Mitten in der TV-Sendung geht der Mann Natalie Akbari an

CDU-Politiker Thomas Hornung würgt Reporterin in Liveschalte ab - weil ihm der Inhalt nicht passt?

27. Oktober 2021 - 10:52 Uhr

CDU-Mann Thomas Hornung mischt SWR-Sendung auf - TV-Schalte muss abgebrochen werden

Skandal im Live-TV! Reporterin Natalie Akbari berichtet vom Kreisparteitag der CDU Mannheim. Mitten während ihres Live-Berichts mischt sich Politiker Thomas Hornung ein und bedrängt die Journalistin. Er nennt die Berichterstattung eine "Unverschämtheit" und spricht von "unseriösem Journalismus". Es geht soweit, dass die Sendung abgebrochen werden muss. Den Vorfall und die Reaktion des SWR sehen Sie im Video!

Skandal um Ex-CDU-Mann Nikolas Löbel bringt Thomas Hornung auf die Palme

Die Journalistin war am Freitagabend in der TV-Sendung "SWR Aktuell Baden-Württemberg" zugeschaltet. Sie wollte aus dem Sitzungssaal über die Debatte um die Verstrickung der Kreis-CDU in die Geschäfte des ehemaligen Bundestagsabgeordneten Nikolas Löbel rund um die Corona-Masken-Affäre berichten. Dies empfand der CDU-Stadtrat und ehemalige Büroleiter Löbels, Thomas Hornung, nach eigenen Angaben als störend und griff in den Beitrag ein.

"Es wurde ausgerechnet in dem Moment live und laut berichtet, als die kommissarische Kreisvorsitzende in ihrem Rechenschaftsbericht auf die Vorwürfe in der Sache einging", sagte Hornung der Deutschen Presse-Agentur am Samstag. Deshalb hätte das Interview seines Erachtens nicht zeitgleich und im Raum abgehalten werden dürfen. "Ich habe da sicher im Affekt gehandelt und bin über mich hinausgeschossen", sagte Hornung. Er ergänzte aber, den Eingriff bereue er nicht. Der SWR betont in einem Statement, dass seine Reporterin an exakt dem Platz stand, der ihr von der Mannheimer CDU zugewiesen worden war.

In den sozialen Netzwerken gab es teils heftige Kritik an CDU-Mann Hornung.

SWR-Reporterin Natalie Akbari wurde beleidigt

Die Journalistin Natalie Akbari sagt in einer späteren Schalte, es sei eine "unangenehme Situation" gewesen. Es habe im Anschluss noch "einige relativ unflätige Beleidigungen, die ich hier mal nicht wiederholen möchte" gegeben. Ein Großteil der CDU-Teilnehmer vor Ort habe das Verhalten von Thomas Hornung nicht in Ordnung gefunden, ergänzte die Journalistin. Der SWR spricht von "einem Eingriff in unsere Pressefreiheit."

Fritz Frey, 1. Chefredakteur des SWR, sagte auf RTL-Anfrage: "Das Verhalten eines Mannheimer CDU-Stadtrats offenbart ein Verständnis von Pressearbeit, das mit der grundgesetzlich verbrieften Freiheit der Berichterstattung nicht vereinbar ist." Auch der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) äußerte sich: "Es ist erschreckend, dass nun selbst in demokratisch verankerten Parteien hierzulande das Bewusstsein für freie ungehinderte Berichterstattung scheinbar abhanden kommt. Da tut bei der CDU in Mannheim offenbar eine gehörige Portion Nachhilfe im Umgang mit Medien not," sagte Katrin Kroemer, Mitglied im Bundesvorstand des DJV, zu RTL.

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SPD fordert Entschuldigung von CDU

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Sascha Binder, Vize-Vorsitzender der SPD Fraktion im Landtag von Baden-Württemberg, fordert eine Entschuldigung von der CDU.
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Der baden-württembergische SPD-Generalsekretär Sascha Binder forderte die CDU auf, sich bei der Reporterin und dem SWR zu entschuldigen. Es sei nicht hinnehmbar, wenn bei einer CDU-Veranstaltung in Anwesenheit der Landesgeneralsekretärin Isabell Huber eine Journalistin bei ihrer Arbeit behindert werde. "Das kannten wir bisher nur von AfD-Veranstaltungen", sagte Binder am Samstag in Freiburg.

Die Maskenaffäre von Ex-CDU-Politiker Löbel erschüttert die Partei immer noch

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Die Masken-Affäre des Ex-CDU-Bundestagsabgeordneten Nikolas Löbel erschüttert die Partei immer noch.
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In der Masken-Affäre ging es um Provisionen von rund 250 000 Euro für Löbels Firma. Sie soll die Gelder kassiert haben, weil sie Kaufverträge über Corona-Schutzmasken zwischen einem baden-württembergischen Lieferanten und zwei Privatunternehmen in Heidelberg und Mannheim vermittelte. Politiker und Bürger hatten Löbel aufgefordert, das Geld zurückzugeben oder zu spenden. Nach heftiger Kritik war Löbel aus der CDU ausgetreten und hatte sich auch umgehend aus dem Parlament zurückgezogen. (rsa/ dpa/ Video:SWR)