Machtkampf in der Union

„Einzelspieler“ und „Egoist“: Aus der Union werden Zweifel an Markus Söders Charakter gestreut

15. April 2021 - 9:08 Uhr

von Christian Berger

Der Machtkampf um die Kanzlerkandidatur zwischen Armin Laschet und Markus Söder spitzt sich zu. Diese Woche soll die Entscheidung fallen. Eigentlich müsste die Sache klar sein. Ist sie aber nicht, wie diese Woche eindrücklich zeigt.

Verheerende Umfrage-Werte für Laschet

Die CDU ist viel größer als die CSU. Armin Laschet ist erst kürzlich mit deutlicher Mehrheit zum Vorsitzenden der CDU gewählt worden. Und die Christdemokraten haben so etwas wie ein Erstzugriffsrecht auf die Kandidatur. Da sind aber auch die Umfragewerte, die aktuell verheerend für Laschet und sehr positiv für Söder sind. (Die aktuellen Werte können Sie hier im RTL-Trendbarometer nachlesen)

Der bayerische Ministerpräsident gilt als Macher in der Krise, sein nordrhein-westfälischer Kontrahent als Wendehals in der Strategie der Corona-Bekämpfung. Außerdem signalisieren viele CDU-Bundestagsabgeordnete Unterstützung für Söder. Ob aus Überzeugung oder aus Angst um die eigenen Pfründe. Das war auch bei der Unions-Fraktionssitzung am Dienstag so, wo beide Bewerber mit flammenden Plädoyers die eigene Kandidatur beschworen haben. Auch hier ergab sich aus den anschließenden Wortmeldungen eine deutliche Mehrheit für Söder als Kanzlerkandidaten.

+++ Was Armin Laschet und Markus Söder außerhalb ihrer politischen Ämter sonst noch so unterscheidet, sehen Sie in unserer Webstory +++

Kritik an Söders Aussagen in der Öffentlichkeit

Die Söder-Kritiker in der Union versuchen deshalb Zweifel am Charakter des bayerischen Ministerpräsidenten zu säen. Seine Omnipräsenz in den Medien sei Teil einer großen Selbstinszenierung – und die Spitzen gegenüber Laschet widersprächen seinem bloßen Lippenbekenntnis, ein Teamplayer zu sein. Söder habe sich in der Pandemiebekämpfung als "Einzelspieler" und "Egoist" erwiesen.

Gerne streuen die Söder-Kritiker auch, dass der bayerische Ministerpräsident ja gerne sein Fähnlein in den Wind hängt. Wenn er beispielsweise nach dem Wahlerfolg der Grünen in Bayern deren Themen in Natur- und Umweltschutz gekapert hat.

Armin Laschet sei dagegen der, der Brücken bauen könne und für das Amt des Bundeskanzlers deutlich besser geeignet sei. Und dann fällt im Gespräch mit prominenten CDU-Vertretern auch gerne der Satz: "So einer darf Deutschland nicht regieren!"

Die CDU ist in einer Zwickmühle. Das Präsidium hat sich geschlossen für Laschet ausgesprochen. Doch an der Basis gärt es. Deshalb bemühen einige das Bild des Versöhners Laschet gegen den Spalter Söder mit dem niederen Charakter. Ob die Taktik aufgeht? Am Ende hat es noch nie jemand ins Kanzleramt geschafft, der nicht ein ausgewiesener Machtpolitiker oder wie Angela Merkel eine ausgewiesene Machtpolitikerin ist. Oder sie haben sich nicht lange gehalten – wie Willy Brandt. Über den sein eigener Fraktionsvorsitzender Herbert Wehner einmal sagte: "Der Herr badet gerne lau!" Politik ist ein dreckiges Geschäft. Das ist eine Binse. Aber dieser Tage mal wieder aktueller denn je!

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