Von wegen Selfmade-Millionär: Donald Trump hat Imperium mit dem Geld seines Vaters aufgebaut

Fred Trump mit seinem Sohn Donald. Das Bild zeigt die beiden in den 1990er Jahren.
Fred Trump mit seinem Sohn Donald. Das Bild zeigt die beiden in den 1990er Jahren.
© imago/ZUMA Press, imago stock&people

04. Oktober 2018 - 14:26 Uhr

"New York Times": Trumps Vermögen ist erstümpert

Donald Trump hat einen Mythos um seine Person kreiert, lange bevor er Präsident der Vereinigten Staaten wurde. Er hat sich stets als Selfmade-Millionär bezeichnet, als Abbild des amerikanischen Traums. Er ganz alleine habe sein Imperium aufgebaut, hieß es seit Jahrzehnten.

Jetzt hat die US-Zeitung "New York Times" die wahren Entstehungsgründe seines Vermögens durchleuchtet. Dabei kam heraus: Donald Trump hat mehr von dem Geld seines Vater profitiert als er zugeben wollte - sehr viel mehr.

Vater Fred Trump hat seinem Sohn Geld "geliehen": 60 Millionen Dollar statt einer Million

"Alles, was ich aufgebaut habe, habe ich durch eigene Kraft aufgebaut. Niemand anderes hat das für mich getan." So hat Donald Trump in den vergangenen fünf Jahrzehnten argumentiert, wenn es um sein Vermögen ging. So hat er unter anderem die Präsidentschaftswahl 2016 gewonnen. Kein Wunder also, dass der 72-Jährige an dem Mythos des Selfmade-Mannes festhalten will - anders als die "New York Times".

Nach dessen Informationen soll Trump das Imperium aus New Yorker Immobilien, Casinos, Golfplätzen und Reality-TV-Shows teilweise durch Steuerbetrug aufgebaut haben. Die Rede ist von mehreren Hundert Millionen Dollar. Hintergrund: Erstens habe die Familie Trump das von Vater Fred vererbte oder verschenkte Geld nicht korrekt versteuert. Zweitens habe Donald Trump insgesamt mehr als 60 Millionen Dollar geschenkt bekommen.

Der Präsident hat immer behauptet, im jungen Erwachsenenalter Zugang zu einem Trustfund in Höhe von einer Million Dollar erhalten zu haben. Nicht mehr.

Wie hat Familie Trump die US-Steuerbehörden betrogen?

U.S. President Donald Trump arrives aboard Air Force One en route to a rally with supporters, at Tri-Cities Airport in Blountville, Tennessee, U.S. October 1, 2018. REUTERS/Jonathan Ernst
Donald Trump hat Geschenke im Wert von Millionen von seinem Vater angenommen.
© REUTERS, JONATHAN ERNST, JE/DH

Dieser Steuerbetrug hat Ausmaße, die ein Otto Normalverbraucher kaum durchschauen kann. Vereinfacht gesagt hat die Familie Trump nicht nur mögliche Schlupflöcher genutzt, sondern die New Yorker Steuerbehörden systematisch getäuscht. Beispielsweise hat Vater Fred Trump seinen Kindern vom Kleinkindalter an sehr hohe Geldsummen übertragen. Donald Trump hatte dadurch mit acht Jahren die erste Million auf dem Konto. Mit 17 verwaltete er die ersten Anteile des Trump-Imperiums und als College-Student bekam er jährlich eine Million Dollar.

Fred Trump zahlte für alles: Autos, Mitarbeiter, Büros in Manhattan. Wenn Trump Mist baute, fiel er weich. Beispielsweise hatte Trump in den 1990ern einen schlechten Lauf. Privat ließ er sich von seiner ersten Frau Ivana scheiden, geschäftlich hat er schlecht investiert. Sein Vater gab ihm einen Kredit nach dem anderen, kaum einer wurde zurückgezahlt. Als Dank haben Donald Trump und seine Geschwister dem Vater geholfen, Geschenke und Investitionen vor den Steuerbehörden zu verschleiern. Das steht in dem Bericht der "New York Times".

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Donald Trump bestreitet Vorwürfe

Auch nach dem Tod des Vaters in 1999 sollen Donald Trump und seine Geschwister noch mal abgesahnt haben. 2004 haben sie das väterliche Imperium verkauft, das der Vater ihnen Ende der 90er Jahre überschrieben hatte. Donald Trumps Anteil: mehr als 177 Millionen Dollar. "Die Eltern des Präsidenten haben ein Vermögen von mehr als einer Milliarde Dollar an ihre Kinder überwiesen", lautet es in dem "New York Times"-Bericht. Damals hätte das einen Steuerbetrug von 550 Millionen Dollar bedeutet, heißt es weiter. Tatsächlich hat Familie Trump wohl nur 52,2 Millionen Dollar versteuert.

Donald Trump hat sich bisher nur über seinen Anwalt und via Twitter dazu geäußert. Anwalt Charles Harder schreibt in einem Statement: "Die Vorwürfe wegen Betrugs und Steuerhinterziehung der New York Times sind zu 100 Prozent falsch und in höchstem Maße verleumderisch." Trump habe nichts mit diesen Angelegenheiten zu tun gehabt.

Die Zeitung hat 100.000 seitigen Katalog ausgewertet

Für die Recherche haben die Journalisten der "New York Times" 200 Steuererklärungen von Fred Trumps Unternehmen und Treuhandfonds durchgeguckt, außerdem Kontoauszüge, Rechnungen, Hypotheken, Grundbücher, Gerichtsunterladen. Heraus kam ein Katalog, der 100.000 Seiten umfasst. Der US-Präsident veröffentlicht seine Steuerunterlagen generell nicht.

Das könnte sich möglicherweise ändern. Die Steuerbehörden von New York haben sich eingeschaltet und wollen jeden einzelnen Vorwurf überprüfen. Die eigentliche Straftat des Steuerbetrugs wäre zwar verjährt, zivilrechtlich könnte Trump aber immer noch zur Kasse gebeten werden. Und dann aber richtig. Schließlich schätzt das "Forbes"-Magazin Trumps Vermögen noch immer auf rund vier Milliarden Dollar.