleine Familie mit Masken im Krankenhaus.
Die kleine Familie mit Masken im Krankenhaus.
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Am 18. November dann, Florian ist gerade auf dem Weg von der Klinik zur Arbeit - der erste Tag seit Wochen, an dem er es wagt, wieder arbeiten zu gehen - als ihn der Anruf aus dem Klinikum erreicht: Es gibt ein Spenderherz für Louisa. Wenige Wochen erst hatten sie da auf das winzige Spenderherz gewartet. Gerade mal sechs Zentimeter war es groß.

Natascha und Florian sind heute überglücklich und dankbar für alles, was Ärzte, Schwestern, Pfleger, Freunde und Kollegen für sie getan haben: "Wir hatten viele Schutzengel!", sagt Florian.

Und beide wissen: Es gibt da draußen ein anderes Elternpaar, das nicht so viel Glück hatte und dennoch so selbstlos und empathisch war, das Herz ihres Babys Louisa zu schenken, und ihr damit das Leben zu retten.

Wie geht es weiter für Baby Louisa?

Die Transplantation des winzigen Spenderherzens ist gut verlaufen. Zwei Wochen bleibt Louisa danach noch auf der Intensivstation. Mutter Natascha ist nun stationär aufgenommen, um immer bei ihrer Kleinen sein zu können, Papa Florian geht wieder arbeiten und besucht seine beiden Mädels jeden Nachmittag.

Die Eltern sind vorsichtig optimistisch. Sie wissen: das erste Jahr ist ein Hochrisikojahr aufgrund von Louisas geschwächtem Immunsystem. Jede Kleinigkeit – ein Schnupfen, ein Haustier, sogar eine Topfpflanze könnte für Louisa fatale Folgen haben. Zudem wird ihr Kind sein Leben lang auf Immunsuppressiva und andere Medikamente angewiesen sein.

Doch jetzt freuen sie sich erst einmal auf das erste gemeinsame Weihnachtsfest mit ihrer süßen Louisa – vielleicht ja auch schon zu Hause! (psc)