Woran Sie Verunreinigungen erkennen

Kann ich das Leitungswasser bei mir zu Hause bedenkenlos trinken?

Umweltschonend und gemeinhin gesund: Viele Menschen kaufen kein Wasser mehr, sondern trinken es direkt aus der Leitung.
Umweltschonend und gemeinhin gesund: Viele Menschen kaufen kein Wasser mehr, sondern trinken es direkt aus der Leitung.
© Torsten Rabe

07. Oktober 2021 - 7:35 Uhr

Leitungswasser schmeckt komisch - ist das ein Grund zur Sorge?

Dass Leitungswasser an sich in Deutschland eine sehr gute Qualität hat - das wissen die meisten. Nur: Die Rohre, durch die es fließt, sind mitunter recht alt und bestehen in manchen Fällen aus Blei. Viele kennen also die Zweifel, wenn sie sich ein Glas Wasser aus dem heimischen Hahn abfüllen: Schmeckt das Wasser eigenartig? Ist es verfärbt? Aber vielleicht ist ja auch doch alles ganz normal. Wir wollten von einem Trinkwasser-Experten der Verbraucherzentrale wissen: Woran erkenne ich als Verbraucher, dass ich mein Leitungswasser bedenkenlos trinken kann?

Bei diesen Warnzeichen sollte die Wasserqualität überprüft werden

"Wasser sollte man dann überprüfen, wenn das Wasser aus dem Hahn deutlich verfärbt ist. Wenn es beispielsweise rostfarben ist oder sich viele Partikel oder kleine Körnchen darin befinden", erklärt uns Philip Heldt von der Verbraucherzentrale NRW. "Dann macht es Sinn, mit dem Vermieter zu sprechen und die Rohre im Haus überprüfen zu lassen." Auch wenn das Wasser muffig rieche, könne das auf ein Problem mit den Rohren hindeuten. "Das sollte man auf jeden Fall abklären", so Heldt.

Lese-Tipp: Nach der Hochwasser-Katastrophe: Ist mein Trinkwasser in Ordnung?

Kein Grund zur Sorge bestehe hingegen, wenn das Wasser einfach nur etwas trüber aus dem Hahn kommt und nach kurzer Zeit beim Stehen im Glas wieder klar wird. Das sei dann meist nur ein Zeichen, dass das Wasser sehr kalkhaltig ist, so Heldt. "Das ist erst einmal überhaupt kein gesundheitliches Problem, solange das Wasser nicht dauerhaft verfärbt ist oder komisch riecht."

Bleirohre sind nur noch selten ein Problem

Die Sorge vor einer hohen Schwermetallbelastung des Leitungswasser sei in den meisten Fällen unbegründet, beruhigt der Trinkwasser-Experte. In Deutschland seien die schädlichen Bleirohre nur bis 1973 verbaut und diese in vielen älteren Gebäuden seitdem bereits ausgetauscht worden. Wer hier auf Nummer sicher gehen will, könne beim Vermieter nachfragen, welche Leitungen sich im Haus befinden oder alternativ selbst im Keller nach Bleirohren Ausschau halten. "Das sind meist gräuliche Rohre, die sehr geschwungen gelegt sind." Die Rohre seien zudem recht weich und ließen sich mit der Spitze eines Kugelschreibers einritzen. Und wenn man sich trotzdem unsicher ist, ob sich noch Bleirohre im Haus befinden? "Dann sollte man vielleicht eine Bleiuntersuchung machen", rät Heldt. Zeigt sich, dass Bleirohre vorhanden sind, müssen diese auf jeden Fall ausgetauscht werden.

Eltern von Säuglingen und Kleinkindern sollten den Kleinen zudem kein Leitungswasser geben, wenn im Gebäude neue Kupferrohre verbaut wurden, erklärt der Verbraucherschützer. Nach der Installation von Kupferrohren dauere es etwa sechs Monate, bis sich durch Oxidation ein Belag auf den Rohren bilde und diese dadurch kein Kupfer mehr ans Trinkwasser abgeben.

Lese-Tipp: Dürfen Babys Wasser trinken? Kinderärztin klärt auf

RTL NEWS empfiehlt

Anzeigen:

Welche Werte müssen bei einer Wasseranalyse überprüft werden?

Wer zum Beispiel überprüfen möchte, ob sich Bleirohre im Haus befinden und ob diese die Leitungswasserqualität beeinflussen, kann eine Wasserprobe zur Analyse an ein Prüflabor schicken. Auf der Webseite der Verbraucherzentrale finden Sie Listen mit empfohlenen Prüflaboren aus Ihrer Region. Meist genüge dann schon ein einfacher Blei-Test, der zwischen 30 und 50 Euro kostet, so Heldt. Eine komplette Trinkwasseruntersuchung sei in den allermeisten Fällen nicht nötig. "Die komplette Analyse kostet um die 160 Euro, ist aber für den Hausgebrauch vollkommen übertrieben. Das braucht man nur, wenn man einen eigenen Brunnen hat und das Wasser aus diesem trinken möchte."

Wer zahlt, wenn Verunreinigungen im Wasser gefunden werden?

Zunächst ist der Trinkwasserversorger für die Einhaltung sämtlicher Grenzwerte zuständig – dies gilt allerdings nur bis zur Wasseruhr. "Der Hausbesitzer ist dafür verantwortlich, dass das Wasser einwandfrei aus dem Hahn kommt", sagt Philip Heldt. In Mietwohnungen müssen also der Vermieter beziehungsweise die Hausverwaltung dafür Sorge tragen, dass alte Bleirohre ausgetauscht oder Wasserverunreinigungen beseitigt und werden.

GUT ZU WISSEN: Wann Legionellen im Wasser zum Problem werden

Sie lauern in unserem Trinkwasser und verursachen die lebensgefährliche Legionärskrankheit - winzig kleine Bakterien, die sogenannten Legionellen. Das Trinken von kontaminiertem Wasser ist allerdings nicht gefährlich. Nur tief in der Lunge lösen die Stäbchen-Bakterien Krankheiten aus. Sie werden vor allem über den Wasserdampf - etwa unter Dusche - übertragen und dann eingeatmet. Hier lesen Sie, wie Sie in Ihrem Zuhause Vorkehrungen treffen. (dhe)