Versorgungskrise in Großbritannien

Aldi erhöht Löhne von Lkw-Fahrern

Aldi erhöht die Gehälter für LKW-Fahrer deutlich.
Aldi erhöht die Gehälter für LKW-Fahrer deutlich.
© picture alliance, Peter Byrne

02. August 2021 - 8:17 Uhr

100.000 Brummifahrer fehlen in Großbritannien

Lastwagenfahrer können sich in Großbritannien derzeit ihren Arbeitgeber frei auswählen. Denn durch den Brexit und Corona fehlen rund 100.000 Fahrer. Um ein Abwerben durch die Konkurrenz zu verhindern, hat der Discounter Aldi jetzt reagiert – und die Löhne erhöht.

Supermärkte werden nicht beliefert

Im Kampf gegen den Lastwagenfahrermangel in Großbritannien öffnet Aldi den Geldbeutel: Der deutsche Handelsriese erhöht die Löhne. Die BBC berichtete unter Berufung auf die Aldi-Website, dass die Stundenlöhne nun bei 14,15 (16,58 Euro) bis 15,34 Pfund (17,97 Euro) liegen, nachts bei 16,98 bis 18,41 Pfund (21,57 Euro). Nach Informationen der "Sunday Times" steht eine weitere Lohnerhöhung bevor. Damit wolle Aldi verhindern, dass Fahrer inmitten in der von Brexit und Corona ausgelösten Versorgungskrise abgeworben werden.

Auch Wettbewerber locken auf dem hart umkämpften Fahrermarkt mit Vorteilen. So verspricht Tesco jedem Lkw-Lenker, der vor Ende September einen Vertrag unterschreibt, einen Bonus von 1000 Pfund. Morrisons hat ein Trainingsprogramm für Lastwagenfahrer aufgesetzt.

Nach Schätzungen des Branchenverbands Road Haulage Association (RHA) fehlen landesweit bis zu 100.000 Fahrer. Der "historische" Mangel sei durch neue Brexit-Regeln wie neuerdings notwendiger Arbeitsvisa für EU-Bürger sowie die Pandemie befeuert worden. So hätten im vergangenen Jahr etwa 30.000 Lkw-Führerscheinprüfungen wegen Corona-Regeln nicht abgenommen werden können. Zuletzt mussten sich viele Fahrer wegen Kontakts mit Corona-Infizierten selbst isolieren, landesweit blieben Supermarktregale leer. Doch schon zuvor hatten vergleichsweise niedrige Bezahlung und hohe Fortbildungskosten für Probleme gesorgt.

Der Milchriese Arla, der die führenden Supermärkte beliefert, musste vergangene Woche wegen des Fahrermangels 600 Lieferungen täglich absagen. "Die Lieferkette knarrt wie nie zuvor und behindert unsere Erholung von der Corona-Krise", sagte Rod McKenzie vom RHA. Er kritisierte: "Die Regierung will es der Branche überlassen, das Problem zu lösen, aber sie könnten ausländischen Fahrern kurzfristige Visa gewähren, während wir längerfristige Probleme bei der Ausbildung von Fahrern angehen." Auch in Deutschland und anderen Ländern fehlen Zehntausende Lkw-Fahrer. (dpa/aze)

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