Wenn Covid zu Long-Covid wird

Spezial-Ambulanz hilft Kindern mit Corona-Spätfolgen

Gut ein Jahr nach Beginn der Corona-Pandemie wird immer deutlicher: An Spätfolgen leiden auch immer mehr Kinder und Jugendliche.
Gut ein Jahr nach Beginn der Corona-Pandemie wird immer deutlicher: An Spätfolgen leiden auch immer mehr Kinder und Jugendliche.
© dpa, Friso Gentsch, frg tba cul

18. Mai 2021 - 14:05 Uhr

Mehr Corona-Spätfolgen bei Kindern möglich: „Das macht uns Sorge“

Chronische Erschöpfung, Atembeschwerden, Kreislaufprobleme – Kinder können noch Monate nach einer Corona-Infektion an Spätfolgen leiden. In München entsteht daher Bayerns erste Spezial-Ambulanz für Kinder und Jugendliche, die von der sogenannten "Long-Covid"-Erkrankung betroffen sind. Professor Johannes Hübner, Leiter der Pädiatrischen Infektiologie im Haunerschen Kinderspital München, befürchtet: Die Fälle könnten möglicherweise zunehmen.

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Mediziner wollen Corona-Erkrankung bei Kindern besser verstehen

"Long-Covid" könne im Einzelfall auch Kinder betreffen, sagte Professor Christoph Klein, Direktor der Kinderklinik im Haunerschen Kinderspital: "Das macht uns Sorge. Daher ist es wichtig, das Krankheitsbild bei Kindern besser zu verstehen."

Zwar verläuft Corona bei den meisten Kindern ohne oder nur mit milden Symptomen, so die Erfahrung der Münchner Kinderklinik. Aber Symptome wie chronische Erschöpfung, Kopfschmerzen, Atembeschwerden, Kreislaufprobleme, Schlafstörungen und Aufmerksamkeitsdefizite könnten Monate nach der Corona-Infektion auftreten. Mehrere Dutzend Kinder mit akuter Covid-Erkrankung oder Spätfolgen seien laut Klein am Kinderspital in München bisher behandelt worden.

„Es gibt einen dringlichen Handlungsbedarf"

Daher richten die Kinderkliniken der Ludwig-Maximilians-Universität und der Technischen Universität München bis September die erste Spezial-Ambulanz für betroffene Kinder und Jugendliche in Bayern ein. Und die Zahl der Berichte über Patienten mit Spätfolgen scheint stetig zu steigen, berichtet Professor Hübner: "Es gibt einen dringlichen Handlungsbedarf, einerseits für die betroffenen Patienten eine kompetente interdisziplinäre Betreuung zu schaffen, andererseits die vielfältigen Dimensionen dieser neuen Erkrankung zu studieren."

Die jungen Patienten sollen von medizinischen Experten der einzelnen Abteilungen betreut werden, wie pädiatrische Infektiologie, Immunologie, Hämatologie oder Neurologie. Neben einer klinischen Untersuchung können Patienten in der gemeinsamen Ambulanz auch an Forschungsprojekten teilnehmen, die den Verlauf der Krankheit und ihre Folgen bei Kindern untersuchen.

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Stiftung "Care for Rare" sammelt Spenden zur Finanzierung

Die Münchner Spezial-Ambulanz wird von der Stiftung "Care for Rare" finanziert, die sich für Kinder mit seltenen Erkrankungen stark macht. Die Stiftung sammelt Spenden für die Anschubfinanzierung. (Care-for-Rare-Foundation, IBAN DE93  6305 0000 0000 0035 33, Sparkasse Ulm, Stichwort Long-Covid). Langfristig hoffen die Ärzte auch auf staatliche Unterstützung. Auch das Universitätsklinikum Jena in Thüringen hat vor wenigen Wochen eine "Long-Covid"-Spezial-Ambulanz für Kinder eröffnet. (dpa/meb)

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