Simple wissenschaftliche Erklärung

Deshalb kann man sich nicht selbst kitzeln

Auch wenn man noch so kitzelig ist - sich selbst kitzeln kann man nicht.
Auch wenn man noch so kitzelig ist - sich selbst kitzeln kann man nicht.
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26. März 2021 - 15:44 Uhr

Bei sich selbst nicht kitzelig? Daran liegt's!

Es ist eine dieser Fragen, die sich die meisten von uns wohl schon einmal gestellt haben: Warum zur Hölle kann ich mich eigentlich nicht selbst kitzeln? Denn auch, wer noch so empfindlich reagiert, wenn er gekitzelt wird, wird dieses Gefühl selbst nicht bei sich auslösen können. Und dafür gibt es eine eigentlich recht simple wissenschaftliche Erklärung.

Gehirnaktivität wird bei eigenen Berührungen weniger

Mit dieser Kitzel-Frage hat sich 2019 ein Forscherteam an der schwedischen Universität Linköping um Neurowissenschaftlerin Rebecca Böhme befasst. Für die Studie hat das Team die Unterschiede zwischen eigenen und fremden Berührungen untersucht. Dazu wurde mit einer Magnetresonanztomographie geprüft, wie Menschen reagieren, wenn sie sich selbst am Arm anfassen - und wie diese Reaktionen sich von denen auf eine fremde Berührung unterscheiden.

Die Ergebnisse sind eigentlich ganz einleuchtend: Berührt man sich selbst, verringern viele Regionen des Gehirns ihre Aktivität. Wird man dagegen von jemand anderem angefasst, sind die für den Tastsinn zuständigen Hirnareale viel aktiver. So will das Gehirn wichtige (weil fremde) von unwichtigen (den eigenen) Berührungen unterscheiden.

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Wir kommunizieren durch Berührungen

Bei fremden Berührungen werden außerdem die Hirnregionen aktiviert, die für Belohnung und soziale Kontakte zuständig sind - schließlich sind Berührungen eine Form von Kommunikation. Mit ihnen können wir auf uns aufmerksam machen, andere trösten oder Zuneigung ausdrücken. Deshalb lässt das Gehirn uns eine fremde Hand auf unserem Arm intensiver spüren als unsere eigene. Und deshalb kann uns die fremde Hand auch kitzeln, nicht aber unsere eigene Hand, deren Berührung das Gehirn als weniger wichtig einstuft.

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Bei eigenen Berührungen dämpft das Gehirn die Reize ab

Dieser Zustand wird von einem anderen Faktor noch verstärkt, den ein britisch-kanadisches Forscherteam schon vor ein paar Jahren in einer anderen Studie ausgemacht hat. Das Gehirn berechnet den Zeitpunkt einer Berührung mit der eigenen Hand immer schon im Voraus, ist dann also nicht "überrascht", wenn sie geschieht. Stattdessen schwächt es die Nervensignale, die das entsprechende Körperteil um diesen Zeitpunkt herum sendet, einfach ab. Bei fremden Berührungen ist das natürlich nicht möglich.

Reize, die das Gehirn als unwichtig bewertet, dringen so kaum bis gar nicht ins Bewusstsein. Indem es diese Reize ausblendet, kann sich das Gehirn auf die vermeintlich wichtigeren Signale konzentrieren, die es aus der Umwelt empfängt.

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