Bonner Klinik erlässt Verbot – wegen Coronavirus

Väter dürfen bei der Geburt nicht dabei sein

19. März 2020 - 11:01 Uhr

Coronavirus zerstört unvergesslichen Moment

Es ist die Geburt ihres ersten Kindes. Laura und Tobias Nussbaum wollten den unvergesslichen Moment gemeinsam erleben, dürfen es jetzt aber nicht. Denn die Uniklinik Bonn hat als erstes deutsches Krankenhaus Vätern verboten, bei der Geburt dabei zu sein – wegen des Coronavirus.

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Bonner Klinik: Gesundheit hat Priorität

Laura Nussbaum kann nicht fassen, dass ihr Mann ihr nicht zur Seite stehen kann, wenn sie den wohl aufregendsten Moment ihres Lebens erlebt. "Es wär furchtbar, ich bin eh total aufgeregt und unsicher, ich brauch da irgendwie Unterstützung", sagt die 38-Jährige. Und auch für Tobias ist es "eigentlich noch unvorstellbar, dass man da nicht zusammen reingehen darf".

Auch wenn die Bonner Klinik Verständnis für die Enttäuschung der werdenden Eltern äußert – an der Entscheidung will sie nicht rütteln. In einer Stellungnahme gegenüber RTL schreibt sie: "Wir sind uns bewusst, dass dieser Schritt für die werdenden Mütter und Väter eine große Enttäuschung bedeutet. [...] In der derzeitigen Situation muss aber die Gesundheit der Mütter, Kinder, Patientinnen und Mitarbeiterinnen die absolut oberste Priorität haben."

Auch nach der Geburt darf niemand zur Mutter

Das Klinikverbot gilt hier nicht nur für die Väter bei der Geburt, sondern ganz allgemein. Auch andere Besucher können die frisch gebackene Mutter später nicht besuchen. Eine Maßnahme, die Arzt und Medizinjournalist Dr. Christoph Specht für angebracht hält, weil das Personal oder andere Patienten sonst angesteckt werden könnten. "SARS-CoV-2 ist halt sehr infektiös", sagt der Mediziner, der gleichzeitig die Enttäuschung der werdenden Eltern versteht.

Uniklinik Köln geht anderen Weg

Dass es auch einen Kompromiss gibt, zeigt das Beispiel der Uniklinik Köln. Die ermöglicht es Vätern zumindest, bei der Geburt dabei zu sein – auch wenn sie danach nicht mehr ins Krankenhaus kommen dürfen. "Rund um die Geburt ist eine Begleitperson erlaubt. Sobald Mutter und Kind wohlauf sind, gilt das Besuchsverbot", twitterte die Klinik.

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