Stiftung Warentest: Leitungswasser ist besser als Mineralwasser

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6. Juli 2017 - 15:25 Uhr

Viele Proben enthalten krankmachende Keime

Stilles Mineralwasser ist nicht nur weit teurer, sondern auch schlechter als Wasser aus der Leitung. Zu diesem Ergebnis kommt die 'Stiftung Warentest', die die Qualität von 29 stillen Wässern getestet hat. Insgesamt lieferten zwei Drittel der Proben nur wenig Mineralstoffe, fast jede dritte Flasche enthielt krankmachende Keime, die vor allem für Menschen mit geschwächtem Immunsystem zum Problem werden können.

Stille Mineralwässer liegen im Trend: 2011 stieg der Verkauf im Vergleich zum Vorjahr um 14 Prozent. Was viele Käufer nicht ahnen: Die meisten Produkte - vom günstigen Discountangebot für 13 Cent je Liter bis zur viermal so teuren Edel-Marke - enthalten nur wenig Mineralien. Viele liefern nicht einmal 500 Milligramm je Liter, trauriges Schlusslicht bilden 'Black Forest' und 'Saskia Naturis' von Lidl mit knapp 50 Milligramm. Fast immer ist Wasser aus dem Hahn die bessere Alternative: Hier sprudelt oft mehr Kalzium, Kalium, Magnesium, Hydrogencarbonat und Co.

Doch die getesteten Erfrischungen wiesen noch andere Schwachstellen auf: In 12 von 30 Proben fanden die Prüfer krankmachende Keime. Für gesunde Menschen sind sie kein Problem, wer aber eine geschwächte Immunabwehr hat, sollten vorsichtig sein. Um Durchfall und andere lebensbedrohliche Folgen zu vermeiden, müssen die betroffenen Wässer für Säuglinge, alte Menschen, sowie Krebs- und Aidskranke vorsorglich abgekocht werden. Bedenklich: Sogar in Wässern, die mit dem Zusatz "Zur Zubereitung von Säuglingsnahrung geeignet" versehen sind, wurden die Keime nachgewiesen. Für Babys sind sie also alles andere als zu empfehlen.

Kistenschleppen können Sie sich in Zukunft sparen

Die Tester kritisieren in ihrem aktuellen Bericht vor allem die laxen Auflagen, die für natürliches Mineralwasser gelten. So dürfen laut einer EU-Harmonisierung von 1980 auch mineralstoffarme Produkte als Mineralwasser angepriesen werden. Außerdem prangert 'Stiftung Warentest' an, dass die Mineral- und Tafelwasserverordnung - im Gegensatz zur Trinkwasserverordnung - Grenzwerte für bestimmte Substanzen wie zum Beispiel Uran nur bei Babywässern vorsieht. Zwar waren die Werte in keinem der getesteten Produkte bedenklich, bei einem durchschnittlichen Verzehr von 136 Litern im Jahr hält die 'Stiftung Warentest' ein Limit aber für dringend erforderlich.

Fazit: Wasser aus dem Hahn ist bequemer, meistens gesünder und in jedem Fall billiger als Kisten zu schleppen. In Deutschland ist Trinkwasser nach wie vor das am besten kontrollierte Lebensmittel. Es gelten strengere Auflagen und Grenzwerte als für Wasser aus der Flasche. Auch den Preis kann kein Discounter toppen: So kostet ein Liter Leitungswasser in Köln beispielsweise nur 0,003 Cent - bei zwei Litern pro Tag sind das nur 2,40 Euro im Jahr.