Ernährungsarmut auch in Deutschland ein wachsendes Problem

Umfrage-Schock: Immer mehr Briten lassen Mahlzeiten aus - wegen Geldnot

In Großbritannien verzichten immer mehr Menschen auf Essen, um über die Runden zu kommen. (Foto: Symbolbild)
In Großbritannien verzichten immer mehr Menschen auf Essen, um über die Runden zu kommen. (Foto: Symbolbild)
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09. Mai 2022 - 16:28 Uhr

Führen die enorm gestiegenen Verbraucherpreise sogar wieder zu mehr Hunger in Europa? Laut Umfrage einer britischen Ernährungsagentur verzichten auf der Insel immer mehr Menschen auf Essen, um überhaupt über die Runden zu kommen. Auch in Deutschland ist Ernährungsarmut ein sich verschärfendes Problem, weswegen Lebensmittel-Tafeln gefragt sind wie nie. Aber den Helfern gehen immer öfter die Vorräte aus.

Fünf Prozent der UK-Haushalte tageweise ganz ohne Essen

Immer mehr Haushalte in Großbritannien lassen einer Umfrage zufolge aus finanziellen Gründen Mahlzeiten aus oder reduzieren sie. Von Januar bis April stieg diese Zahl der britischen Food Foundation zufolge um 57 Prozent und betraf im Frühjahr rund sieben Millionen Menschen. Die Organisation ließ für ihre Auswertung im April mehr als 10.000 Erwachsene in Großbritannien befragen. Fünf Prozent der Haushalte haben demnach sogar mindestens einen ganzen Tag gar nichts gegessen, weil sie sich keine Lebensmittel leisten konnten.

Wirtschaftliche Krise wird zu Gesundheitskrise

Der starke Anstieg der Preise für Lebensmittel und Energie bedeute für viele Familien eine "katastrophale Situation", sagte die Chefin der Food Foundation, Anna Taylor, einer Mitteilung vom Montag zufolge. "Die Situation entwickelt sich rapide von einer wirtschaftlichen Krise hin zu einer Gesundheitskrise." Man könne nicht von Tafeln erwarten, diese Krise zu lösen. Die Organisation forderte die britische Regierung auf, Maßnahmen gegen steigende Lebensmittelpreise zu ergreifen und Unterstützungsleistungen so zu erhöhen, dass die steigenden Preise ausgeglichen werden.

Die Verbraucherpreise haben in Großbritannien wie auch in vielen anderen Ländern zuletzt enorm zugelegt. Im März stiegen sie im Vergleich zum Vorjahresmonat um sieben Prozent.

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Hierzulande ebenfalls fünf Prozent in Ernährungsarmut

Aber auch in Deutschland stehen Geringverdiener und Bezieher von Sozialleistungen vor nicht zu stemmenden Herausforderungen. Schätzungen zufolge betrifft Ernährungsarmut mindestens fünf Prozent der Menschen in Deutschland, wie die "Blätter für deutsche und internationale Politik" schreiben. Bereits seit Langem warnen Experten wie die Soziologin Sabine Pfeiffer davor, dass mit der Ernährungsarmut "eine Dimension sozialer Ungleichheit" zurückkehre, "die seit den frühen Nachkriegsjahren als überwunden galt".

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Vor eineinhalb Jahren verlieh demnach sogar der Wissenschaftliche Beirat des Ernährungsministeriums diesen Warnungen Nachdruck: "Auch in Deutschland gibt es armutsbedingte Mangelernährung und teils auch Hunger", was für Kinder ein "manifestes Entwicklungsrisiko" darstelle, brachte das hochkarätig besetzte Gremium den gravierenden Missstand auf den Punkt. (dpa/ija)