Anwohnerin wird für "Angestellte" gehalten

Wenn die Freier im Garten stehen: "Massagestudio" in Braunschweig sorgt für Ärger

Die Nachbarn des "Massagestudios" sind genervt.
Die Nachbarn des "Massagestudios" sind genervt.
RTL Nord

von Daniel Kandora

„Wo geht es hier zum Puff?“ Diese oder ähnliche Fragen sind neuerdings in einem kleinen Wohn- und Gewerbegebiet an der Stadtgrenze von Braunschweig an der Tagesordnung. Denn ein „Massagestudio“ hat dort kürzlich neu eröffnet. Der Kundenansturm sorgt aber vor allem bei den Anwohnerinnen und Anwohnern für Ärger.

Massagestudio im Gewerbegebiet

In diesem unscheinbaren Haus werden die "sinnlichen Massagen" angeboten
In diesem unscheinbaren Haus werden die "sinnlichen Massagen" angeboten
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Das Wohn- und Gewerbegebiet „Schöppenstedter Turm“ ist so überschaubar, dass sich alle Grundstücke die gleiche Hausnummer teilen und nur durch zusätzliche Buchstaben unterscheiden. Neben einem afghanischen Restaurant, einem Aerosolspray-Abfüllbetrieb und einem Mehrfamilienhaus steht ein heruntergekommen wirkendes Fachwerkhaus. Doch seit knapp zwei Wochen ist hier viel Betrieb. „Massagen Hautnah“ bietet aber offenbar noch körpernähere Dienstleistungen an, denn immer wieder stehen bei den Anwohnern Fremde im Garten oder vor der Tür, die auf der Suche nach einem Bordell sind.

Kinder und Jugendliche bekommen alles mit

Eine Nachbarin, die anonym bleiben will, erzählt sogar, dass man(n) sie für eine „Angestellte“ gehalten hätte. „Schade, mit uns hätte das auch gepasst“, soll er nach dem aufgeklärten Missverständnis gesagt haben. Doch was vielleicht witzig klingt, ist für die etwa 40 Anwohnerinnen und Anwohner vor allem sehr nervig. Die Frau aus dem Nachbarhaus würde jetzt immer aufpassen, was sie anzieht, selbst wenn sie im eigenen Garten ist. An einem Tag sei sie zudem von drei unterschiedlichen Männern nach dem Weg gefragt worden.

Vom Wohnhaus direkt gegenüber des Massagestudio-Haupteingangs können die Anwohner zudem direkt sehen, wer alles eine „Massage gebucht“ hat. Auch „Verkaufsgespräche“ könne man genau beobachten, erzählt ein Nachbar. In dem Wohnhaus leben auch viele Kinder und Jugendliche, die das auch mit ansehen müssten. Und auf dem Weg zwischen den Häusern sei teilweise entsprechend viel los.

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Laut einem Anwohner verläuft die Landkreisgrenze entlang der Straße – würde sie geradeaus verlaufen, wäre das Grundstück komplett auf Braunschweiger Seite.
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So weit, so unangenehm – doch der eigentliche Aufreger kommt noch: Denn große Teile des Gewerbegebiets liegen noch auf Braunschweiger Seite und dort gilt eine Sperrbezirksverordnung. Damit wird klar geregelt, wo sich Bordelle und bordellartige Betriebe ansiedeln dürfen. Das „Problem-Grundstück“ liegt wiederum im Landkreis Wolfenbüttel. Von den dortigen Behörden heißt es auf RTL Nord-Anfrage: „Die maßgebliche Außenbereichssatzung der Gemeinde Cremlingen lässt in diesem Gebiet kleinere Handwerks- und Gewerbebetriebe zu. Die gewerbliche Ausrichtung der Betriebe wird durch die Satzung nicht eingeschränkt. Parallel dazu wurde ein Antrag auf die Erlaubnis für ein Gewerbe nach § 12 des Prostituiertenschutzgesetzes beim Gesundheitsamt des Landkreises gestellt. Sowohl erotische Massagen als auch sexuelle Dienstleistungen werden vom Anwendungsbereich des Prostituiertenschutzgesetzes erfasst, sodass für die jeweiligen Tätigkeiten kein gesonderter Antrag zu stellen ist, da hierfür dieselben Voraussetzungen gelten.“

Weg zum Grundstück ist genau beschrieben

Und was sagen die Verantwortlichen des Massagestudios dazu? Vor laufender Kamera wolle man nichts sagen, erklärt man RTL. Auch ohne Kamera wolle man die Fragen nicht beantworten. Immerhin: Auf einer entsprechenden Internetseite ist der Weg zum Grundstück sehr genau beschrieben.

Aber wie geht es weiter mit der Braunschweiger Bordell-Bürokratie? Die Anwohnerinnen und Anwohner sind aktuell in den Vorbereitungen für eine Bürgerinitiative. Sie sind enttäuscht vom Landkreis Wolfenbüttel, der ihrer Meinung nach zu wenig für sie tut. Auch von Behördenseite aus könnte noch Bewegung in die Sache kommen. Eventuell sind Teile des Grundstücks noch auf Braunschweiger Seite. Jetzt soll geprüft werden, ob die Bewilligung des Betriebs in Absprache mit der Stadt hätte passieren müssen. Zuerst hat die Braunschweiger Zeitung über den Fall berichtet.