Gefangen im Paradies

Wegen Corona-Pandemie: Britin sitzt seit 18 Monaten auf Tonga fest

Zoe Stephens aus Großbritannien sitzt seit dem Beginn der Corona-Pandemie auf Tonga fest.
Zoe Stephens aus Großbritannien sitzt seit dem Beginn der Corona-Pandemie auf Tonga fest.
© instagram/tongadiaries / istock / Collage RTL

23. August 2021 - 9:58 Uhr

Aus Wochenendtrip nach Tonga wird Langzeitaufenthalt

18 Monate ist es her, dass Zoe Stephens aus Großbritannien für ein Wochenende nach Tonga flog. Doch aus dem Kurztrip wurde gezwungenermaßen ein Langzeitaufenthalt, wie der Sender CNN berichtet. Kurz nachdem Zoe gelandet war, entschied das polynesische Königreich im Pazifik, die Grenzen wegen der Corona-Pandemie zu schließen und alle Flugverbindungen zu streichen. Seitdem kommt mehr oder weniger niemand mehr rein und niemand mehr raus.

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Britin kann Tonga seit Monaten nicht verlassen

Zoe hat die Insel seit März 2020 nicht verlassen. Sie lebt in einem Haus am Meer, auf das sie für eine andere Familie aufpasst, die aktuell nicht zurück nach Tonga reisen kann. Morgens geht die 27-Jährige mit dem Hund spazieren, dann lernt sie für ihr Online-Studium. Abends geht sie mit Freunden in eine der drei Bars auf der Insel oder in eins der wenigen Restaurants, erzählt sie im CNN-Interview. In ihrer Freizeit geht sie paddeln oder schnorcheln.

Doch was für viele nach einem Traumleben klingt, ist für Zoe eine einsame, harte und vor allem langweilige Zeit. "Ich habe versucht, das Beste draus zu machen", wird sie von CNN zitiert. "Ich wache jeden morgen auf und sehe den Strand und die Insel und es ist großartig, aber ich genieße es nicht", sagt sie. Alle zuhause in Großbritannien hätten sie beneidet, aber sie wollte gar nicht auf Tonga sein.

Zoe aus Großbritannien in Tonga
Zoe hat bisher keine Corona-Maske tragen müssen, weil Tonga frei von dem Virus ist.
© instagram/tongadiaries

Zoe hatte fast nichts dabei, als sie auf der Pazifik-Insel strandete

Denn auch wenn die Vorstellung, auf einer Insel im Pazifik festzusitzen, im ersten Moment gar nicht so erschreckend wirkt. Für Zoe waren die letzten Monate schwierig. "Meine Großmutter starb ziemlich am Anfang an Covid-19", erzählt sie dem Sender. Die 27-Jährige hatte keine Chance zur Beerdigung zu gehen und sich zusammen mit ihrer Familie von ihrer Oma zu verabschieden.

Zoe lebt außerdem seit Monaten ohne ihre Brille, denn auf der Insel gibt es keinen Optiker, wo sie einfach eine neue kaufen könnte. Die 27-Jährige sagt auch, dass sie wünschte, sie hätte mehr Bücher mitgebracht. Denn auch einen Buchladen gibt es erst seit ein paar Monaten. Überhaupt hatte Zoe fast nichts von ihren persönlichen Sachen dabei, als sie in Tonga ankam. Sie dachte schließlich, dass sie nur ein Wochenende bleiben würde.

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Britin sitzt auf Tonga fest
Zoe wollte eigentlich nur ein Wochenende auf Tonga verbringen - daraus wurden wegen Corona 18 Monate.
© instagram/tongadiaries

Zoe hofft, dass sie Ende August zurück nach Großbritannien kann

Immerhin dürfte Zoe einer der wenigen Menschen weltweit sein, der noch nie eine Maske tragen musste. Tonga ist dank seiner strengen Einreisepolitik komplett coronafrei. Und bis auf eine nächtliche Ausgangssperre zwischen 0 und 5 Uhr läuft das Leben dort wieder ganz normal.

Bevor die Pandemie losging, lebte Zoe zwei Jahre lang in China. Sie reiste gerade durch Südkorea, Fidji und Tonga, als Corona plötzlich zur weltweiten Bedrohung wurde. Zoe lehnte damals sogar einen Rückholflug nach Europa ab, weil sie überzeugt war, dass sie nach ein paar Monaten zurück nach China könnte. Inzwischen hat sie diesen Plan aufgegeben. Zoe hofft nun, dass sie Ende August zurück nach Großbritannien fliegen kann. Zu sehr darauf freuen will sie sich aber noch nicht, denn die 27-Jährige hat in den letzten Monaten mehrfach erlebt, dass manchmal einfach unvorhersehbare Dinge passieren. (jgr)