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Vater rast mit bewusstlosem Kind ins Krankenhaus - Lappen weg, obwohl Polizei ihn eskortierte

Richter ohne Gnade

Vater rast mit bewusstlosem Kind (2) zum Krankenhaus - Lappen weg!

Auto fährt zu schnell und wird geblitzt
Ein Vater fährt seine kranke Tochter in die Notaufnahme. Doch auf dem Weg dorthin wird er geblitzt - es folgen ein Bußgeld und der Führerschentzug.
ZU_09, iStockphoto

Schock für einen Siegener Vater. Er kommt von der Arbeit nach Hause und findet sein Kind bewusstlos vor. Auf dem Weg in die Notaufnahme gerät er in eine Radarfalle und wird geblitzt. Wenig später flattert ein Bußgeld ins Haus. Denn für das Gericht steht fest: Diese Ausnahmesituation ist kein Grund, viel zu schnell durch die Innenstadt zu fahren.

Polizisten eskortieren Vater ins Krankenhaus

Stellen Sie sich folgendes Szenario vor: Ihr zweijähriges Kind kollabiert zu Hause. In Panik fahren Sie in die Notaufnahme, werden auf dem Weg dorthin jedoch geblitzt. Es folgen ein Bußgeld und der Führerscheinentzug, das Gericht erkennt Ihren Notfall nämlich nicht als Ausnahmesituation an.

Genau so ist es jetzt einem Siegener Vater ergangen, wie die „Siegener Zeitung“ berichtet. Am 18. Januar kommt der 32-Jährige von der Arbeit nach Hause und findet seine erst zweijährige Tochter leblos vor. Da weder er noch seine Frau Deutsch sprechen, verzichtet der Mann auf einen Notruf und beschließt, das Kind selbst in die Notaufnahme zu fahren. Auf dem Weg dorthin halten ihn zwei Polizisten an, weil der Vater nicht angeschnallt ist. Die Beamten erkennen jedoch die prekäre Situation und eskortieren den Mann und seine Tochter in die Kinderklinik.

Die Folgen: Lappen weg und ein saftiges Bußgeld

„Augenscheinlich musste dieses schnellstmöglich medizinisch behandelt werden, daher eskortierte man mit dem Zivilwagen bis zur Kinderklinik, wo das Kind umgehend der Notaufnahme zugeführt wurde“, heißt es in einem Protokollauszug in der „Siegener Zeitung“. Doch damit ist die Geschichte noch lange nicht zu Ende, sie nimmt erst so richtig Fahrt auf.

Denn nur wenig später werden sowohl der Polizeiwagen als auch der Vater geblitzt – letzterer mit satten 82 km/h. Im Februar flattert dann die Abrechnung ins Haus, eine Geldbuße von 348,50 Euro und ein einmonatiges Fahrverbot – und das alles, obwohl die Polizei ihn sogar eskortiert hatte. Der Vater wehrt sich gegen die Strafe, doch das Amtsgericht Siegen sieht diese als berechtigt an. Bei einer Anhörung am vergangenen Mittwoch sagt Richter Dr. Paul Sprenger laut der „Siegener Zeitung“: „Er hätte einen Rettungswagen rufen müssen, wir haben da in Deutschland ein funktionierendes System.“

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Dem Richter fehlt eine Entschuldigung des Vaters

Nur weil der Mann kein Deutsch spreche, dürfe er deswegen nicht zu schnell fahren. Der Vater hätte nach einer Person suchen müssen, die für ihn den Krankenwagen rufen kann, oder er hätte in normaler Geschwindigkeit zur Klinik fahren müssen. „Man kann eine solche Fahrt machen, darf aber eben nicht erwarten, freigesprochen zu werden“, so Sprenger. Mit einem Rettungswagen hätte das Kind zudem viel schneller versorgt werden können.

Das Bußgeld hat der Richter anschließend auf 260 Euro reduziert, am Fahrverbot hält er jedoch fest. Es sei auch in Betracht gekommen, die Geldstrafe zu erhöhen und auf das Fahrverbot zu verzichten, doch dafür fehle ihm eine Entschuldigung des Mannes. Über den aktuellen Gesundheitszustand des Kindes ist nichts bekannt. (jbü)

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