Welt-Aids-Tag: So ist Familienglück trotz HIV möglich

Franziska Borkel ist Botschafterin der Kampagne "Wissen verdoppeln!" der Deutschen AIDS-Hilfe.
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01. Dezember 2018 - 17:26 Uhr

Sex ohne Kondom und gesunde Kinder trotz HIV

Wenn die Jungs Blödsinn machen und die Kleine sich das abguckt - dann könnte Franziska Borkel manchmal die Wände hochgehen. Die dreifache Mutter ist HIV-positiv, doch das ist im Alltag ihr kleinstes Problem. Am 1. Dezember ist der Welt-Aids-Tag - die Geschichte von Franziska Borkel zeigt, wie normal man mit einer HIV-Diagnose leben kann.

Alltag mit Kindern ist größere Herausforderung als HIV

Die 35-jährige Mutter kann mit ihrer HIV-Diagnose gut umgehen: "Meine drei Kinder sind eine größere Herausforderung als mein Leben mit HIV." Das klappt nur, weil sie täglich Medikamente nimmt.

Dadurch wird das Virus so stark unterdrückt, dass sie weder ihren Mann noch die Kinder anstecken kann. Eine normale Lebenserwartung, keine Einschränkungen im Alltag, sogar Sex ohne Kondom und natürliche Geburten - das alles ist dank der wirksamen Therapie heute möglich.

Die Deutschen wissen wenig über HIV

Franziska Borkel ist Botschafterin der Kampagne "Wissen verdoppeln!" der Deutschen AIDS-Hilfe. Diese will zeigen, wie wirksam die modernen Therapien für die rund 86.000 betroffenen Menschen in Deutschland sind. Heilbar ist die Infektion bis heute nicht. Doch seit etwa 20 Jahren lässt sich HIV bei rechtzeitiger Diagnose mit Therapien wie eine chronische Krankheit behandeln.

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung hat 2017 eine repräsentative Umfrage gestartet. Das schockierende Ergebnis: Nur jeder zehnte Befragte wusste, dass HIV mit der richtigen Behandlung nicht ansteckend ist.

Eine Hormontherapie sollte früh anfangen

Die zweifache Mutter Franziska Borkel bekam ihre Diagnose mit 16 Jahren.  Danach waren regelmäßige Blutchecks für sie selbstverständlich. Mit einer HIV-Therapie begann sie mit Mitte 20 in Spanien.

"Heute würde man früher anfangen", erzählt Franziska. "Das war eine andere Zeit." Kondome waren für sie seit der Diagnose selbstverständlich. Sie selbst habe Ablehnung in Liebesdingen nie erfahren. Allerdings hätten sich viele erst einmal über HIV und die Therapie informieren wollen.

Eigene Kinder trotz HIV-Diagnose

Als für sie und ihren Mann die eigene Familienplanung anstand, standen viele Fragen im Raum: Wie hoch ist das Übertragungsrisiko während der Schwangerschaft oder der Geburt? Welche Auswirkungen haben die Medikamente auf das ungeborene Kind?

Eine Klinik in Baden-Württemberg wollte das Kind nur per Kaiserschnitt entbinden. "Obwohl in den ärztlichen Leitlinien stand, dass eine vaginale Geburt empfohlen wird", sagt Franziska Borkel.  Schließlich hat sie ihre Kinder in Frankfurt entbunden - ganz ohne Kaiserschnitt.

Ihren Kindern will die Mutter Aids erklären, sobald sie es verstehen können. Sie selbst lebt selbstbewusst mit ihrer Diagnose - auch weil sie sehr gut informiert ist. Sie sagt über sich selbst: "Ich bin glücklich. Ich bin eine von vielen Frauen in Deutschland, die mit HIV leben und sich ihre Träume erfüllen."