Legehennen dürfen picken, scharren und im Sand baden

Wann ist ein Bio-Ei wirklich „Bio“?

In der Bio-Haltung müssen die Hühner ständig freien Zugang zum Freigelände haben. Dabei müssen jeder Henne mindestens 4 Quadratmeter Auslauffläche zur Verfügung stehen.
In der Bio-Haltung müssen die Hühner ständig freien Zugang zum Freigelände haben. Dabei müssen jeder Henne mindestens 4 Quadratmeter Auslauffläche zur Verfügung stehen.
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30. September 2019 - 18:47 Uhr

Welche Kriterien gelten für Eier aus Öko-Haltung?

Ein kleiner Hof, wo der Bauer seine Hühner mit Namen kennt, viel freier Auslauf und Platz zum Picken und Scharren - so stellen sich viele Verbraucher das Leben eines Bio-Huhns vor. Doch das Bio-Huhn führt kein Leben im Tierparadies. Das zeigt auch der aktuelle Streit um einen Bio-Bauernhof. Tierschützer prangern die Zustände auf dem Bauernhof bei Bad Iburg in Niedersachsen an. Fakt ist allerdings: Die Mindestanforderungen der "EG-Ökoverordnung" verbessern definitiv die Lebensqualität der Tiere. Wer Bio-Hühner hält und Eier aus ökologischer Erzeugung verkauft, muss eine Vielzahl besonderer Auflagen erfüllen. Wir sagen Ihnen, welche das sind.

Bio, Öko oder was?

Die Bezeichnungen "Bio" und "Öko" sind geschützte Begriffe und bedeuten dasselbe. Die EU-Bio-Standards sind Mindeststandards, die ökologische von konventioneller Hühnerhaltung unterscheiden. Eier aus ökologischer Erzeugung tragen den Eiercode 0. Der Code auf dem Ei gibt darüber Auskunft, aus welcher der vier Haltungsformen das entsprechende Ei stammt und ist überraschend leicht zu entschlüsseln.

Öko-Haltung: Klare Regeln und Vorgaben

  • Für Hühner im ökologischen Landbau kommt nur die Freilandhaltung in Frage. Die Legehennen dürfen nur in offenen Ställen mit einem ständigen Zugang zum Freigelände gehalten werden.

  • Im Stall dürfen sich maximal 6 Hühner einen Quadratmeter teilen

  • Jeder Stall muss Sitzstangen haben – jede Henne hat ein Recht auf 18 Zentimeter Sitzstange

  • Um den Tieren das Scharren zu ermöglichen, muss der Stall zu mindestens einem Drittel mit Stroh, Holzspänen, Sand oder Torf ausgestreut sein.

  • Jeder Henne müssen mindestens 4 Quadratmeter Auslauffläche zur Verfügung stehen. Bäume oder Sträucher sollen Schutz vor Sonne und Wind bieten.

  • Der Stall darf maximal 16 Stunden am Tag mit künstlichem Licht beleuchtet werden. Acht Stunden Nachtruhe ohne Kunstlicht sind verpflichtend.

  • Die Tiere müssen grundsätzlich mit ökologischem Futter gefüttert werden. Der Einsatz von Gentechnik im Tierfutter ist verboten.

  • Bei der Behandlung der Hennen im Krankheitsfall sind Naturheilmittel und homöopathische Arzneien zu bevorzugen.
  • Der komplette Geflügelstall darf maximal 3.000 Legehennen beherbergen

Diese Probleme gibt es auch bei Bio-Haltung

3000 Legehennen in einem Stall - da kann es schon ziemlich eng werden.
Laut EU-Öko-Verordnung dürfen bis zu 3.000 Tiere in einem Stall gehalten werden.
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Der Stall ist zu voll
Zwar dürfen laut Verordnung nur maximal 3.000 Hennen in einer Gruppe gehalten werden. Dies wird in der Praxis jedoch oft umgangen, indem mehrere Herden mit jeweils 3.000 Tieren abgegrenzt durch Trennwände in einem Stall untergebracht werden: 20.000 Hühner sind mit dem EU-Bio-Siegel durchaus möglich. Denn auch Bio-Produzenten müssen Profit machen, und das geht leichter mit großen Anlagen. "Aus Bio ist längst Massentierhaltung geworden und so steckt hinter jedem Ei Tierquälerei", behauptet Jan Peifer vom Deutschen Tierschutzbüro e.V. und prangert die Zustände auf einem Bio-Bauernhof bei Bad Iburg in Niedersachsen an.

Küken-Töten auch bei Bio
Mehr als 40 Millionen männliche Küken werden jedes Jahr direkt nach dem Schlüpfen geschreddert oder durch Gas getötet, weil sie den Landwirten keinen Gewinn bringen. Da es bisher keine Bio-Brütereien und kaum Bio-Legehennenrassen für den großen Bio-Eiermarkt gibt, werden auch bei der Bio-Haltung die männlichen Küken getötet. Zwar gibt es Vorstöße, wie das Kükenschreddern künftig verhindert werden könnte, doch Tierschützer sind trotzdem kritisch.

Ist Biohaltung grundsätzlich besser oder nicht?

Bio-Hühner sind zwar nicht unbedingt glücklicher – viele Tierschützer betonen aber, dass Hühner in Biohaltung Platz zum Picken und Scharren haben und dies ein wichtiger Indikator für Tierwohl sei. Fakt ist: Selbst minimale Bio-Kriterien sind für die Tiere besser als keine. Wem die Mindestkriterien der EU zu kurz greifen, der sollte auf die Siegel der Anbauverbände wie Naturland, Bioland und Demeter achten. Sie haben strengere Auflagen und Kontrollen und unterstützen eine ganzheitliche Landwirtschaft. Hier stellen wir Ihnen alle Bio-Siegel und Ihre Bedeutung vor.

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