Regisseur Uwe Bolls Version vom Hanau-Attentat

Angehöriger Cetin Gültekin: "Es ist noch viel zu früh für einen Film!"

Angehöriger: "Es ist noch viel zu früh für einen Film!" Regisseur Uwe Bolls Version vom Hanau-Attentat
03:20 min
Regisseur Uwe Bolls Version vom Hanau-Attentat
Angehöriger: "Es ist noch viel zu früh für einen Film!"

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Ein Film über die rassistisch motivierten Anschläge in Hanau, der einem den schrecklichen Tag im Winter 2020 wieder vor Augen bringt? Nicht nur für Angehörige der Opfer des Attentats ist diese Vorstellung mit tiefer Trauer und Wut verbunden. Doch jetzt ist er veröffentlicht, der heftig umstrittene Film „Hanau“ von Regisseur Uwe Boll. Was er selbst zum Film sagt und welche überwältigenden Emotionen sein Werk bei dem Bruder des bei dem Anschlag getöteten Gökhan Gültekin auslöst – im Video!

Viel Diskussion um Uwe Bolls Verfilmung von Hanau

Wird der Film über das Attentat in Hanau, bei dem der 43-jährige Tobias Rathjen am 19. Februar 2020 neun Bürger mit Migrationshintergrund und anschließend seine eigene Mutter und sich selbst tötete, veröffentlicht oder nicht? Es gab viel Diskussion über das Werk des umstrittenen Regisseurs Uwe Boll. Der Film sei pietätlos, schlecht recherchiert und einfach überflüssig, so Bolls Kritiker. Doch der oftmals als „Trash-Regisseur“ betitelte Boll setzte seine Pläne durch: Passend zum zweijährigen Jahrestag des schrecklichen Vorfalls in der hessischen Stadt. veröffentlicht er „Hanau“ auf Bluray und DVD.

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Boll über Hanau-Täter: „Wenn wir uns mit diesen Leuten nicht auseinandersetzen, werden wir mehr davon bekommen.“

Er trägt Titel wie "Skandal- und Trash-Regisseur". Jetzt präsentiert Uwe Boll seinen neuen Film über den Anschlag von Hanau.
Er trägt Titel wie "Skandal- und Trash-Regisseur". Jetzt präsentiert Uwe Boll seinen neuen Film über den Anschlag von Hanau.
RTL

Der Regisseur selbst zeigt sich im RTL-Interview erstaunt über die abwehrende Reaktion der Hanauer, insbesondere des Bürgermeisters. Er sieht den Film keineswegs als pietätlos, viel eher sei es ein „Psychogramm über die Tatnacht“. Tobias Rathjen sei für ihn der erste Massenmörder der QAnon-Bewegung, der Gruppe, die seit 2016 von den USA aus Verschwörungstheorien mit rechtsextremem Hintergrund im Internet verbreitet. „Es ist kein Film über die Opfer, es ist ein Film über die Täter“, betont der 56-Jährige.

Grundlage des Films sei vor allem das im Internet veröffentlichte „Manifest“ vom Täter – es zeige den „Wahnsinn“ des Verschwörungstheoretikers Rathjen. Ein Spielfilm sei keineswegs eine Plattform für Menschen mit rassistischem Gedankengut, sondern der beste Weg, sich mit den Tätern auseinanderzusetzen, so Boll. „Wenn wir uns mit diesen Leuten nicht auseinandersetzen, werden wir mehr davon bekommen.“

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Angehöriger: Film kommt viel zu früh

Doch wo es Täter gibt, gibt es auch immer Opfer: Gökhan Gültekin war eines von ihnen. Am 19. Februar 2020 wurde der gelernte Maurer mit türkischen Wurzeln von Tobias Rathjen in einem Hanauer Kiosk kaltblütig erschossen. Sein Bruder Cetin ist auch zwei Jahre danach noch in tiefer Trauer und entsetzt, dass der Schicksalstag seines Bruders nun sogar verfilmt wurde: „Wie kann man einen Film über so eine wichtige wahre Begebenheit so früh drehen?“, fragt sich Cetin. „Wie kann er (Uwe Boll) so einen Film drehen, wenn er noch gar nicht weiß, was falsch gelaufen ist?“ Ermittlungen und ein Untersuchungsausschuss zu diesem Tag laufen noch, nichts sei abschließend geklärt.

Cetin Gültekin: "Hanau hat diese billige Produktion nicht verdient"

„In meinen Augen ist das, was in Hanau passiert ist, der schlimmste Anschlag in Deutschland seit 1945“, so Cetin Gültekin im RTL-Interview. Vor allem die kurze Zeitspanne, die wenigen Minuten, in der Tobias Rathjen seine neun Opfer hinrichtete, sei einzigartig in der jüngeren Geschichte.

Dass ausgerechnet ein Regisseur wie Uwe Boll, der schon mehrfach für seine Arbeit in Verruf geraten sei, den Abend in Hanau verfilmt, sei völlig unangebracht seiner Meinung nach. Ein Film sei ein wichtiger Kanal, um solch sensible Themen den Menschen nahezubringen, doch Uwe Boll habe noch nicht mal mit ihm und seiner Familie gesprochen. Nicht nur der Tod seines Bruders sei in Bolls Film falsch dargestellt. Viele Angehörige seien entsetzt über den Film und Bolls Recherche.

„Hanau hat diese billige Produktion nicht verdient“, betont Cetin – und vor allem nicht zu einem Zeitpunkt, an dem die Umstände noch ungeklärt und die Wunden noch offen sind.(gmö)