Werbung mit Baby-Totenschädel

US-Waffenhersteller entwickelt halbautomatisches Gewehr für Kinder

Gewehr extra fr Kinder
In den USA wirbt ein Waffenhersteller für ein halbautomatisches Gewehr speziell für Kinder.
facebook/Wee 1 Tactical

Die USA sind für ihren liberalen Waffengesetze bekannt. Nun sorgt aber ein Waffenhersteller aus Illinois für Wirbel: Die Firma „WEE 1 Tactical“ wirbt für ein halbautomatisches Gewehr für Kinder. Das Produkt „sehe aus, fühle sich an und funktioniere genau wie Mamas und Papas Waffe“, so der Hersteller. Das Logo zeigt einen Piratenschädel mit Schnuller – bei dem Modell für Mädchen mit blonden Zöpfen und Schleifen, bei dem für Jungen mit einem blonden Haarbüschel. Aktivisten, die sich für strengere Waffengesetze einsetzen, sind entsetzt.

Waffenhersteller wirbt für "sicheres" Kindergewehr

Die Waffe solle „Erwachsenen helfen, Kinder sicher ans Sportschießen heranzuführen“, wirbt der Hersteller des Kinder-Gewehrs auf seiner Internetseite. „Wir glauben, dass eine frühe Heranführung zu einem tiefen Respekt für Schusswaffen führt, der bleibt und zu einem Leben in Sicherheit führt.“ Das Gewehr, das „WEE 1 Tactical“ verkauft, ist wohlgemerkt kein Spielzeug, sondern eine echte Schusswaffe – nur eben kleiner und leichter, sodass sie leichter von kleinen Händen bedient werden kann.

Auf der Facebookseite des Herstellers kommt das Mini-Gewehr offenbar gut an: „Ich liebe es, ich kann es kaum erwarten, eins für meine Enkelin zu kaufen“, kommentiert eine Userin. „Ich habe es meinem Neunjährigen gezeigt und er will jetzt eins haben“, schreibt ein anderer User.

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Waffengegner kritisieren: Kindergewehr ist eine Waffe für Massenmorde

Weniger gut kommt das Produkt allerdings bei Waffengegnern an. Das „Violence Policy Center“, das sich mehr Sicherheit und strengere Gesetze für den Schusswaffengebrauch einsetzt, kritisierte, dass solche halbautomatischen Gewehre immer wieder bei Massenschießereien und Amokläufen an Schulen zum Einsatz kämen. Nicht unbedingt die Waffe, die in Kinderhände gehört.

Josh Sugarmann, Chef der Organisation, erklärte: „Auf den ersten Blick sieht es aus wie ein grotesker Witz. Auf den zweiten Blick ist es einfach nur grotesk.“ Der Waffenhersteller würde in seinem Logo tote Kinder abbilden, um für eine Kinderwaffe zu werben. Das zeige, wie sehr sich die Waffenindustrie von den Toten und Verletzten losgelöst hätte, die durch ihre Waffen verursacht würden.

Auch Po Murray, Vorsitzende der „Newton Action Alliance“, einer weiteren Waffengegnervereinigung, verurteilte das Kindergewehr scharf. Es sei gefühllos, eine Kinderversion der Waffe anzubieten, die bei Schulschießereien so viele Kinder getötet habe. Das der neueste Beweis, dass es den Waffenindustrie nur um Gewinn gehe, meint sie.

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US-Präsident Joe Biden hatte der ausufernden Schusswaffengewalt schon mehrfach den Kampf angesagt und Aktionspläne vorgestellt. Zuletzt rief er am vierten Jahrestag des Massaker an einer High School in Parkland im Bundesstaat Florida zu einem Ende der „Epidemie der Waffengewalt“ auf. Damals hatte ein 19-Jähriger 14 Jugendliche und drei Erwachsene erschossen und weitere Menschen verletzt. Der Schütze hatte bei der Tat am 14. Februar 2018 ein legal erworbenes halbautomatisches Gewehr eingesetzt.

In den USA kommt es regelmäßig zu tödlichen Zwischenfällen mit Schusswaffen, die dort meist leicht zu kaufen sind. Für eine Verschärfung der Waffengesetze wäre allerdings der Kongress zuständig, das US-Parlament. Viele Republikaner lehnen einen solchen Schritt aber ab. Die Waffenlobby ist in den USA sehr mächtig. (jgr, mit dpa)