Handgelenke zu klein für Handschellen

US-Polizei verhaftet autistischen Jungen (8) in der Schule

13. August 2020 - 16:46 Uhr

Florida: Behindertes Kind (8) wird in der Schule verhaftet

Es sind Szene, die sprachlos machen. Ein Polizist verhaftet in Key West im US-Bundesstaat Florida einen achtjährigen Jungen in einer Grundschule, weil er seine Lehrerin geschlagen haben soll. Im Video ist zu sehen, wie der Polizist das Kind erst abtastet und ihm dann Handschellen anlegt. Weil seine Handgelenke zu dünn sind, fallen sie ab. Im Video spricht die Mutter des Jungen über den traumatischen Vorfall. Bianca N. Digennaro erzählt, dass ihr Sohn krank ist. Er leidet an Autismus und nimmt Medikamente. 

Mutter reicht Klage gegen Polizisten ein

Die Verhaftung fand im Dezember 2018 statt und wurde mit einer Bodycam eines anwesenden Polizisten aufgezeichnet. Das Video veröffentlichte der Anwalt der Familie, Ben Crump, am Montag. Es zeigt, wie die Polizisten vor dem Kind stehen und sagen: "Weißt du, wohin du gehst? Du kommst jetzt ins Gefängnis". Dann fordert ihn der Beamte auf, die Hände auf einen Schrank zu legen und tastet ihn ab. Danach legt der Achtjährige seine Hände auf seinen Rücken. Der Polizist versucht ihm daraufhin die Handschellen anzulegen und stellt fest, dass seine Handgelenke viel zu dünn sind. "Deine Hände sind zu klein", sagt er zum Kind. Dann fordern sie den Jungen auf, die Hände vorne zu halten und führen ihn ab.

Am Dienstag hat die Mutter des Jungen Klage gegen die Beamten wegen übermäßiger Gewalt eingereicht, berichtet der Sender "CNN". Digennaro erklärte in einer Pressekonferenz, dass ihr Sohn in der Grundschule verhaftet und ins Gefängnis gebracht worden sei. Dort habe man ihm Fingerabdrücke abgenommen und einen DNA-Abstrich gemacht. Außerdem sei ein Fahndungsfoto des Achtjährigen erstellt worden. Die betont in der Pressekonferenz, dass ihr Sohn an Autismus leidet. Der Schulbezirk habe ihren Sohn im Februar 2018 als "verhaltensbehindert" eingestuft. Daraufhin wurde ein auf ihn zugeschnittenes Bildungsprogramm entwickelt, erklärt sie. 

Junge (8) soll Lehrerin auf Brust geschlagen haben

Im Polizeibericht heißt es, der Junge sei festgenommen worden, nachdem er eine Lehrerin in der Schulkantine geschlagen haben soll. Die Lehrerin habe den Jungen damals ermahnt, sich richtig auf die Sitzbank zu setzten. Weil der Junge dies ablehnte, sei sie zu ihm gegangen. Dort sei die Frau vom Schüler zunächst beschimpft worden. "Meine Mama wird dir den Arsch versohlen", soll er zu ihr gesagt haben. Dann habe er sie auf die Brust geschlagen. "Offensichtlich verletzt" habe der Junge die Frau aber nicht, heißt es im Bericht. Dennoch habe sie nach dem Vorfall die Polizei gerufen. 

Anwalt: Kinder werden die Kriminelle behandelt

Der Polizeichef von Key West, Sean T. Brandenburg, verteidigt indes die beiden Polizisten. Sie hätten nichts falsch gemacht und die üblichen Betriebsverfahren befolgt, so Brandenburg im "Miami Herald".

"Dies ist ein herzzerreißendes Beispiel dafür, wie unser Bildungs- und Polizeisystem Kinder zu Kriminellen erzieht, indem sie wie Kriminelle behandelt werden", sagte Rechtsanwalt Crump am Dienstag, der übrigens auch die Familie von George Floyd vertritt. Der kleine Junge sei schikaniert worden, sagt er. Die Argumentation des Polizeichefs, dass es sich um eine normale Verhaftung gehandelt habe, sei genau das Problem. Ebenso habe die Lehrerin kein Gespür für die besondere Situation gehabt, wodurch es erst zur Eskalation kommen konnte, argumentiert er.