Neue Methode soll das massenhafte Kükenschreddern verhindern

Derzeit werden bei der Zucht von Legehennen allein in Deutschland jährlich 45 Millionen männliche Küken getötet.
Derzeit werden bei der Zucht von Legehennen allein in Deutschland jährlich 45 Millionen männliche Küken getötet.
© dpa, Bernd Wüstneck

24. Januar 2019 - 10:12 Uhr

Tierschützer sind trotzdem kritisch

Millionen Küken werden jedes Jahr aus wirtschaftlichen Interessen getötet. Das soll mit einer neuen Methode nicht mehr nötig sein. Doch funktionieren wird es nur, wenn Verbraucher teurere Eier kaufen.

Das Geschlecht wird bereits im Ei erkannt

In den ersten deutschen Supermärkten gibt es jetzt Eier aus einer neuen Methode gegen Kükentöten zu kaufen. "Mit diesem Verfahren gibt es für das Töten der männlichen Legehennenküken auf Dauer keinen Grund mehr", erklärte Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) in Berlin. Derzeit werden bei der Zucht von Legehennen allein in Deutschland jährlich 45 Millionen männliche Küken getötet. Der Grund: Sie legen keine Eier und setzen auch nicht so viel Fleisch an.

Das an der Universität Leipzig entwickelte Verfahren sei eine Weltneuheit und ein Durchbruch auf dem Weg, das massenhafte Töten männlicher Küken zu beenden, sagte Klöckner. Das Geschlecht wird dabei vor dem Ausbrüten im Ei erkannt. Mit einem Laser wird ein winziges Loch in die Schale gebrannt. So kann dem Ei Flüssigkeit entnommen werden, die auf Geschlechtshormone getestet wird. Männliche Küken schlüpfen damit erst gar nicht, ihre Eier werden zu Tierfutter verarbeitet. Noch ist die Methode aber nicht serienreif, kann also nicht in allen Brütereien eingesetzt werden.

Zehn Cent mehr für den Schutz männlicher Küken

Wann das so weit sein könnte, wollte Klöckner nicht sagen. Es stehe auch noch nicht fest, ob die Betriebe zur Nutzung der neuen Methode verpflichtet würden. Zunächst will die Ministerin auf eine "freiwillige Verpflichtung" setzen.

Für die Brütereien sollen keine zusätzlichen Kosten entstehen, kündigten die Anbieter des Verfahrens an. Stattdessen verlangen sie vom Handel eine Lizenzgebühr. Dadurch werden Eier von Legehennen, die mit der neuen Methode gezüchtet wurden, etwas teurer.

Diese Eier sollen zunächst in 223 Berliner Supermärkten der Ketten Rewe und Penny angeboten werden, bis Ende 2019 soll es sie in allen 5.500 Supermärkten der Ketten geben. Das 6er-Pack koste zehn Cent mehr als ein 6er-Pack Freilandeier, sagte der stellvertretende Vorstandschef der Rewe-Gruppe, Jan Kunath. "Das sind Preissprünge, die die Verbraucher akzeptieren."

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"Das ist keine Lösung"

Die Geflügelwirtschaft zeigte sich skeptisch wegen des neuen Verfahrens. Man wollte den schnellstmöglichen Ausstieg aus dem Töten männlicher Eintagsküken, wenn "eine wirkliche Alternative" vorliege, erklärte der Verband. Dafür müsse das System aber praxistauglich sein.

Der Bauernverband dagegen begrüßte den Vorstoß: "Diese Verfahren sollten baldmöglichst praxisreif gemacht werden und flächendeckend in allen Brütereien zum Einsatz kommen", erklärte Generalsekretär Bernhard Krüsken.

Tierschützer dagegen halten das Aussortieren männlicher Küken nicht für sinnvoll. "Das ist keine Lösung im Sinne einer verantwortungsvollen Tierzucht", erklärte der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND). Die Geflügelwirtschaft müsse so umgestellt werden, dass Hühner sowohl zur Eier- als auch zur Fleischproduktion geeignet seien. Dann könnten männliche Küken aufgezogen und ihr Fleisch vermarktet werden.

Schon jetzt kann man im Handel auch Eier aus Brütereien kaufen, in denen sowohl weibliche als auch männliche Küken aufgezogen werden. Die sogenannten Bruderhahn-Eier sind aber teurer und damit laut Handel nicht massentauglich.

Quelle: dpa/RTL