Familien unter Druck

So vertieft Corona die Spaltung zwischen arm und reich

26. Januar 2021 - 16:18 Uhr

So unterschiedlich wirkt sich die Krise auf Familien aus

Die Coronakrise vertieft die soziale Spaltung: Familien, die vorher schon rechnen mussten, müssen seit Corona durchschnittlich mehr kämpfen, als Familien, denen es finanziell besser geht. Zwei Mütter – eine alleinerziehende Geschäftsführungs-Assistentin und eine Geschäftsführerin –zeigen uns im Video, wie sich ihr Alltag verändert hat.

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Die Geschäftsführungs-Assistentin: Sparen für Urlaub oder für andere Extras ist nicht mehr möglich

Stephanie Busche weiß, wie man mit wenig klarkommt: Als alleinerziehende Mutter von zwei Söhnen war es schwer, einen Job zu finden. Neun Jahre lebte sie von Hartz IV, bis sie vor drei Jahren einen Job als Geschäftsführungs-Assistentin fand. Endlich nicht mehr abhängig, endlich konnten sie und ihre Söhne auch mal für einen Urlaub oder hin und wieder Markenklamotten für den großen Sohn sparen. Doch seit Corona sind die finanziellen Sorgen wieder da: Die 38jährige ist in Kurzarbeit. Im vergangenen Jahr gab es Monate, da hatte die Stephanie Busche gerade mal knapp über 1.000 Euro im Monat raus. Jetzt bekommt sie wieder 100 Prozent Gehalt, aber die Unsicherheit und das Loch in der Haushaltskasse bleiben:

"Von Monat zu Monat kann man hoffen: Gibt es volles Gehalt, gibt es kein volles Gehalt? Aber die Kurzarbeit gilt jetzt erstmal noch ´ne ganze Weile und dementsprechend heißt es: Da müssen wir ein bisschen gucken und ein bisschen knappern", sagt die Alleinerziehende.

Die Geschäftsführerin: Haben durch Homeoffice sogar einen kleinen finanziellen Vorteil

Sandra Lang-Pülz, Geschäftsführerin einer Sicherheitsfirma, hat schon vor Corona von zu Hause gearbeitet. Durch die Krise hat sich für sie wenig verändert, nur dass Mann und Sohn jetzt auch zu Hause arbeiten und lernen. Die Familie hat viel Platz: Das Paar hat sich für jeden ein eigenes Home-Office-Zimmer eingerichtet, der Sohn hat in der zweiten Etage des Einfamilienhauses sein eigenes Reich. Finanzielle Einbußen hat die Familie keine.

Sandra Lang-Pülz bemerkt durch das Homeoffice sogar einen kleinen Vorteil: Mann und Kind essen jetzt auch mittags zu Hause. "Da spart man", sagt Sandra Lang-Pülz. Sonst müssten beide außer Haus Geld fürs Essen ausgeben. Außerdem braucht die Familie nicht jeden Tag neue Schutzmasken. Auch das ein Vorteil gegenüber Familien, die ihre Kinder in die Notbetreuung bringen, den ÖPNV nutzen und vielleicht in einem Supermarkt arbeiten.

Wissenschaftler mahnen: Die Kluft zwischen Arm und Reich verschärft sich

Der Alltag der beiden Frauen zeigt, was Soziologen seit Beginn der Coronakrise beobachten: Die soziale Spaltung vertieft sich. Professorin Jutta Allmendinger vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) erklärt im RTL-Interview, warum: "Familien, denen es schon vor der Pandemie schlecht ging, waren oft in schlechter bezahlten Jobs und wenn man jetzt beide Jobs in Kurzarbeit hat und wenn die Frau dann nochmal mit den Stunden runtergehen muss, um die Kinder zu betreuen – das ist genau das, was wir sehen - dann verschärft das natürlich die Ungleichheit".

Bund investiert Milliarden zur Unterstützung

Die 300 Euro Kinderbonus, die der Bund im Herbst den Familien zahlte, haben geholfen, sagt Stephanie Busche – doch längst sind sie ausgegeben – eine zweite Zahlung ist nicht in Planung.

Dafür gäbe es andere Entlastungen, sagt Bundesfamilienministerin Franziska Giffey im exklusiven Interview mit RTL: "Es ist wichtig, einerseits finanziell zu unterstützen – das tun wir durch das erhöhte Kindergeld, durch den erhöhten Kinderzuschlag für Familien aus einkommensschwachen Berufen. Aber auch für die Bezieher von Sozialleistungen gab es ja Anfang des Jahres eine Erhöhung."

Das Bundesfamilienministerium hat hier eine Übersicht über mögliche Hilfen für Familien zusammengestellt.

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