Schocktat in Philadelphia

Frau im Zug vergewaltigt: Keiner hilft - Passagiere sollen stattdessen gefilmt haben

22. Oktober 2021 - 10:42 Uhr

Mutmaßlicher Vergewaltiger

Schockierende Tat in Philadelphia: Am Mittwochabend gegen 22 Uhr soll sich Fiston N. im Zug neben die Frau gesetzt, sie mehrfach begrapscht und schließlich vergewaltigt haben – vor den Augen der anderen Passagiere! Keiner von ihnen sei eingeschritten, im Gegenteil: Manche hätten sogar mit ihren Handys drauf gehalten.

Unterlassene Hilfeleistung in Pennsylvania nicht strafbar

Es sei unklar, wie viele Personen in dem Pendlerzug im Norden Philadelphias Richtung Upper Darby unterwegs waren, doch nach Auswertung von Überwachungskamerabildern sei eines ganz klar: "Ich kann Ihnen sagen, dass Menschen ihre Handys in Richtung der Frau hielten, während sie angegriffen wurde," sagt Thomas Nestel, Polizeichef der "Southeastern Pennsylvania Transportation Authority" (SEPTA). Niemand habe eingegriffen, den Notfallknopf gedrückt oder die Polizei alarmiert. 40 Minuten lang nicht. So lange sollen die Übergriffe auf die Frau gedauert haben, die schließlich in der mutmaßlichen Vergewaltigung endeten. "Wir wollen, dass Sie wütend und angewidert sind und entscheiden, dieses System sicherer zu machen", so Nestel.

Timothy Bernhardt, Hauptkommissar der Polizei von "Upper Darby", sagte der "New York Times", Videomaterial belege, dass andere Fahrgäste in dem Zugabteil saßen: "Sie hätten sich zusammentun und eingreifen können." Derzeit werden jene Augenzeugen ermittelt, sollten sie die Tat gefilmt haben, drohen juristische Konsequenzen. Bernhardt stellte aber klar, dass es den Straftatbestand der unterlassenen Hilfeleistung (sog. "Good Samaritan Law") im US-Bundesstaat Pennsylvania nicht gebe. Die Menschen seien demnach nicht verpflichtet gewesen, zu helfen. Das mache es sehr schwierig, sie zur Rechenschaft zu ziehen.

Täter behauptet: Frau war einverstanden - Opfer weist das zurück

Zwölf Haltestellen später sei ein Mitarbeiter der Zuggesellschaft eingestiegen, habe den Ernst der Lage erkannt und die 911 gewählt. Ein Polizist sei daraufhin "in den Zug gerannt, hat diesen Mann während der Tat erwischt und in Gewahrsam genommen", sagte ein Sprecher der SEPTA. Der polizeibekannte Obdachlose Fiston N. wurde unter anderem wegen Vergewaltigung und sexueller Belästigung angeklagt. Er sitzt derzeit gegen eine Kaution in Höhe von umgerechnet rund 154.000 Euro im "Delaware County Gefängnis" ein.

Der 35-Jährige soll nach Informationen des "The Philadelphia Inquirer" ausgesagt haben, die Frau sei mit den sexuellen Handlungen einverstanden gewesen, habe zugestimmt. Das mutmaßliche Opfer habe diese Aussage als falsch zurückgewiesen und bei der Polizei ausgesagt, er habe ihre Bitten ignoriert, sie in Ruhe zu lassen.

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Opfer der Vergewaltigung soll es besser gehen

Laut "New York Times" kam sie nach der Attacke ins Krankenhaus. "Was diese Frau in den Händen des Mannes erleiden musste, was sie uns erzählen konnte, ist unglaublich", sagte Bernhardt. Sie sei "unfassbar stark", es gehe ihr besser und sie habe die Polizei mit vielen, wertvollen Informationen versorgen können.

Die SEPTA hat ein Statement veröffentlicht, in dem sie den Vorfall als "schreckliches Verbrechen" bezeichnet und Passagiere aufgefordert, Vorfälle dieser Art sofort zu melden. "Es waren andere Menschen in dem Zug, die Zeugen dieses schrecklichen Verbrechens geworden sind. Es hätte früher unterbunden werden können, wenn einer von ihnen die 911 alarmiert hätte." (cwa)