Bande baute in Holland Seecontainer um

Polizei findet Folterkammer der Unterwelt

09. Juli 2020 - 11:29 Uhr

Container wohl noch nicht als Folterkammer genutzt

Die niederländische Polizei hat ein Gefängnis der Unterwelt mit einer Folterkammer entdeckt. Insgesamt sieben Container seien von einer kriminellen Bande umgebaut worden, teilte die Staatsanwaltschaft in Rotterdam mit. "Das Bild der Seecontainer ist eiskalt und sehr schockierend." Sechs Personen waren den Angaben zufolge bereits vor zwei Wochen unter dem Verdacht der geplanten Entführung und Geiselnahme festgenommen worden. Die Bilder des Horror-Funds sehen Sie im Video.

Kriminelle nannten Container "Behandlungszimmer"

Die Container befanden sich in einer Lagerhalle im Ort Wouwse Plantage in der südlichen Provinz Brabant. Sechs waren eingerichtet als Gefängniszellen, schallisoliert mit WC und Handschellen an Decken und Böden.

"Einen siebten Seecontainer nannten die Verdächtigen das 'Behandlungszimmer', ganz offensichtlich gedacht und fertig eingerichtet, um Menschen zu foltern", teilte die Staatsanwaltschaft mit. In dem Container waren ein Zahnarztstuhl und zahlreiche Folterinstrumente gefunden worden, etwa Heckenscheren, Zangen und chirurgische Instrumente.

Holländische Polizei fing Telefonate und Chats ab

Die Kriminalpolizei kam den Kriminellen über das Abfangen von Telefon- und Chatgesprächen auf die Spur. Die Verdächtigen hatten nach Angaben der Polizei über das inzwischen geschlossene Netzwerk EncroChat unverblümt über Entführungen und Folterungen gechattet. Erst vor wenigen Tagen hatte die europäische Justizbehörde Eurojust berichtet, dass die Polizei das Netzwerk geknackt habe und somit ein großer Schlag gegen die organisierte Kriminalität in Europa gelungen sei.

Offensichtlich wollte die Bande sich bei den Entführungen als Sonderkommando der Polizei ausgeben. Denn die Ermittler fanden zahlreiche Waffen, Polizeiuniformen, Stoppschilder, Blaulichter und kugelsichere Westen.

Potenzielle Opfer konnten untertauchen

Die Polizei hatte die potenziellen Opfer gewarnt. Sie konnten rechtzeitig untertauchen. Die genauen Hintergründe der geplanten Entführungen blieben vorerst unklar. Die Polizei schließt einen Zusammenhang mit Drogenhandel und Erpressungen nicht aus.