WHO prüft drei potenzielle Präparate

Wie weit sind mit einem Mittel gegen Corona?

Damit schwer an Covid-19 erkrankte Patienten in Zukunft nicht mehr auf Intensivstation landen müssen, sollen Medikamente mögliche Genesungschancen verbessern.
Damit schwer an Covid-19 erkrankte Patienten in Zukunft nicht mehr auf Intensivstation landen müssen, sollen Medikamente mögliche Genesungschancen verbessern.
© dpa, Waltraud Grubitzsch, wg cul

12. Mai 2021 - 17:20 Uhr

Weltgesundheitsorganisation weitet Suche nach Medikamenten gegen das Coronavirus aus

Am Himmel blitzt ein neuer Hoffnungsschimmer im Kampf gegen das Coronavirus auf: Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat drei weitere potenzielle Medikamente zur Prüfung in eine große, internationale Studienreihe aufgenommen. Die Mittel sollen bei einer Covid-19-Erkrankung helfen, vor allem schwer Erkrankte könnten besonders von den Wirkstoffen profitieren.

Forschungsteams können ab sofort weltweit an dem neu aufgelegten "Solidarity Trial" ("Solidaritätsstudie") teilnehmen, ohne großen bürokratischen Aufwand zu haben. Was man sich davon erhofft? Dass ein Medikament gegen die vom Coronavirus ausgelöste Krankheit Covid-19 gefunden wird.

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Entzündungshemmende Medikamente schüren Hoffnung im Kampf gegen Covid-19

Impfstoffe können im Kampf gegen das Coronavirus nicht die einzige Möglichkeit sein, auch wenn die vier in der EU zugelassenen Vakzine vielversprechend sind.

Und eigentlich ist die Idee, ein wirksames Medikament gegen Covid-19 finden zu wollen, wenig neu – bislang blieb leider nur der Durchbruch aus, ein einziges Medikament namens Remdesivir kommt zur Zeit in Frage. Bereits letztes Jahr wurden vier mögliche Kandidaten getestet, die vor allem die Ausbreitung des Virus im Körper verhindern sollten. Weil diese antiviralen Wirkstoffe jedoch enttäuschten, liegt der Fokus nun auf Medikamenten, die Entzündungen hemmen sollen. Dieser Therapieansatz bezieht sich somit auf Patienten, die bereits an Covid-19 erkrankt sind. Bei schwer erkrankten Patienten und schweren Verläufen stellte sich der Ansatz schon als vielversprechend heraus.

Folgende drei Präparate und ihre Wirksamkeit sollen jetzt – laut "Spiegel" – im Rahmen der internationalen Studienreihe der WHO, untersucht werden:

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Das Medikament "Infliximab" gehört zu den Hoffnungsträgern

Unterschiedliche in Deutschland nicht zugelassene Arzneimittel. Zwei Münchner sollen über Jahre containerweise illegale Medikamente über Asien in alle Welt geschickt haben.
Wenn es bald neue Medikamente gegen Covid-19 gäbe, könnten vor allem schwere Verläufe der Krankheit verhindert werden.
© dpa, -, sja kno

Infliximab wird aktuell vor allem zur Therapie von Autoimmunerkrankungen eingesetzt, zu denen zum Beispiel Morbus Crohn oder rheumatische Arthritis gezählt werden. Dabei gehört das Medikament zu den monoklonalen Antikörpern: Es blockiert ein Protein, das von Immunzellen freigesetzt wird und Entzündungen fördert. Somit richtet sich Infliximab nicht direkt gegen das Coronavirus als solches, kann aber im Kampf gegen die Krankheit eingesetzt werden.

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Auch das Präparat "Imatinib" soll helfen

"Imatinib" wird nicht zur Behandlung von Autoimmunkrankheiten eingesetzt, sondern zur Krebstherapie. Bei diesem Medikament erhoffen sich Forscher besonders viel: Einerseits soll es verhindern können, dass das Virus überhaupt erst in die menschlichen Zellen einfällt und sich der Erreger dementsprechend auch nicht weiter ausbreiten kann, andererseits soll die Aktivität von entzündungsfördernden Proteinen herabsetzen.

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"Artesunat" bildet das Schlusslicht der Medikamente aus der Studie

Ursprünglich wurde dieses Medikament entwickelt, um einzellige Parasiten, die beispielsweise Malaria verursachen, zu bekämpfen. Darüber hinaus punktet es im Kampf gegen Covid-19 aber auch wegen seiner potenziell entzündungshemmenden Eigenschaften und Wirkungen.

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Wie geht es also weiter?

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Nicht nur Impfungen könnten im Kampf gegen das Coronavirus zum Einsatz kommen, sondern im besten Fall auch Medikamente.
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Das Gute ist, dass alle drei potenziellen Medikamente aus der Studienreihe schon zugelassen sind, weil sie eben auch bei anderen Erkrankungen als Therapiemöglichkeit funktionieren. Somit haben sie aufwendige und grundlegende Tests schon bestanden, wohingegen komplett neue Mittel erstmal überprüft werden müssten.

Ob Medikamente aus dem Autoimmunkrankheiten-Bereich, aus der Krebstherapie oder bei der Eindämmung von Malaria tatsächlich auch gegen Covid-19 wirksam sind, muss sich erst noch zeigen.

In jedem Fall wäre ein Medikament, das weitere Todesfälle verhindert, Krankenhaus- bzw. Intensivbetten leer bleiben lässt und den Menschen wieder ein relativ normales Leben ermöglichen würde, ein absoluter Durchbruch.


VDÜ