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WHO-Plan gegen Resistenzen: Antibiotika sollen in Kategorien eingeteilt werden

Aber was ist eigentlich mit resistenten Keimen im Fleisch?

WHO-Plan gegen Resistenzen: Antibiotika sollen in Kategorien eingeteilt werden

Antibiotika: Verwendung und Resistenz Gesundheitslexikon
01:15 min
Gesundheitslexikon
Antibiotika: Verwendung und Resistenz

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Immer mehr Keime sind resistent gegen Antibiotika

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sieht die immer weiter steigende Zahl antibiotikaresistenter Bakterien als alarmierend. 33.000 Tote durch soll es durch multiresistente Keime jährlich in Europa geben . Der Grund: Durch die Resistenzen können viele Krankheiten nicht mehr wirksam bekämpft werden. Eine Lösung dafür zu finden, sei eine der dringendsten Herausforderungen im Gesundheitsbereich – deshalb zögert die WHO nicht und schlägt gleich einen Ansatz vor. Aber was ist mit der Keimbelastung im Fleisch?

100 Jahre Medizin-Fortschritt zunichte?

„Die Antibiotikaresistenz droht, 100 Jahre medizinischen Fortschritts zunichte zu machen“, warnt WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus. Grund für die steigenden Resistenzen sei vor allem, dass Antibiotika in vielen Ländern falsch eingesetzt würden.

Die WHO hat die vorhandenen Antibiotika im Rahmen der neuen Kampagne „AWaRe“ („Bewusst“) deshalb jetzt in drei neue Kategorien eingeteilt:

  1. Kategorie: A für Access (= Zugang). Diese Mittel greifen nur ein bestimmtes Bakterium an (keine Breitbandantibiotika) und sind deshalb mit einem geringeren Resistenzrisiko behaftet. Sie sollen gezielt und bevorzugt verwendet werden.
  2. Kategorie: Wa für Watch (= Beobachten). In diese Kategorie fallen Mittel, die jedes Gesundheitssystem zwar bereithalten, aber nicht immer bei den gängigsten Infektionen verabreichen sollte.
  3. Kategorie: Re für Reserve (= Einschränkung). Mittel, die nur als letzter Ausweg genutzt werden sollen.

Sowohl die Antibiotika der Kategorie 2 als auch 3 sollen nur noch verschrieben werden, wenn kein anderes Mittel zur Bekämpfung von Erkrankungen mehr wirkt. Dadurch könne das Risiko der Entwicklung von Resistenzen verringert werden.​

Wie entstehen Antibiotikaresistenzen?

Von einer Antibiotikaresistenz sprechen Ärzte, wenn Patienten auf ein Antibiotikum nicht reagieren, die krankmachenden Bakterien also durch das Antibiotikum nicht vernichtet werden. Sie entwickeln sich, wenn bei einem Antibiotikaeinsatz einige Bakterien überleben. Diese vermehren sich dann und geben die Resistenz mit. Bakterien können auch gegen mehrere Mittel Resistenzen aufbauen. Einige dieser Bakterien widerstehen dann allen Antibiotika, die ehemals gegen sie wirkten. Für Patienten, die von solchen Bakterien befallen sind, gibt es dann oft kaum Heilungschancen.

Besonders besorgniserregend sei die Ausbreitung von Keimen wie Acinetobacter, Escherichia-coli und Klebsiella pneumoniae, die oft in Krankenhäusern zirkulierten. Sie könnten Lungenentzündung , Blutvergiftung und Wundinfektionen verursachen.

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Was ist mit resistenten Keimen im Fleisch?

Doch nicht nur der falsche Einsatz von Antibiotika zur Behandlung kranker Menschen könnte Schuld an der steigenden Resistenz sein. Auch in der Massentierhaltung werden Antibiotika eingesetzt – und resistente Keime so über das Fleisch auf den Menschen übertragen. Kürzlich zeigte eine Untersuchung der Umweltorganisation Germanwatch, dass jedes zweite Discounterhähnchen mit antibiotikaresistenten Keimen belastet ist.

Vielleicht ein weiterer Grund, öfter mal auf fleischlose Alternativen umzusteigen ...

Quelle: DPA, eigene Recherche