Wer hat Hanns Martin Schleyer erschossen? Ex-RAF-Terroristin Silke Maier-Witt bricht ihr Schweigen

Die ehemalige RAF-Terroristin Silke Maier-Witt hat 40 Jahre nach der Ermordung von Hanns Martin Schleyer über die Tat gesprochen.
Die ehemalige RAF-Terroristin Silke Maier-Witt hat 40 Jahre nach der Ermordung von Hanns Martin Schleyer über die Tat gesprochen.
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28. November 2017 - 15:23 Uhr

Rote Armee Fraktion ermordete Jörg Schleyers Vater

Seit 40 Jahren quält Jörg Schleyer die Frage, wer seinen Vater erschossen hat. Der Arbeitgeberpräsident Hanns Martin Schleyer wurde am 5. September 1977 von Terroristen der Rote Armee Fraktion (RAF) entführt. Nach sechs Wochen Geiselhaft erschossen die Kidnapper den 62-Jährigen. Bis heute ist unklar, wer damals die tödlichen Schüsse abgegeben hat. Alle, die an der Tat beteiligt waren, schwiegen hartnäckig – bis heute. Die frühere RAF-Terroristin Silke Maier-Witt brach nun ihr Schweigen und bat Schleyers Sohn um Vergebung.

"Ich möchte erst einmal um Verzeihung bitten"

Jörg Schleyer, Sohn von Hanns Martin Schleyer
Jörg Schleyer, der jüngste Sohn von Hanns Martin Schleyer, will seit 40 Jahren wissen, wer seinen Vater erschossen hat.
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Maier-Witt war nach der Entführung und Ermordung des Arbeitgeberpräsidenten zu zehn Jahren Haft verurteilt worden. Die Strafe hat die 67-Jährige längst verbüßt, abgeschlossen hat sie mit den Ereignissen von damals aber offenbar noch nicht. Laut 'Bild'-Zeitung traf sich die Ex-Terroristin mit Jörg Schleyer, dem jüngsten Sohn des damals Ermordeten, in Skopje. Maier-Witt lebt seit mehreren Jahren in der mazedonischen Hauptstadt.

"Es klingt so platt. Aber ich möchte erst einmal um Verzeihung bitten. Es hilft nicht viel, aber ich denke, dass ich immer ausgewichen bin, mich dem zu stellen", sagte sie Schleyer zur Begrüßung, berichtete die Zeitung. Rund sieben Stunden sprachen die beiden miteinander. Wer genau seinen Vater damals erschoss, erfuhr der Sohn zwar immer noch nicht, aber er ist der Antwort ein großes Stück näher gekommen.

Welcher RAF-Terrorist hat Hanns Martin Schleyer auf dem Gewissen?

Entführter Arbeitgeberpräsident Hanns Martin Schleyer
Arbeitgeberpräsident Hanns Martin Schleyer wurde am 5. September 1977 von RAF-Terroristen entführt und sechs Wochen später erschossen.
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Maier-Witt wusste zwar nicht, wer genau damals abdrückte, aber sie wusste, wer zuletzt bei der Geisel war. "Erstmalig habe ich aus dem Mund einer wegen des Mordes verurteilten Terroristin erfahren, wer die drei Personen sind, die bei meinem Vater waren, als die tödlichen Schüsse abgegeben wurden", sagte Schleyer der Zeitung nach dem Gespräch.

Schleyer bat auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, die bis heute unter Verschluss gehaltenen Akten zum Mord endlich freizugeben. "Bei der Entscheidung über mindestens acht Gnadengesuche von RAF-Mördern in den vergangenen Jahren muss das Präsidialamt Einsicht in Aktenauszüge der Bundesanwaltschaft, des Verfassungsschutzes und des BND zu den Morden bekommen haben. Genau dieses Wissen darf den Hinterbliebenen der Opfer nach 40 Jahren nicht weiter verwehrt werden", meint der Sohn.

Die Terrorgruppe hatte seinen Vater damals entführt, um inhaftierte RAF-Mitglieder freizupressen. Als das scheiterte, musste Schleyer sterben. Jörg Schleyer hofft nun, dass weitere RAF-Mitglieder dem Beispiel von Maier-Witt folgen und ihr Wissen offenbaren. Vielleicht wird das Rätsel um den Tod seines Vaters dann doch noch gelöst.