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Urteil gegen "Peitschenmörder": Fünf Jahre Haft für Axel G.

Landgericht verurteilt "Peitschenmörder"
Landgericht verurteilt "Peitschenmörder"
© dpa, Bernd Wüstneck, bwu fgj

21. März 2017 - 17:08 Uhr

Erst gefesselt und dann ausgepeitscht

Das Landgericht Neubrandenburg hat den sogenannten "Peitschenmörder" zu fünf Jahren Haft verurteilt. Der Richter sah es als erwiesen an, dass der 51-Jährige seine damalige Freundin Sarah H. im Juni 2016 mit einer Peitsche zu Tode folterte. Der Angeklagte galt als vermindert schuldfähig.Der Fall löste damals bundesweit Entsetzen aus.

Nackt ans Bett gefesselt, mit den Haaren ans Bett gebunden

Die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft klingen wie aus einem Horrorfilm. Der 51-Jährige habe die Frau nackt gefesselt, ihre Haare ans Bett gebunden und sie über etwa zwei Stunden mit einer Peitsche geschlagen. Zudem habe er ihr Essen und Trinken verweigert. Schließlich starb die 32-jährige Sarah H. qualvoll an den Folgen dieser Tortur. Die genaue Todesursache der Frau blieb laut Gericht jedoch unklar.

Wegen der dünnen Spuren- und Beweislage, lautete die Anklage dennoch "nur" auf Freiheitsberaubung und Körperverletzung mit Todesfolge. Die Höchststrafe hierfür beträgt 15 Jahre Haft, doch das Gericht verhängte lediglich eine Haftstrafe von fünf Jahren gegen den 51-Jährigen.

Leiche nur durch Zufall entdeckt

Ermittler der Polizei sichern Spuren nach dem Fund einer Leiche in Alt Rehse. Foto: Winfried Wagner
In diesem Haus fanden Polizisten die Leiche von Sarah H.
© DPA

Nur durch Zufall hatte die Polizei die Leiche der 32-jährigen Sarah H. im Haus ihres Freundes gefunden. Nachbarn hatten am 9. August 2016 die Polizei alarmiert, weil der Mann gegen sechs Uhr früh nackt in seinem Garten Trompete gespielt haben soll. Zwar versuchte er erst zu fliehen, konnte aber schließlich von den Beamten überwältigt werden.

Bei der anschließenden Durchsuchung des Hauses, wohlgemerkt zwei Monate nach dem Verbrechen, bemerkten die Polizisten den starken Verwesungsgeruch und fanden schließlich die Leiche von Sarah H., die durch ihre Teilnahme bei einer TV-Kuppel-Show bekannt geworden war.

Paar lernte sich im Internet kennen

Sarah H. hatte den knapp 20 Jahre älteren Computerfachmann zuvor im Internet kennengelernt. Sie zog in sein Haus in Alt Rehse (Mecklenburg-Vorpommern) in dem Glauben, sie hätte in ihm ihre große Liebe gefunden. Doch immer wieder soll es zwischen den beiden zu Streit gekommen sein. Axel G. soll die 32-Jährige mehrfach verprügelt haben. Sie suchte Hilfe bei Nachbarn, flüchtete zweimal ins Frauenhaus. Doch der Mann konnte sie immer wieder davon überzeugen, zu ihm zurückzukommen.

Der Angeklagte hatte vor Gericht zu den Vorwürfen geschwiegen. In seinem letzten Wort erklärte er aber, es sei ein Fehler gewesen, damals nicht den Notarzt geholt zu haben. Er hatte versucht sie wiederzubeleben, aber es war vergebens. ​

Psychiatrisches Gutachten bescheinigt eine "krankhafte seelische Störung"

"Einiges an Ihrem Verhalten hat nahezu skurril angemutet", sagt Richter Klaus Kabisch. Polizisten und ein Gefängniswärter sagten vor Gericht, er habe die Frau misshandelt, weil er angenommen habe, dass "der Bundesnachrichtendienst und die Dorfbewohner" die 32-Jährige auf ihn angesetzt hätten. "Sie sollte mich zersetzen", habe er erklärt. Sie soll angeblich auch Brillen und Schlüssel gestohlen haben. "Das kam uns auch sonderbar vor", sagte ein Polizist. Der Mann hatte die Tote nach eigenen Angaben gewaschen, in Decken und Folien gewickelt und auf eine Sackkarre in dem ehemaligen Gasthof gebunden. Nachbarn hatten die Frau schon länger vermisst. Der Mann hatte mit allen Nachbarn Streit - vor allem, weil er immer wieder für Ruhestörungen sorgte.

Mit dem Urteil blieb das Gericht, das die Tat als "schwere Kriminalität" bezeichnete, knapp unter der Forderung der Anklage. Das Gericht hielt dem bisher nicht vorbestraften Mann zugute, dass ihm eine psychiatrische Gutachterin eine "krankhafte seelische Störung" bescheinigte. Deshalb sei er zur Tatzeit vermutlich nur vermindert schuldfähig gewesen. Das reiche aber nicht aus, um den Mann dauerhaft in eine Psychiatrie einzuweisen, erklärte Kabisch. Oberstaatsanwalt Bernd Bethke hatte sechseinhalb Jahre Haft gefordert. Die Nebenklage, die den Vater des Opfers vertrat, plädierte dagegen auf Totschlag und verlangte elf Jahre Haft: "Sie hatten dem Vater versprochen, gut für die Tochter zu sorgen." Der Verteidiger des 51-Jährigen hatte einen Freispruch verlangt, da ihm die Tat nicht nachzuweisen sei. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Der Angeklagte nahm das Urteil ohne sichtbare Regung auf. Im Internet hatte er sich einmal als "Reichsbürger" bezeichnet - das spielte im Prozess aber keine Rolle.

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