Weltarbeitsorganisation und Unicef warnen

Zahl der arbeitenden Minderjährigen erstmals seit 20 Jahren gestiegen

Zahl der arbeitenden Minderjährigen seit 2016 um 8,7 Millionen weltweit gestiegen.
Zahl der arbeitenden Minderjährigen seit 2016 um 8,7 Millionen weltweit gestiegen.
© dpa, Doreen Fiedler

10. Juni 2021 - 9:11 Uhr

Weltweit mehr als 160 Millionen Kinder betroffen

Fast jedes zehnte Kind weltweit muss Arbeit verrichten, die für die kindliche Entwicklung schädlich ist. Das waren im vergangenen Jahr nach Schätzungen weltweit 160 Millionen Menschen zwischen 5 und 17 Jahren, wie die Weltarbeitsorganisation (ILO) und das UN-Kinderhilfswerk Unicef zum Welttag gegen Kinderarbeit am kommenden Samstag berichten. Aktuelle Schätzungen zeigen: Wegen der Corona-Pandemie hat sich die Situation für Kinder nochmal verschärft.

Mehr als neun Millionen arbeitende Minderjährige könnten bis 2022 dazu kommen

Erstmals seit 20 Jahren ist die Zahl der arbeitenden Minderjährigen gestiegen, um 8,7 Millionen seit 2016. Der Anstieg liegt nicht an der Corona-Pandemie, wie die Autoren betonen. Erste Untersuchungen deuteten vielmehr daraufhin, dass wegen des Konjunktureinbruchs weltweit weniger Minderjährige einer wirtschaftlichen Aktivität nachgingen. Die Daten werden alle vier Jahre erhoben.

Langfristig dürften die Folgen der Pandemie die Lage verschärfen. Wegen der wachsenden Armut könnten bis Ende 2022 weitere neun Millionen Minderjährige gezwungen sein, zu arbeiten, so der Bericht. Manche Familien wüssten sich nicht anders zu helfen, als ihre Kinder zur Mitarbeit heranzuziehen, um nicht hungern zu müssen.

Mit Kinderarbeit ist nicht gemeint, dass Minderjährige im Haushalt helfen oder sich Taschengeld verdienen. Laut ILO geht es um Ausbeutung, also Arbeit, die den jungen Menschen ihre Kindheit, ihr Potenzial und ihre Würde stiehlt und die für ihre physische und geistige Entwicklung schädlich ist.

Mehr Informationen zum Thema Kinderarbeit können Sie auf RTL.de lesen.

Unicef-Chefin: "Manche Familien stehen vor herzzerreißender Wahl"

ARCHIV - Die 14-jährige Ibudo Asseta arbeitet im Steinbruch Pissy in Ouagadougou in Burkina Faso und zerkleinert mit einem Metallkolben Granitsteine (Aufnahme vom 06.11.2009). Sie ist seit zwei Jahren nicht mehr zur Schule gegangen, weil sie arbeiten
Afrikas Kinder kämpfen sich durch.
© dpa, Jens Kalaene

"Im zweiten Jahr mit Lockdowns, Schulschließungen, wirtschaftlichen Verwerfungen und schrumpfenden nationalen Budgets stehen manche Familien vor einer herzzerreißenden Wahl", sagte Unicef-Chefin Henrietta Fore. Sie rief Regierungen und Entwicklungsbanken auf, dafür zu sorgen, dass Kinder aus der Arbeit zurück auf die Schulbank kommen. ILO-Chef Guy Ryder verlangte Investitionen in Jobs, so dass Eltern genügend Geld für die Familien verdienen können.

Seit 2016 war der Anstieg der Kinderarbeit besonders stark bei den Jüngeren zwischen fünf und elf Jahren. Sie machen jetzt mehr als die Hälfte der Betroffenen aus. Bis 2016 war die Kinderarbeit weltweit gesunken, um 94 Millionen seit Beginn der Erhebungen 2000.

Prekär sei die Lage vor allem in Afrika, während die Zahl in der Region Asien und Pazifik sowie in Lateinamerika und der Karibik zurückgegangen sei. In Afrika südlich der Sahara arbeiteten inzwischen mehr Kinder als im Rest der Welt zusammen. Kinderarbeit kommt besonders oft in Familien vor, vor allem in der Landwirtschaft. Der Anteil lag bei rund 70 Prozent. In der Dienstleistungsindustrie arbeiten 20 Prozent, in Industriebetrieben 10 Prozent. (dpa/lwe)

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