In Frankreich stehen die Präsidentschaftswahlen 2022 an

Wahlen in Frankreich: Macron droht Zitterpartie - Experte warnt vor Konkurrentin le Pen

Wahlunterlagen
Emmanuel Macron (M.) wird wahrscheinlich gegen Marine le Pen (r.) ins Spitzenduell gehen.
deutsche presse agentur

In Frankreich stehen am Sonntag die Präsidentschaftswahlen 2022 an. Emmanuel Macron kann auf eine weitere Amtszeit hoffen, muss allerdings seine Konkurrentin Marine le Pen fürchten. Die Rechtspopulistin holte in Umfragen zuletzt merklich auf. Ein Experte warnt vor einer Wahl der Politikerin des Front National.

Wahlen in Frankreich: Experte warnt vor Marine le Pen

"Ein Sieg von Le Pen wäre eine Vollbremsung für alle europäischen Bemühungen", warnt der Direktor des Deutsch-Französischen Instituts Ludwigsburg, Prof. Frank Baasner, gegenüber der "Passauer Neuen Presse". Eine Wiederwahl des Amtsinhabers Emmanuel Macron "wäre in jeder Hinsicht in deutschem Interesse."

Deutschland und Frankreich hätten in verschiedenen Bereichen "ein dichtes Geflecht von bilateralen Beziehungen". Ob dieses erhalten bleibe, hänge entscheidend vom Wahlausgang ab.

Den Startschuss zur Wahl machte bereits am Samstagmittag die kleine französische Inselgruppe Saint-Pierre und Miquelon vor der kanadischen Ostküste. Der Großteil der Französinnen und Franzosen kann am Sonntag wählen, Ergebnisse gibt es dann am Abend. Wegen der Zeitverschiebung wird in einigen Überseegebieten aber bereits am Samstag abgestimmt - so auch in Französisch-Guyana, auf Guadeloupe, auf Martinique und in Französisch-Polynesien.

Emmanuel Macron in Umfragen vorne - aber nur knapp

FILE - French President Emmanuel Macron and centrist candidate for reelection delivers his speech during a meeting in Paris, Saturday, April 2, 2022. Emmanuel Macron has been at the forefront of international talks on how to support Ukraine and take
Emmanuel Macron lag in Umfragen zuletzt knapp vorne.
CE, AP, Francois Mori

Umfragen sehen Macron bei der Wahl vorne, auch wenn der Abstand zu Le Pen zuletzt immer geringer wurde. Eine finale Entscheidung über das Präsidialamt wird für die erste Runde aber noch nicht erwartet. Sollte wie vermutet keiner der insgesamt zwölf Kandidaten die absolute Mehrheit der Stimmen erreichen, findet am 24. April eine Stichwahl zwischen den zwei Bestplatzierten statt.

Hoffnungen auf den Einzug in die Stichwahl macht sich auch der Linke Jean-Luc Mélenchon. In Umfragen landete er zuletzt beständig auf Rang drei - wenn auch mit deutlichem Abstand zu Macron und Le Pen. Die weiteren Kandidatinnen und Kandidaten dürften kaum von Bedeutung sein. Die traditionellen Volksparteien der Sozialisten und Republikaner schafften es im Wahlkampf kaum, Akzente zu setzen und steuern voraussichtlich auf eine deutliche Schlappe zu.

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Wahlen in Frankreich: Kaufkraft als zuletzt wichtigstes Thema

Unter dem Einfluss des Kriegs in der Ukraine in den Hintergrund gerückt, nahm der Wahlkampf in Frankreich zuletzt vergleichsweise wenig Raum ein . Das wichtigste Thema war die Kaufkraft, auch bedingt durch den rasanten Preisanstieg beim Sprit. Mit Spannung und leichter Sorge wird auch auf die Wahlbeteiligung geschaut. Institute sagten voraus, dass bis zu 30 Prozent der Wählerschaft der Abstimmung fern bleiben könnten.

Drei von zehn Franzosen wussten kurz vor der Wahl noch nicht, für wen sie stimmen werden. Auch die Bindung an eine Partei hat nachgelassen, es gibt weniger Stammwähler als früher.

Noch im Herbst hatte das rechte Lager den Wahlkampf klar dominiert. Le Pen und der rechtsextreme Politikneuling Éric Zemmour trieben die anderen Kandidatinnen und Kandidaten mit Themen wie Migration, Sicherheit und nationale Identität vor sich her.

Der französische Präsident hat weitreichende Machtbefugnisse und amtiert für fünf Jahre. Er ist mächtiger als der von ihm bestimmte Premierminister und beeinflusst die Geschicke des Landes maßgeblich. Insgesamt 48,7 Millionen Menschen sind für die Wahl eingeschrieben. (dpa/jda)