Urlaubsstimmung in den eigenen vier Wänden

Trotz Corona und Lockdown: Deutsche trinken mehr Wein

Der Weinkonsum ist trotz der Corona-Krise 2020 gestiegen.
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18. Januar 2021 - 20:20 Uhr

Pro-Kopf-Verbrauch angestiegen

In der Pandemie trinken die Deutschen mehr Wein, wie die jetzt veröffentlichten Zahlen des Deutschen Weininstituts zeigen. Trotz Lockdown und vielen Einschränkungen im Alltag, gönnten sich die Deutschen im letzten Weinwirtschaftsjahr im Schnitt über einen halben Liter mehr Rotwein, Weißwein und Rosé, als noch im Jahr 2019. Dort waren es 20 Liter, die durchschnittlich pro Kopf konsumiert wurden – die Hälfte der verzehrten Weine stammte aus Deutschland

Für die Winzer war es ein gutes Jahr

Der Volksmund behauptet ja, dass man sich weniger erfreuliche Dinge einfach schön trinken kann. Vielleicht ist das auch mit einer Pandemie so. Der Lockdown oder ausgefallene Veranstaltungen stellen unsere Geduld auf die Probe. Doch mit einem Gläschen Wein, sind die Dinge vielleicht leichter zu ertragen - glaubt man dem Volksmund. Ob das der ausschlaggebende Grund war, weswegen der Konsum von Wein im vergangenen Weinwirtschaftsjahr um 0,6 Liter pro Kopf gestiegen ist?

Deutsches Weininstitut: Mehr Wein wegen weniger Urlaub

Nein, sagt das Deutsche Weininstitut und führt ganz andere Gründe für den gestiegenen Weinkonsum an: "Dass der Weinkonsum trotz der coronabedingt geschlossenen Gastronomie im vergangenen Weinwirtschaftsjahr unterm Strich dennoch gestiegen ist, dürfte auch auf die ausgefallenen Urlaubsreisen ins Ausland zurückzuführen sein" , erklärt Monika Reule vom Deutschen Weininstitut. Insgesamt lag der Weinverbrauch im letzten Weinwirtschaftsjahr, das im Juli endete, durchschnittlich bei 20,7 Litern pro Person. Im Vorjahreszeitraum lag dieser noch bei 20,1 Litern.

Mehr Wein, weil die Menschen weniger Urlaubsreisen gemacht haben? Wegen der Pandemie fiel der Urlaub bei vielen Menschen in diesem Jahr tatsächlich aus. Was scheinbar nicht bedeutet, dass man sich nicht auch zu Hause so richtig in Urlaubsstimmung bringen kann. Bei vielen darf da ein gutes Glas Wein nicht fehlen, um den Urlaub nach Hause zu holen. Außerdem stieg im Jahr 2020 auch die Nachfrage nach Urlaub innerhalb Deutschlands, wovon möglicherweise auch die malerischen Weinbaugebiete in der Pfalz, an der Mosel oder in Rheinhessen profitiert haben.

"Cocooning" lässt Weinabsatz steigen

Eines der bekanntesten Weinbaugebiete Deutschlands: Die Mosel
Die Weinberge an der Mosel gehören zu Deutschlands bekanntesten Weinbaugebieten.
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Einen weiteren Grund sieht das Deutsche Weininstitut im ersten Lockdown. Denn da räumten vielen Menschen ihren Keller auf oder entrümpelten den Speicher, um es sich während des Lockdowns so richtig schön zu machen. Trendforscher sprechen hier vom Phänomen des Cocoonings, also das bewusste Zurückziehen in die eigenen vier Wände. Diese Zeit nutzten die Menschen auch, um ihre Vorräte auf den Prüfstand zu stellen. "Zudem wurde während des ersten Lockdowns mehr Wein im Handel eingekauft, und viele Verbraucher haben in dieser Zeit ihre Weinvorräte aufgefüllt" heißt es vom Deutschen Weininstitut.

Die Nachfrage nach Sekt ging im vergangenen Weinwirtschaftsjahr übrigens zurück, vielleicht weil es auch weniger zu feiern gab. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ging der Sektverbrauch um 0,1 Liter auf 3,2 Liter pro Person zurück.

Deutschland ist ein Weinland

Insgesamt wurden in Deutschland 2019/20 rund 17,2 Millionen Hektoliter Wein aus dem In- und Ausland verbraucht sowie 2,6 Millionen Hektoliter Schaumwein. Dazu zählen sowohl der Konsum im Restaurant oder der Bar, als auch der Verkauf im Handel und der Direktvertrieb über die Winzer. Im internationalen Vergleich liegt Deutschland damit weit vorne und belegt den vierten Platz. Nur unsere Nachbarländer Italien (22,6 Millionen Hektoliter) und Frankreich (26,5 Millionen Hektoliter), sowie die USA (33 Millionen Hektoliter) trinken noch mehr Wein.

Wie man einen guten Wein erkennt

Wein ist nicht gleich Wein. Bei kaum einem anderen Getränk, gibt es so große Qualitätsunterschiede wie beim Wein. Der Preis ist hier nicht automatisch ein Indikator für Qualität. Warum auch Discounter-Weine überraschen können verraten wir Ihnen hier.