Das sollten Arbeitnehmer wissen

Muss ich trotz Corona jetzt schon meinen Urlaub nehmen?

Müssen Arbeitnehmer jetzt schon ihre Urlaubstage angeben?
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11. Januar 2021 - 17:17 Uhr

Viele Besonderheiten im Jahr 2021

Gleich zu Jahresbeginn geht es nicht nur darum, gute Vorsätze einzuhalten. Für viele Arbeitnehmer heißt es im Januar: Urlaub einreichen! Und zwar am besten schneller als die Kollegen. Aber noch nie war der Jahresurlaub so schlecht planbar wie 2021. Muss ich trotz Corona jetzt schon meinen Urlaub nehmen? Und was ist, wenn eine geplante Reise nicht stattfinden kann? Darf ich meine Urlaubstage dann zurücknehmen? Wir klären auf!

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Über die Frist für Urlaubsanträge entscheidet das Unternehmen

Zwischen Homeoffice, Homeschooling und einem härteren Lockdown zum Jahreswechsel ist eine Sache gefühlt ganz weit entfernt: Urlaub. Weil schon im letzten Jahr die meisten Urlaubspläne ins Wasser fielen, traut man sich gerade kaum, nur darüber nachzudenken. Viele Arbeitnehmer müssen jetzt aber genau das: "Bitte reicht eure Urlaubsanträge bis Ende Januar ein!", lautet die Erinnerung in vielen Firmen. Es ist zwar nicht gesetzlich geregelt, wann Arbeitgeber Urlaubsanträge einfordern dürfen – viele große Unternehmen wollen die größeren Urlaubspläne ihrer Mitarbeiter aus Planungsgründen aber bis Ende Januar wissen. Die Urlaubs-Fristen und -Bedingungen sollten im Arbeitsvertrag vermerkt sein.


Generell gilt: Die Wünsche des Arbeitnehmers müssen berücksichtigt werden, außer es gibt dringende betriebliche Gründe, die gewünschten Urlaubstage nicht zu genehmigen. Wenn beispielsweise sämtliche Kollegen die letzten zwei Dezemberwochen frei haben möchten und der Betrieb so nicht aufrechterhalten werden könnte, darf der Arbeitgeber auch Urlaub verweigern. In anderen Firmen gibt es im Sommer Betriebsferien – da müssen dann alle Mitarbeiter Urlaub nehmen. Solche individuellen Regelungen sind ebenfalls in den Arbeitsverträgen zu finden.

Reisebuchungen sind eigenes Risiko

Dann stellt sich dem durchschnittlichen Arbeitnehmer die Frage: Wohin mit meinen 28,9 Urlaubstagen? Wer optimistisch denkt und trotz teils geschlossener Hotels und Strände einen zweiwöchigen Aufenthalt im Ausland bucht, der geht auch in diesem Jahr das Risiko ein, dass die Reise aufgrund der Pandemie wieder abgesagt werden muss. "In diesem Fall hat der Arbeitnehmer dann auch keinen Anspruch darauf, seine Urlaubstage wieder zurückzubekommen", so Arbeitsrechtler Frank Zander. Bereits genehmigter Urlaub könne nur in beidseitigem Einvernehmen wieder aufgelöst werden.

Diese Regelung spielt dem Arbeitnehmer jedoch in die Karten, wenn es um die Frage geht, ob der Chef bereits genehmigten Urlaub wieder wegnehmen kann. "Genehmigt ist genehmigt – der Arbeitnehmer darf auf seine freien Tage bestehen, wenn diese schon abgesegnet wurden", betont Zander.

Eltern müssen auf Kulanz der Arbeitgeber hoffen

Große Fragezeichen schweben momentan über den Köpfen von berufstätigen Eltern. Normalerweise musste sich der Familienurlaub nach den Schulferien richten. Jetzt wissen weder Schüler noch ihre Eltern, wann der Unterricht wieder in der Schule stattfindet, geschweige denn, wann, ob und wie lange dann Ferien sind. "Auch hier liegt es individuell am Unternehmen, wie kurzfristig Eltern Urlaub genehmigt wird – sollten die Sommerferien plötzlich zwei Wochen früher beginnen", erklärt Zander. Was Sonderurlaub zwecks Kinderbetreuung angeht, wurde bislang noch nichts entschieden. Noch hält die Politik an den vor Weihnachten beschlossenen Ausgleichszahlungen fest. Demnach bekommt ein berufstätiges Elternteil einen Lohnersatz von 67 Prozent, wenn es durch die Kinderbetreuung zu Verdienstausfällen kommt.

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Kurzarbeit: Bleiben die Arbeitstage, bleibt auch der Urlaub

Wer sich bis auf Weiteres in Kurzarbeit befindet, muss auch mit der Urlaubsplanung aufpassen. Laut des Europäischen Gerichtshofs bedeute Kurzarbeit "Null" auch Urlaub "Null". Wenn in einem Jahr also beispielsweise ein Monat lang in Kurzarbeit "Null" gearbeitet wurde, verringert sich der Urlaub in diesem Jahr um 1/12. In Deutschland gibt es dazu allerdings noch keine Entscheidung des Bundesgerichtshofs. Bei Kurzarbeit gilt laut Arbeitsrechtler Zander: Wenn die Anzahl der Arbeitstage bleibt, bleibt auch die Anzahl der Urlaubstage.

Also: Nicht nur Urlaub machen wird dieses Jahr anders, sondern auch Urlaub planen. Arbeitnehmer müssen in den meisten Punkten auf die Kulanz ihrer Chefs hoffen, denn über Corona-Sonderfälle wie Kurzarbeit oder Kinderbetreuung wurde einfach noch nicht final entschieden. Solange gelten die normalen Vereinbarungen des Bundesurlaubsgesetzes. Dazu zählt auch: Die Urlaubstage müssen bis Jahresende, spätestens aber bis 31. März des Folgejahres genommen werden, sonst sind sie weg. Und Erholung brauchen wir ja auch trotz Corona…