Aus Angst vor seiner Reaktion

US-General schränkte Trumps Atomwaffen-Zugriff ein

US-Präsident Trump (l.) auf einer Pressekonferenz mit General Mike Milley (r.).
US-Präsident Trump (l.) auf einer Pressekonferenz mit General Mike Milley (r.).
© AP, Alex Brandon

15. September 2021 - 12:02 Uhr

US-General Mark Milley sorgte sich um Trumps Geisteszustand

Mit nur einem Klick auf den berüchtigten roten Knopf im Oval Office, konnte Ex-US-Präsident Donald Trump Atomwaffen auf beliebige Ziele abfeuern. Quatsch! Der Knopf diente lediglich dem beständigen "Cola Light"-Nachschub. Jetzt wird sogar bekannt: Trumps Generäle wollten ihm den Atomwaffen-Zugriff einschränken – aus Sorge über seinen Geisteszustand.

General Milley nach Sturm auf Kapitol erschüttert

Generalstabschef Mark Milley soll nach der Erstürmung des US-Kapitols am 6. Januar geheime Vorkehrungen getroffen haben, um die rechtmäßige Befehlsgewalt Trumps über Atomwaffen einzuschränken. Das berichteten der Sender "CNN" und die Zeitung"«Washington Post" am Dienstag unter Berufung auf ein noch unveröffentlichtes Buch, das sich mit dem Ende von Trumps Präsidentschaft befasst.

Der renommierte Investigativjournalist Bob Woodward und ein langjähriger Korrespondent der "Washington Post", Robert Costa, schreiben demnach in "Peril" (Gefahr): Milley sei nach der Erstürmung des Kapitols durch Anhänger Trumps erschüttert gewesen.

"Sie wissen, dass er verrückt ist"

In this Sept. 8, 2021 photo, Speaker of the House Nancy Pelosi, D-Calif., meets with reporters to discuss President Joe Biden's domestic agenda at the Capitol in Washington. House Democrats are unveiling a sweeping proposal for tax hikes on big corpo
„Sie wissen, dass er verrückt ist", soll Nancy Pelosi zu Milley gesagt haben.
© AP, J. Scott Applewhite, JSA

Demnach habe Milley am 8. Januar ein vertrauliches Treffen mit den zuständigen Kommandeuren einberufen, um sicherzustellen, dass es keinen militärischen Offensivschlag ohne seine Zustimmung geben könne. "Was auch immer Ihnen befohlen wird, Sie folgen dem Ablauf. Sie machen den Vorgang. Und ich bin Teil des Ablauf", soll Milley gesagt haben. Danach soll der General alle Beteiligten direkt gefragt haben, ob sie ihn verstanden hätten.

Den Berichten zufolge lag den Autoren des Buchs, das am 21. September veröffentlicht werden soll, auch eine Mitschrift eines Telefonats von Milley und der Vorsitzenden des Repräsentantenhauses, der Demokratin Nancy Pelosi, vor.

Pelosi sagte demnach in dem Gespräch vom 8. Januar zu Milley über Trump: "Sie wissen, dass er verrückt ist. Er ist seit langer Zeit verrückt." Darauf soll Milley, der 2019 von Trump ernannt worden war, erwidert haben: "Ich stimme Ihnen in allen Punkten zu."

RTL NEWS empfiehlt

Anzeigen:

Trump "Erzfeindin" Pelosi warnte vor der Unberechenbarkeit des Ex-Präsidenten

Trump und Pelosi
US-Präsident Donald Trump während seiner Rede zur Lage der Nation im Kapitol. Hinter ihm die Demokratin Nancy Pelosi.
© deutsche presse agentur

Pelosi, die das dritthöchste Staatsamt bekleidet, hatte nach dem Telefonat im Januar auch eine Pressemitteilung veröffentlicht. Damals erklärte sie, sie habe mit Milley gesprochen, um einen "instabilen Präsidenten" daran zu hindern, "Militärschläge zu beginnen" oder einen "atomaren Angriff" zu befehlen.

Der abgewählte Republikaner Trump "könnte nicht gefährlicher sein und wir müssen alles in unserer Macht stehende tun, die Menschen in Amerika" und die Demokratie zu schützen, so Pelosi damals.

Milley beruhigte die chinesische Führung in Peking

Mark Milley (r.) und Li Zuocheng (l.) auf einer Parade in Peking.
Mark Milley (r.) und Li Zuocheng (l.) auf einer Parade in Peking.
© deutsche presse agentur

Trotz seiner Niederlage bei der Wahl am 3. November 2020 blieb Trump noch wie von der Verfassung vorgesehen bis 20. Januar US-Präsident und damit auch Oberbefehlshaber der Streitkräfte. Das Militär konnte sich seinen Befehlen also streng genommen nicht offen widersetzen.

Milley, der inzwischen dem demokratischen Präsidenten Joe Biden als oberster Militärberater dient, soll den Berichten zufolge auch zwei Gespräche mit seinem chinesischen Kollegen gehabt haben, um Ängsten der kommunistischen Führung vor einem möglichen US-Angriff vorzubeugen.

Im Telefonat soll Milley dem Chinesen gesagt haben: "Wir sind 100 Prozent beständig. Aber Demokratie kann manchmal schluderig sein." (dpa/mor)