Horror-Crash in Silverstone

Und dann „gingen die Lichter aus“: Vor 20 Jahren verunglückte Michael Schumacher schwer

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12. Juli 2019 - 9:14 Uhr

Er fühlte sich "dem Tod sehr nahe"

Heute vor 20 Jahren überlebte Michael Schumacher den schwersten Unfall seiner Formel-1-Karriere. Beim Großbritannien-GP 1999 in Silverstone bohrte sich der Rekordweltmeister mit der Nase seines Ferraris in die Reifenstapel. Er habe sich in dem Moment "dem Tod sehr nahe" gefühlt, sagte Schumacher später.

Ferrari-Chef Brawn: "Haben Mist gebaut"

"Ich liege da und merke, wie ich mich wieder so ein bisschen fange und beruhige und fühle meinen Herzschlag. Und fühle plötzlich, wie mein Herzschlag immer weniger wird und plötzlich komplett aufhört. Lichter gehen aus", sagte Schumacher mit etwas Abstand in der Talkshow "Johannes B. Kerner".

Bei diesen Worten aus Schumachers Mund wurde klar: Der schwere Unfall hat den zuvor unverwundbar wirkende Formel-1-Heroe verändert. Dabei war der Crash noch glimpflich ausgegangen.

Schumacher fuhr 306 Stundenkilometer schnell, ehe er vor einer Kurve bremste, dabei aber einfach weiter geradeaus fuhr. 107 Stundenkilometer betrug seine Geschwindigkeit, als er in der Streckenbegrenzung einschlug. Schumacher war in seinem Auto nur noch Passagier, hilflos, nachdem seine Bremsen wegen einer gelockerten Entwicklungsschraube versagt hatten. "Fakt ist: Wir haben Mist gebaut", gestand der frühere Ferrari-Technikchef Ross Brawn.

11 July 1999:  Doctors attend to Michel Schumacher of Germany and Ferrari after he hit a wall during the 1999 British Grand Prix held at SilverStone in Northampton, England.  Mandatory Credit: Andrew Redington /Allsport
Eine Herrschar von Stewards und Ärzten kümmert sich um den verunglückten Schumacher.
© Getty Images, Andrew Redington

Die Front seines Autos wurde bei dem Einschlag völlig zerstört. Als sich eine Herrschar von Helfern und Ärzte um das Wrack versammelte, kamen bei den Zuschauern vor Ort und an den TV-Bildschirmen unweigerlich Erinnerungen an Ayrton Sennas tödlichen Unfall 1994 in Imola hoch.

Er wisse nicht, wie lange er weg war oder ob es einfach nur eine Ohnmacht oder ein Schockzustand war. "Ich weiß nur, dass mein Herz aufgehört hat zu schlagen, von meinem Gefühl her. Es war eine interessante Erfahrung", sagte Schumacher zu Kerner.

ARCHIV - 10.07.1999, Silverstone: Der zerstörte Formel-1-Rennwagen des Ferrari-Piloten Michael Schumacher wird nach seinem schweren Unfall in der Stowe-Kurve unmittelbar nach dem Start zum 50. Großen Preis von England auf einen Abschleppwagen gehoben
Der völlig zerstörte Ferrari F399.
© dpa, Frm, gr fdt

Schumacher wurde im General Hospital in Northampton operiert, er erlitt lediglich erlitt eine Fraktur des rechten Schien- und Wadenbeins. Nach 42 Stunden wurde er in einer filmreifen Geheimaktion inklusive Ablenkungsmanövern und Täuschungen aus der von Fans und Medien umlagerten Klinik entlassen.

Die Bilder um das Krankenhaus glichen dabei den Szenen vom Dezember 2013, als Schumacher nach seinem furchtbaren Ski-Unfall in Grenoble versorgt werden musste.

epa04006912 On the day of Michael Schumacher's 45th birthday, Ferrari fans wave a giant flag in a vigil for retired Formula One German racing driver Michael Schumacher outside the 'Centre Hospitalier Universitaire' (CHU) hospital in Grenoble, France,
Ferrari-Fans legen nach Schumachers schlimmen Ski-Unfall vor der Klinik in Grenoble ein riesiges Scuderia-Banner aus.
© dpa, Guillaume Horcajuelo

Nach 14 Wochen Rennpause und drei gescheiterten Comeback-Versuchen kehrte Schumacher im Oktober des gleichen Jahres in Malaysia auf die Rennstrecke zurück. Spätfolgen gab es nicht. Ganz anders als bei seinem Sturz im Skigebiet von Meribel vor gut fünfeinhalb Jahren, der das Leben der heute 50 Jahre alten Motorsport-Legende für immer veränderte. Schumacher erlitt schwere Hirnschäden und wird seitdem zuhause von seiner Familie gepflegt, hermetisch abgeschirmt vor der Öffentlichkeit.

Nur wenige Menschen haben die Möglichkeit, Schumacher zu besuchen. So wie Erzbischof Georg Gänswein, der ein berührendes Treffen mit ihm beschrieb.

Le Castellet, France, 21.06.2019, Formel 1, Formula 1, French Grand Prix, Formel 2 Fahrer Mick Schumacher (GER) ( Defodi-09-506-033753 *** Le Castellet, France, 21 06 2019, Formula 1, Formula 1, French Grand Prix, Formula 2 Driver Mick Schumacher GER
Mick Schumacher ist dabei, in die riesigen Fußstapfen seines Vaters zu treten.
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Bislang unerreichte 91 Grand-Prix-Siege in der Königsklasse feierte Schumacher, der 2009 auch einmal mit dem Motorrad schwer gestürzt war. Er wurde siebenmal Weltmeister.

An diesem Wochenende macht die Formel 1 erneut Station in Silverstone. Dann wird wieder ein Schumacher an den Start gehen. Michaels Sohn Mick wird erstmals in der Formel 2 auf dem Traditionskurs Gas geben. In gut zwei Wochen wird es dann richtig emotional, wenn Mick beim Deutschland-GP in Hockenheim den Weltmeister-Ferrari seines Vaters aus dem Jahr 2004 steuert.