Virus könnte sogar aussterben

Corona: Das könnte uns nach 2021 erwarten

Wird Corona das zweite Malaria?
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11. August 2020 - 19:46 Uhr

Forscher aus Harvard haben mögliche Szenarien modelliert

Forscher aus den USA haben jetzt berechnet, wie die kommenden Jahre mit der Corona-Pandemie aussehen könnten. Dafür haben sie drei Szenarien entworfen. Wir erklären, was uns 2021 erwarten könnte.

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Immunität der Menschen ist entscheidend

Über das Coronavirus Sars-CoV-2 ist vieles immer noch unbekannt. So ist auch der weitere Verlauf der Pandemie ungewiss - nicht nur, wenn es um die befürchtete "zweite Welle" geht, die unmittelbar bevorstehen könnte, wenn sie nicht schon da ist. Auch der Blick auf die kommenden Jahre wirft Fragen auf: Wird Sars-CoV-2 verschwinden? Oder wird das Virus zu einem endemischen Erreger wie Malaria, der nie wirklich besiegt wird und jährlich viele Menschenleben fordert?

Forscher von der US-Universität Harvard haben versucht zu modellieren, was die Menschen in gemäßigten Breiten wie Nordamerika und Europa in den kommenden Jahren erwarten könnte. Ihre Voraussagen basieren auf unterschiedlichen Annahmen zu aus ihrer Sicht entscheidenden Aspekten der Coronavirus-Pandemie. Wie lange und intensiv das Virus bis 2025 auftreten wird, hängt laut den Autoren etwa maßgeblich davon ab, "wie lange die Immunität anhält", heißt es in der Studie - also wie lange ein Corona-Infizierter nach seiner Genesung vor einer Neuansteckung geschützt ist, weil sich seine Immunabwehr an den Erreger erinnert.

Jährlicher Ausbruch bis 2025 denkbar

Ob Menschen nach einer überstandenen Covid-19-Erkrankung tatsächlich immun gegen Sars-CoV-2 sind, ist bislang nicht eindeutig belegt, auch wenn es Hinweise darauf gibt. Völlig unklar ist jedoch, wie lange eine Immunität anhalten würde. Für die Modellierung des künftigen Verlaufs der Pandemie hatten die Harvard-Forscher drei verschiedene Szenarien entworfen:

  • Das erste Szenario geht von einer Immunität aus, die kürzer als 40 Wochen andauert, wie es auch für andere menschliche Coronaviren bekannt ist. Das Ergebnis ist ernüchternd: Bei einem derart kurzen Schutz vor einer Neuansteckung dürfte Sars-CoV-2 in den Jahren bis 2025 jährlich einen neuen größeren Ausbruch verursachen.
  • Das zweite Szenario der Forscher nimmt an, dass Menschen deutlich länger gegen Sars-CoV-2 immun sind, nämlich etwa zwei Jahre. In diesem Fall, so die Berechnung, würde es erst im Jahr 2022 einen neuen, vergleichsweise überschaubaren Ausbruch geben. Im Wechsel von zwei Jahren würden weitere folgen, unterbrochen von geringeren Aufkommen in den Jahren dazwischen.
  • Am optimistischsten ist das dritte Szenario, in dem die Immunität gegen Sars-CoV-2 ein Leben lang anhält. Die Berechnung sagt, dass die erste Pandemiewelle auch die letzte wäre und der Erreger auf lange Sicht sogar aussterben könnte.

Bei Kreuzimmunität könnte Corona für ein paar Jahre verschwinden

Aber auch die Möglichkeit, dass eine Ansteckung mit anderen Coronaviren - wie den schon länger in Menschen vorkommenden Erregern HCoV-HKU1 und HCoV-OC43 - vor einer Covid-19-Erkrankung schützen könnte, ziehen die Harvard-Forscher in einem ihrer Modelle in Betracht. Dabei spricht man von einer Kreuzimmunität. Selbst bei einer milden Kreuzimmunität würde Sars-CoV-2 zunächst für ein paar Jahre verschwinden, auch wenn die Immunität gegen das Virus nur zwei Jahren anhalten sollte. Allerdings könnte der Erreger in diesem Fall schon 2024 zurückkehren und einen neuen, wenn auch vergleichsweise harmloseren Ausbruch verursachen.

Hinweise auf eine mögliche Kreuzimmunität hatten deutsche Forscher zuletzt entdeckt: Sie fanden im Blut von Menschen, die nachweislich kein Covid-19 hatten, Immunzellen, die auf Proteine von Sars-CoV-2 reagierten. Die deutschen Forscher vermuten, dass dies mit vorangegangenen Infektionen mit heimischen Coronaviren zu tun hat.

Allerdings ist bisher unklar, welche Folgen dies genau hat: Es könnte eine schützende Wirkung haben, im schlechtesten Fall könnte das alarmierte Immunsystem aber auch seine Reaktion verschärfen, was Ursache für schwere Covid-19-Verläufe sein könnte. Eine Folgestudie soll darüber nun Klarheit bringen.

Kommt der Ausbruch künftig nur im Winter?

Die Forscher aus Harvard haben zu guter Letzt die Möglichkeit untersucht, dass sich Sars-CoV-2, wie seine Verwandten HCoV-HKU1 und HCoV-OC43, saisonal verhält, also künftig nur im Winter auftritt. Wenn Sars-CoV-2 wie seine Verwandten tatsächlich einen Hang zu saisonalem Auftreten zeigt, dürfte es laut den Berechnungen erst wieder im Winter 2021/2022 zu einem neuen Ausbruch kommen, gefolgt von einem weiteren im Winter 2023/2024.

Allerdings berücksichtigen die Forscher in ihren Modellrechnungen nicht die Möglichkeit, dass ein wirksamer Impfstoff gegen Sars-CoV-2 gefunden wird. Denn dieser könnte möglicherweise bereits im kommenden Jahr zum Einsatz kommen und neue Ausbrüche abmildern oder sogar verhindern. Allerdings ist derzeit nicht klar, ob es jemals einen Impfstoff geben wird, wenn auch die Anstrengungen bei der Entwicklung erheblich sind: Die WHO führt mittlerweile fast 170 Impfstoff-Projekte weltweit auf, von denen bereits 26 in klinischen Phasen an Menschen getestet werden.