Trump-Experte sieht Sonnenlicht als mögliches Mittel gegen Corona

Was UV-Strahlung gegen den Virus ausrichten kann – und was nicht

Zerstört UV-Licht Coronaviren?
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24. April 2020 - 19:19 Uhr

Trump-Experten denken über Lichttherapie nach

US-Präsident Trump hat in einer Pressekonferenz weltweit für Kopfschütteln gesorgt, als er laut darüber nachdachte, ob Injektionen von Bleich- und Desinfektionsmitteln nicht ein probates Mittel gegen das Coronavirus Sars-CoV-2 sein könnten - was in den Augen von Experten eher eine Aufforderung zur Selbstverletzung darstellt. Vor der Injektion solcher Mittel wurde dann auch prompt von Herstellern und Behörden aus den USA und weltweit gewarnt. Aber Trump dachte nach den Ausführungen seines Regierungsexperten auch über eine andere Möglichkeit nach: Starke Bestrahlung mit Licht.

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UV-Licht tötet das Virus

Denn William Bryan, Wissenschafts- und Technologieberater des Heimatschutzministeriums, hatte ebenso geschildert, dass sich die Lebensdauer des Erregers bei Bestrahlung mit Sonnenlicht drastisch verkürze. In einem Experiment hätten Wissenschaftler beobachtet, dass die UV-Strahlen der Sonne den Erreger anscheinend sowohl in der Luft wie auch auf Oberflächen schnell töteten. Was von Bryan als bahnbrechende Erkenntnis verkauft wurde, ist durchaus bekannt, so Dr. Georg-Christian Zinn, Direktor Hygienezentrum Bioscientia.

Viren im inneren eines Tröpfchens werden nicht abgetötet

"UV-Strahlung ist ein sehr effektives Mittel, um Viren und Bakterien abzutöten", erklärt er uns. "Wir wissen, dass Coronaviren in der frischen Luft wesentlich kürzer leben als in geschlossenen Räumen." Sogar aktiv könne die UV-Strahlung Krankheitserreger abtöten, dies werde zum Beispiel an Wasserleitungen oder an Oberflächen angewendet. Kann man dann UV-Licht bei der Behandlung einsetzen? "Eigentlich nicht", sagt uns der Experte, "es ist zu diffus und zu wenig standardisiert."

Wenn zum Beispiel Sekret an einer Oberfläche klebe und man gehe dann mit einer UV-Leuchte darüber, würden nur die Viren an der Außenhülle der Tröpfchen abgetötet. "Die im Tröpfchen eingeschlossenen Viren wären dann nicht tot", erklärt der Hygieniker, "wir würden da eine gezielte Wischdesinfektion machen."

Dr. Zinn
Dr. Zinn weiß: UV-Strahlung hat einen Effekt gegen das Virus - trotzdem hilft es nicht wesentlich, das Infektionsgeschehen einzudämmen.
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Sommer bringt keine Wende: Ansteckung findet von Mensch zu Mensch statt

Wird denn dann das Virus aber nicht wenigstens eingedämmt im Sommer? "Jein", sagt der Experte, "die Ansteckung geht von Mensch zu Mensch vonstatten", das sei das Hauptreservoir des Virus, die Sonne spiele da keine große Rolle. "Insofern ist die Hoffnung da nicht allzu hoch." Schließlich gebe es ja auch andere Infektionskrankheiten, die im Sommer grassieren – die UV-Strahlung der Sonne "ist ein Effekt, den wir kennen, aber es ist nicht der Effekt, der das Problem löst", so der Experte.

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Im dritten Teil der RTL.de-Serie "Stunde Null - Wettlauf mit dem Virus": Welche Lehren können wir aus der bisher größten Krise der Nachkriegszeit ziehen? Wir haben mit Experten gesprochen. War der Staat zu inkonsequent? Wurden die Schulen zu schnell geschlossen? Was tun gegen den Hamsterchaos? Und was ist der tatsächliche Grund, dass tausende Urlauber auf der ganzen Welt gestrandet sind?