Wie die Schlitters dem Mörder ihres Sohnes Mirco (†10) verzeihen konnten: "Auch dieser Mensch hat ein Recht zu leben"

01. Februar 2018 - 17:46 Uhr

Katja Burkard hat Mircos Eltern interviewt

Sandra und Reinhard Schlitter haben das Schlimmste erlebt, was man sich als Eltern nur vorstellen kann. 2010 wurde ihr damals zehnjähriger Sohn Mirco entführt, sexuell missbraucht und ermordet. Trotzdem haben sie Olaf H., dem Mann der ihrem Sohn das angetan hat, verziehen. RTL-Moderatorin Katja Burkard hat das Ehepaar getroffen und mit den beiden darüber gesprochen, wie man nach so einem schrecklichen Verlust weiterleben kann.

145 Tage lang wussten Mircos Eltern nicht, wo ihr Sohn war

Kerzen und ein Foto des getöteten Mirco aus Grefrath stehen am Dienstag (12.07.2011) vor dem Landgericht in Krefeld. Vor dem Landgericht beginnt am Dienstag der Prozess gegen den mutmaßlichen Mörder des kleinen Mirco aus Grefrath. Der Angeklagte hat
Kerzen und ein Foto des getöteten Mirco aus Grefrath stehen vor dem Landgericht in Krefeld (Archivfoto aus dem Juli 2011).
© dpa, Marius Becker

Der Zehnjährige aus Grefrath (Nordrhein-Westfalen) war am 3. September 2010 mit seinem neuen Fahrrad zu einem Skaterpark in der Nähe seines Elternhauses gefahren, um sich dort mit Freunden zu treffen. Doch er kam nicht mehr nach Hause. 145 Tage lang musste seine Familie die schreckliche Ungewissheit aushalten. Hunderte Polizisten suchten nach Mirco. Erst dann fassten die Ermittler den Täter Olaf H. – selbst Familienvater – der sie zur Leiche des Jungen führte.

Es ist unvorstellbar, was Mircos Eltern in der Zeit durchgemacht haben. Im Interview mit Katja Burkard erzählen die beiden aber, dass sie trotz allem dem Täter gegenüber keine Hassgefühle mehr haben. Vor einer Weile lasen sie beispielsweise in der Presse, dass Mircos Mörder mit einer Notoperation das Leben gerettet wurde. Beim Essen mit der Familie kam dann die Diskussion auf, warum man ihn nicht einfach hat sterben lassen. Doch Sandra Schlitters Meinung ist eindeutig: "Auch dieser Mensch hat ein Recht zu leben".

Die Schlitters versuchen, in all dem Leid das Positive zu sehen

An dem Tag, als die Mutter erfuhr, wer ihren Sohn auf dem Gewissen hat, dachte sie vor allem an die Familie des Mörders. Dass der Mann, der Mirco grausam missbraucht und getötet hatte, selber Vater ist, war für sie unvorstellbar. "Ich hatte wirklich Mitleid mit dem Rest der Familie, die da noch dran hing", erzählt sie. "Ich hatte Zeit 145 Tage Zeit. Ich habe mich damit auseinander gesetzt ganz intensiv. Aber für die war das ein Schock."

In der ganzen schweren Zeit haben die Schlitters natürlich gelitten und um ihren Sohn getrauert. Doch sie haben immer versucht, in all dem Leid auch das Positive zu sehen. All die Hilfe und Zuschriften, die sie bekommen haben, hätten ihnen ganz viel Zuversicht und Mut gegeben, weiterzumachen, erklären sie. Das ganze bewegende Interview, das auch Katja Burkard zu Tränen gerührt hat, sehen Sie im Video.