9. Juni 2019 - 12:48 Uhr

Sterberisiko am Wochenende lag 16 Prozent höher

Am Wochenende aufgenommene Klinikpatienten haben ein höheres Risiko zu sterben. Das haben zahlreiche Studien in den vergangenen Jahren für verschiedene Länder gezeigt. Dieser Wochenendeffekt wird vor allem auf eine schlechtere Versorgung in Kliniken an Samstagen und Sonntagen zurückgeführt - Experten zweifeln das nun in einer neuen Analyse an.

Keine klare Ursache ermittelbar

Das britische Forscherteam der University of Warwick hatte 68 Studien von 2000 bis 2017 zum Wochenendeffekt aus verschiedenen Ländern, vor allem aber in den USA und Großbritannien, überprüft.

Der Wochenendeffekt bestätigte sich: Die Wahrscheinlichkeit zu sterben lag bei dann aufgenommenen Patienten um 16 Prozent höher als an Werktagen. Aus den Daten lasse sich jedoch keine klare Ursache für die höhere Sterblichkeitsrate ableiten, schlussfolgern sie im Fachmagazin "BMJ Open". 

Was aus der Analyse allerdings hervorging: "Es werden weniger Patienten am Wochenende im Krankenhaus aufgenommen und ihre Profile unterscheiden sich von denen, die unter der Woche kommen: Sie sind kränker und mehr von ihnen werden intensivmedizinisch behandelt", so Julian Bion, Co-Autor der Studie. Auch sei es wahrscheinlich, dass komplizierte Operationen öfter für das Wochenende geplant werden, so die Forscher.

Wie sieht es in Deutschand aus?

Deutsche Experten halten die Versorgungsqualität für entscheidend. Wissenschaftlich nachgewiesen wurde der Wochenendeffekt hierzulande zwar nicht, Experten gehen aber davon aus, dass er ebenfalls eine Rolle spielt. Offensichtlich sei vor allem die schlechtere Personalstruktur am Wochenende, sagte Anna Slagman, Professorin für notfallmedizinische Versorgungsforschung an der Charité Berlin.

Wenn dann an Wochenenden zudem Patienten mit schwerwiegenderen Krankheiten kämen, wie die Forscher der Studie es annehmen, verstärke dies das Problem, so Slagman. "Natürlich besteht die Möglichkeit, dass Patienten am Wochenende vielleicht länger abwarten, bevor sie in die Notaufnahme gehen."

Auch Ruth Hecker, Stellvertretende Vorsitzende des Aktionsbündnisses Patientensicherheit, wies auf Versorgungsmängel an Samstagen und Sonntagen hin. "Es arbeiten ja vor allen Dingen junge Ärzte am Wochenende, häufig genug stehen die Fachärzte nur als Rufdienst zur Verfügung und es stehen auch weniger OP- und andere diagnostische Ressourcen zur Verfügung."